Kama Sutra: A Tale Of Love


Film Kama Sutra: A Tale Of Love

Kama Sutra: A Tale of Love Filmkritik Rezension

Maya (Indira Varma, links) und Tara (Sarita Choudhury) werden von Freundinnen zu Rivalinnen.

Produktionsland Indien
Jahr 1996
Spielzeit 117 Minuten
Regie Mira Nair
Hauptdarsteller Indira Varma, Sarita Choudhury, Naveen Andrews, Ramon Tikaram
Bewertung

Worum geht’s?

Indien im 16. Jahrhundert: Die Mädchen Tara und Maya wachsen Seite an Seite auf, allerdings in denkbar unterschiedlichen Rollen. Tara ist Prinzessin, ihr ist ein Leben in Saus und Braus vorherbestimmt. Maya hingegen ist die Tochter einer Dienerin am Herrscherhaus, als Sinnbild ihres deutlich niedrigeren Ranges empfindet sie die Tatsache, dass sie immer bloß Taras abgelegte Kleider tragen darf. Als die Mädchen herangewachsen sind und die Heirat von Mara mit dem Prinzen Raj aus einer benachbarten Region bevorsteht, ergibt sich für Maya die Gelegenheit, endlich einmal an ihrer Freundin vorbeizuziehen: In der Hochzeitsnacht schläft sie mit dem Bräutigam, noch bevor er sich zu Tara begibt. Als das herauskommt, wird Maya vom Hof gejagt. Mittellos landet sie im Nachbarreich, in dem Raj regiert, und findet erst bei dem Bildhauer Jai Kumar eine Obhut, dann in einem Haus, in dem Frauen als Kurtisanen ausgebildet werden und das Kamasutra erlernen. Zu Jai Kumar fühlt sich Maya bald nicht nur aus ihrem Schutzbedürfnis heraus hingezogen, doch der Künstler will keine dauerhafte Beziehung, weil die Liebe zu einer Frau ihn zu sehr von seiner Arbeit abzulenken droht. Dafür hat Raj – inzwischen alleiniger Herrscher in seinem Reich – die Nacht mit der schönen Maya nicht vergessen. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um sie ausfindig zu machen. Schließlich wird Maya in seinen Harem aufgenommen, und Tara hat in ihrer einstigen Freundin nun eine Rivalin, die selbst den König nach ihrer Pfeife tanzen lässt.

Das sagt shitesite:

Unter dem Arbeitstitel Tara & Maya firmierte dieser Film während der Dreharbeiten in Indien. Mit diesem Trick wollte Mira Nair, die für Regie und Drehbuch verantwortlich ist, die arg prüden Behörden in ihrer Heimat hinters Licht führen. Denn einen Film, in dem es um das rund 1800 Jahre zuvor an ungefähr gleicher Stelle verfasste Kamasutra geht, hätten die Sittenwächter des heutigen Indien niemals erlaubt.

Das Problem von Kama Sutra: A Tale Of Love ist, dass auch der neue Titel ein Etikettenschwindel ist, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zwar nehmen Sinnesfreuden wie Farben, Gerüche, edle Stoffe, Musik und natürlich das Liebesspiel hier eine sehr prominente Rolle ein, gleich mehrfach wird das Kamasutra auch explizit erwähnt, nicht zuletzt ist der Streifen tatsächlich ziemlich freizügig, nicht nur für indische Verhältnisse. Aber wer ein verfilmtes Lexikon der Liebesstellungen erwartet, wird schwer enttäuscht sein. Viel mehr als um die Vollendung der körperlichen Lust und spirituellen Verbindung zwischen Liebenden geht es hier um Status, Eifersucht und Macht.

Filmemacherin Nair hat den Wettstreit zwischen Maya und Tara, nicht nur um die Gunst von Raj, recht treffend als „sexuelles Schach“ beschrieben. Doch die Idee, aus dieser Rivalität die Spannung des Films erwachsen zu lassen, scheitert. Auch als Tale Of Love versagt das Werk, denn dafür ist erstens die arg konstruierte Handlung nicht glaubwürdig genug, zweitens sind die Figuren viel zu wenig differenziert, um wirklich faszinierend zu werden oder gar Empathie aufkommen zu lassen.

Auch der wahrscheinlich ambitionierteste Versuch, der in Kama Sutra: A Tale Of Love steckt, geht schief: Die Gegenüberstellung eines sinnlichen, aufgeschlossenen, gleichsam paradiesischen Indien aus der Entstehungszeit des Kamasutra im 3./4. Jahrhundert mit dem puritanischen, frauenfeindlichen Indien unserer Tage soll wohl als Appell für mehr Liberalität dienen, die klassen-übergreifende Freundschaft von Maya und Tara vielleicht ein Beispiel für feministischen Zusammenhalt geben. Beides funktioniert nicht, weil der Film auch diese beiden Hauptfiguren letztlich schwach sein lässt. Die Macht der Frauen beruht hier nur auf ihrer Schönheit und ihrer Verführungskunst, und deshalb bleibt sie stets der Macht der Männer – so sehr sie auch, wie im Fall von Raj, als geradezu verblödete Opfer der eigenen Begierde erscheinen mögen – untergeordnet.

Bestes Zitat:

„Wenn das Rad der Liebe sich erst dreht, dann gibt es keine Regeln mehr, und keine Ordnung.“

Der Trailer zum Film.

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