Imperial Teen – „Now We Are Timeless​“


Künstler Imperial Teen

Imperial Teen Now We Are Timeless​ Review Kritik

Das Cover ist sinnbildlich: Auch Eisberge sehen bloß zeitlos aus, schmelzen aber.

Album Now We Are Timeless​
Label Merge Records
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Im Video zu Don’t Wanna Let You Go, der Lead-Single zum fünften Album vom Imperial Teen, spielt Stephen Tashjian die Hauptrolle. Der Künstler aus New York ist vor allem bekannt als Drag Queen namens Tabboo!, und im Clip tanzt er beispielsweise über Zebrastreifen oder strippt auf einer Parkbank. Das ist bunt, schräg, camp und schrill. Vor allem aber ist es sagenhaft eitel und affektiert, und damit leider typisch für Now We Are Timeless​. Das dazugehörige Lied beispielsweise setzt auf eine Laut-Leise-Dynamik, die wohl geheimnisvoll und überraschend sein soll, aber blutleer und kalkuliert wirkt.

Von Zeitlosigkeit, die ganz am Ende im schwebenden Titelsong artikuliert wird, kann keine Rede sein. Imperial Teen, die mit ihrem Debütalbum 1996 ihren bisher größten Erfolg hatten, hört man sehr deutlich an, dass sie dieser Ära entstammen. Die Kombination aus einem leicht zickigen Punch, hochgradig plakativen Riffs und Slogans sowie einer alles überstrahlenden Coolness in We Do What We Do Best hat man einst beispielsweise auch schon bei den Dandy Warhols erleben können. Parade ließe sich in der Nähe der Lightning Seeds einordnen, wird allerdings nicht so strahlend wie deren Songs. The Girl hätte auch gut zu Elastica gepasst.

Das Problem von Now We Are Timeless​, das in Denver und Los Angeles aufgenommen wurde, ist aber keineswegs, dass es unmodern wirkt. Vielmehr klingen Imperial Teen hier einfach nicht sonderlich motiviert. Dass die Platte so vielfältig im Sound ist, verstärkt zudem an einigen Stellen den Eindruck von Beliebig- und Seelenlosigkeit. Somebody Like Me ist einfach langweilig, Walkaway schafft es nicht einmal in die Kategorie „okay“, weil es jeden Zauber und Charme vermissen lässt, Ha ist schlicht Blödsinn, der dabei nicht einmal Spaß macht. Auch die wenigen Pluspunkte (I Think That’s Everything vereint niedlichen Gesang mit einer schönen Orgelmelodie und einem ungewöhnlichen Beat, How We Say Goodbye ist der einzige Song, der so etwas wie Eigenständigkeit entwickelt) können nicht den Eindruck korrigieren, dass Roddy Bottum, Will Schwartz, Lynn Perko Truell und Jone Stebbins hier viel bloß viel Attitüde, aber wenig Substanz zu bieten haben.

Dass Imperial Teen gerne sehr spontan arbeiten, viel improvisieren und sich auch live gerne an den Instrumenten abwechseln, sorgt für viel Freiheit und Offenheit in ihrem Sound. Auf Now We Are Timeless​ wird aber die Kehrseite dieses Konzepts deutlich, nämlich ein mangelnder Fokus und fehlende Unbedingtheit. Die Tatsache, dass alle Mitglieder des Quartetts auch in anderen Bands spiel(t)en, trägt ebenfalls zum Eindruck bei, diese Lieder seien lediglich das Ergebnis einer netten Nebenbeschäftigung, die aber eigentlich niemand braucht.

Tabboo! tanzt durch das Video zu Don’t Wanna Let You Go.

Website von Imperial Teen.

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