Jung & schön


Film Jung & schön

Jung und schön Review Kritik

Isabelle (Marine Vacth) prostituiert sich.

Produktionsland Frankreich
Jahr 2013
Spielzeit 93 Minuten
Regie François Ozon
Hauptdarsteller Marine Vacth, Frédéric Pierrot, Géraldine Pailhas, Lucas Prisor
Bewertung

Worum geht’s?

Kurz vor ihrem 17. Geburtstag erlebt Isabelle ihr erstes Mal, mit einem Ferienflirt am Strand. Es ist nicht sonderlich romantisch, aber auch nicht katastrophal. Trotzdem verändert es ihren Blick auf die Welt komplett. Wieder zurück in Paris, fängt die Schülerin an, sich zu prostituieren. Über ein Online-Portal und ein zweites Handy erschafft sie sich ein Doppelleben, von dem weder ihre Eltern noch ihre Freundinnen oder ihr jüngerer Bruder, dem sie sonst selbst intimste Details erzählt, etwas ahnen. Regelmäßig trifft sie ältere Männer in Hotels, statt Lust und Erfüllung findet sie auch dort aber meist Erniedrigung oder Verzweiflung. Erst, als einer ihrer betagten Freier beim Liebesspiel stirbt, hört sie mit ihrem Nebenjob auf. Kurz darauf ermittelt die Polizei in dem Todesfall und kommt ihr auf die Schliche. So erfahren auch Isabelles Eltern, dass sich ihre Tochter verkauft hat.

Das sagt shitesite:

Jung & schön ist in vier Teile gegliedert, betitelt nach den Jahreszeiten. Das suggeriert einen Formalismus und eine Zielgerichtetheit, die sich im Film von François Ozon sonst nirgends finden. Das Werk lebt von seiner Ästhetik, vor allem aber von der Rätselhaftigkeit. Sie bezieht sich auf den kleinen Bruder von Isabelle als Voyeur und Komplize. Sie bezieht sich auch auf ihre Mutter, die erschüttert ist, was bloß mit ihrer Tochter los ist. Vor allem aber bezieht sie sich auf Isabelle selbst und auf das, was sie antreibt.

Sie wächst in behüteten Verhältnissen auf und braucht auch das Geld nicht, das sie als Prostituierte verdient. In Gesprächen mit einem Psychologen werden ein paar Erklärungsversuche für ihre Motivation angeboten, auf die sie halbherzig eingeht. Letzlich kann sie ihr Handeln aber selbst nicht begründen und deshalb auch ihrer verzweifelten Mutter nicht darlegen, was sie zu diesem Wagnis getrieben hat. „Es war ein Spiel“, sagt sie. Sie kann klar benennen, warum sie aufhört, für Geld mit Männern zu schlafen, aber nicht, warum sie angefangen hat.

Die Antwort steckt wohl in der Persönlichkeitsentwicklung, die Isabelle in Jung & schön nimmt. Sie ist zu Beginn vielleicht kein Opfer, aber in jedem Fall passiv, nicht nur in der Nacht am Strand, die alles in ihrem Leben verändert. Am Ende hat sie die die Zügel in der Hand, sie dominiert ihre Freier, ihre Mutter, sogar den Psychologen, der herausfinden soll, was mit ihr nicht stimmt. Das heimliche Leben als Hure war für sie also nicht nur adoleszente Provokation, Grenzüberschreitung und Rebellion, sondern vor allem eine Möglichkeit, sich zu emanzipieren. Ihre Erkenntnis scheint zu lauten: Als attraktive junge Frau werde ich sowieso auf meine Jugend und  Schönheit reduziert, dann kann ich auch gleich Profit daraus schlagen. Sex ist nichts, worüber ich mein Glück definieren möchte, dann kann ich das auch als Geschäft betreiben.

Als Callgirl gewinnt sie Autorität über ihren Körper, über die Blicke und Avancen, die sie ohnehin von Männern erntet, ungefragt und permanent. Der heimliche Nebenjob wird für sie zur doppelten Grenzerfahrung: Sie testet, wie viel sie ertragen kann, aber auch, wie viel sie sich herausnehmen kann.

Bestes Zitat:

„Sie ist meine Tochter und sie ekelt mich an.“

Der Trailer zum Film.

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