Durchgelesen: Jacques Le Goff – „Die Geburt Europas im Mittelalter“


Jacques Le Goff fragt nicht nur, wo Europa herkommt, sondern auch, wo es aufhört.

Autor Jacques Le Goff
Titel Die Geburt Europas im Mittelalter
Verlag C. H. Beck
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung ***

Was ist Europa? Die EU? Die Fläche von der Atlantikküste bis zum Ural? Gar nicht so leicht zu beantworten.

Warum das so ist, erklärt der französische Historiker Jacques Le Goff in seinem Buch. Denn Europa ist für ihn „Idee und Gestalt“, zeichnet sich aus durch die Dialektik der Einheit (der Christenheit) und Vielfalt (der Nationen).

Eine ähnlich weiche und doch einleuchtende Antwort hatte auch der ungarische Mediävist Gabor Klaniczay schon einmal gegeben. Er hat „ein Mitteleuropa gefunden, das (…) einen nach Osten unbegrenzten Raum darstellt, der sich vom Westen her entwickelt“. Das also ist Europa.

Doch seit wann gibt es dieses Europa, seit wann wird es als Kontinent wahrgenommen, seit wann fühlen sich seine Einwohner einander zugehörig, seit wann nennen sie sich Europäer? Diesen Fragen geht „Die Geburt Europas im Mittelalter“ nach. Auch hier lautet die Antwort: Alles ist im Fluss. Gerade deshalb kann man Le Goffs Einteilung in vier Phasen von der Empfängnis bis zum Herbst des Mittelalters hinterfragen. Dennoch zeigt seine Darstellung eindrucksvoll die Kraft der Ideen in der langen Dauer.

Le Goff zeigt Vordenker und Quertreiber, Traditionsstränge und Brüche. Wirtschaft und Religion spielen dabei eine Rolle, aber auch Tischsitten und Sprache. Sein Buch zeigt ein Europa, das hell und lebendig ist – und das sich inmitten von Innovationen gleich selbst mit erfindet.

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