John Carpenter – „Lost Themes III: Alive After Death“


Künstler John Carpenter

John Carpenter Lost Themes III: Alive After Death Review Kritik

Schichten liegen übereinander: Das zeigt auch das Cover von „Lost Themes III: Alive After Death“.

Album Lost Themes III: Alive After Death
Label Sacred Bones
Erscheinungsjahr 2021
Bewertung

„Und während es mir innen wohl oder weh erging, stand meine Kraft doch in Ruhe darüber, schaute zu und erkannte das Helle und Dunkle als geschwisterlich zusammengehörend, das Leid und den Frieden als Takte und Kräfte und Teile derselben großen Musik.“

Dieser Satz stammt aus Gertrud von Hermann Hesse, und er beschreibt sehr gut die Wirkung der Musik von John Carpenter. Düster und angenehm fließen hier ebenso ineinander wie Horror und Euphorie. Ein Stück wie Dead Eyes zeigt das: Es ist ein Lied, dem man nicht allein im Dunkeln begegnen möchte, auch wenn es mittendrin eine erstaunlich schöne Pianomelodie gibt. The Dead Walk ist beinahe so energisch wie ein Rave, Dripping Blood könnte man stattdessen als Ambient bezeichnen, gerade dadurch wirkt es aber noch unheilvoller. Denn natürlich haben wir hier nach wie vor den Großmeister des Grusels vor uns, der mit Lost Themes III: Alive After Death sein erstes Non-Soundtrack-Album nach fast fünf Jahren und zugleich den Nachfolger für Lost Themes (2015) und Lost Themes II (2016) vorlegt.

Die Sache mit Alive After Death passt nicht nur gut zum blutrünstigen Metier, sondern auch zum aktuellen Status der Karriere von John Carpenter. Nachdem es lange ruhig um ihn war, hat ihm Lost Themes so viel Schwung gegeben, dass er gemeinsam mit Cody Carpenter und Daniel Davies sogar auf Tour ging. In dieser Besetzung ist auch der dritte Teil der Reihe entstanden. „Wir fangen mit einem Motiv an, einer Bassfigur oder irgendetwas, das gut klingt und uns zur nächsten Ebene führen wird. Dann fügen wir einfach immer mehr hinzu. Wir haben ein gutes Gespür für unsere Stärken und Schwächen, für eine Kommunikation ohne Worte, und all das klappt jetzt noch besser als zu Beginn. Wir sind zusammen gereift“, sagt er. Zuletzt gab es 2018 ein Highlight, als John Carpenter die Musik für den neuen Halloween-Film von Regisseur David Gordon Green beisteuerte, 40 Jahre nach der von ihm selbst gedrehten Vorlage, für die er ebenfalls den Soundtrack komponiert hatte.

Der Titelsong als Start des Albums zeigt die erwähnte Arbeitsweise des Trios: Er beginnt gespenstich und kontemplativ, spätestens das Gitarrensolo nach rund drei Minuten sorgt dann für den Eintritt ins nächste Level. Die Single Weeping Ghost erscheint unter anderem durch den Bass von Beginn an bedrohlich und lebt vom guten Zusammenspiel aus Flächen, die für Atmosphäre sorgen, und Elementen, die Vorwärtsdrang und Fortschritt hinein bringen. Der Vampire’s Touch fühlt sich erst wie ein Kribbeln an, dann wird klar, dass es vielleicht das charmante Umgarnen sein kann, bevor ein Synthesizer-Bass dann seine scharfen Zähne in die Halsschlagader bohrt und es fortan beinahe drunter und drüber (und in Richtung Rock) geht.

Das ähnlich zappelige und nervöse Cemetery entwickelt einen Sog, über das Brodeln von Skeleton legen sich eine höchst seriöse Klavierfigur, die zu klassischer Musik passen würde, und dann eine E-Gitarre, die aus dem Hardrock zu stammen scheint. Turning The Bones hat viele Elemente, die irrlichternd erscheinen, das gilt sowohl für den Synthie-Bass, der im Vordergrund steht, als auch für alles, was daneben und dahinter passiert. Carpathian Darkness schließt das Album ab und ist das atmosphärisch stärkste Stück auf Lost Themes III: Alive After Death.

Den ersten Teil der Lost Themes hatte John Carpenter als „einen Soundtrack für die Filme in deinem Kopf“ bezeichnet, das trifft auch hier wieder zu. Man kann nicht anders als bei dieser Musik im Kopfkino zu landen, und natürlich beginnt da ein ziemlich gruseliger Film abzulaufen. Das wirklich erstaunliche an diesen zehn instrumentalen Songs ist aber: Bald wirken sie nicht mehr wie eine akustisch evozierte Illusion, sondern wie finstere Realität.

Das Video zu Alive After Death bietet auch genug, wovon man Albträume bekommen kann.

Website von John Carpenter.

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