Leben in der Bude


Die Grünen sind keine Partei wie jede andere. Sie sind jünger, weiblicher und bunter als alle anderen Parteien im Bundestag. Und wenn der Kölner Parteitag eines klar gemacht hat, dann dies: Sie sind stolz darauf.

Spontaneität, Standhaftigkeit und eigene Ideen werden hier nicht als Quertreiberei angesehen, sondern als integraler Bestandteil im demokratischen Prozess. Das machte sogar die peinliche Debatte über das neue Parteilogo deutlich: Es ist Leben in der Bude. So kann man streiten, ohne zerstritten zu sein.

Ihre Rolle als Stachel im Fleisch der etablierten Parteien können die Grünen in der Opposition wieder deutlich besser spielen. Sie sind inzwischen nicht nur dort angekommen, sondern schon einen Schritt weiter – mindestens. Bis ins 22. Jahrhundert reichen ihre Konzepte zum Klimaschutz, und bereits bis 2009 ihre politischen Strategien. Dann wollen die Grünen wieder regieren in Deutschland.

Die Frage „Mit wem?“ wurde in Köln allenthalben gestellt. Es ist wohltuend, dass die Grünen eine Antwort verweigern und stattdessen ein „Wie?“ setzen. Dass es um Inhalte gehen soll, nicht um Mehrheiten, ist zwar ein Credo, das spätestens auf dem Weg zu den Landtagswahlen 2008 wackeln dürfte. Dennoch tun die Grünen gut daran, sich nicht anzubiedern. Ihr eigenes Profil ist stark genug, um zu bestehen. Denn grüne Fragen – die längst auch andere Parteien als die existenziellen Fragen der Gegenwart erkannt haben – gehen sie weiterhin mit ungemeiner Leidenschaft, Glaubwürdigkeit und Kompetenz an.

Dabei profitiert die Partei – trotz aller Zerreißproben, die diese Epoche mit sich brachte – mittlerweile auch von den sieben Jahren in Regierungsverantwortung. Die Grünen haben in dieser Zeit nicht nur Gefallen an der Macht gefunden. Sie haben auch gelernt, fundamentalistische Positionen zu Gunsten von Lösungen aufzugeben, die auch der Lebenswelt gerecht werden. Das haben sie bei den Richtungsstreitigkeiten in Köln ebenfalls erkennen lassen und so eine stimmige Balance zwischen Realismus und Radikalität gefunden. Nach Krisenbewältigung sah der Parteitag jedenfalls nicht aus. Eher nach Aufbruch.

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