Lulu


Film Lulu

Lulu Filmkritik Rezension

Lulu (Jessica Schwarz) verdreht den Männern den Kopf.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2006
Spielzeit 120 Minuten
Regie Uwe Janson
Hauptdarsteller Jessica Schwarz, Dietrich Hollinderbäumer, Alexander Scheer, Sylvester Groth, Carlo Ljubek, Matthias Schweighöfer
Bewertung

Worum geht’s?

Dr. Schön, Chefredakteur einer Berliner Zeitung, nimmt das Straßenkind Lulu als 12-Jährige auf, stattet sie aus und verschafft dem Mädchen, das schon bald seine Mätresse wird, eine gute Erziehung. Als er einige Jahre später eine Dame aus gutem Hause heiraten will, gilt es, die ebenso anrüchige wie leidenschaftliche Beziehung zu beenden. Dr. Schön verkuppelt die junge Frau an Dr. Goll, einen gut situierten Beamten, mit dem er befreundet ist. Der greise Herr ist begeistert, heiratet Lulu und ist so stolz auf seine junge Braut, dass er sie vom Maler Schwarz proträtieren lassen möchte. Als er herausfindet, dass sie mit ihm eine Affäre hat, fällt er tot um. Lulu ist daraufhin eine reiche Witwe und heiratet kurz darauf den Maler. Ruhe kehrt in ihrem Liebesleben aber keinesfalls ein: Ihre Schönheit zieht immer neue (und auch einige frühere) Verehrer an – und stürzt sie durchweg ins Verderben.

Das sagt shitesite:

Die Handlung von Lulu beruht auf einem Theaterstück von Frank Wedekind und sollte einer der beliebtesten Stoffe des 20. Jahrhunderts werden. Regisseur Uwe Janson wollte trotz dieser Historie allerdings keinen Mitschnitt einer Theateraufführung machen, sondern ein Werk, das ganz und gar Film ist. Das gelingt vor allem durch die Kameraführung, die immer wieder ganz nahe an die Protagonisten herangeht und so entscheidend zur intensiven Atmosphäre von Lulu beiträgt.

An anderer Stelle ist der Ursprung dieser Geschichte unverkennbar. Zum einen wurde der Originaltext des Stücks verwendet, zum anderen der Plot in chronologischer Reihenfolge gedreht, mit teils so langen Einstellungen, dass sie sich von einer Szene im Theater kaum noch unterscheiden. Auch der Fokus auf kluge Dialoge, der abgeschlossene Schauplatz (Janson verlegt Lulu in ein fiktives Hotel) und nicht zuletzt die Tatsache, dass man als Zuschauer hier deutlich mehr Konzentration aufbringen muss als bei einem gewöhnlichen Fernseh- oder auch Kinofilm, stärken diesen Eindruck.

Belohnt wird man mit einem sagenhaft guten Ensemble und einem sehr aktuellen Blick auf die Zusammenhänge zwischen Trieb und Macht, Sehnsucht und Moral. Hoch interessant sind auch die Parallelen, die Lulu zwischen Kunst (personifiziert in der Figur des Malers Schwarz, aber wohl ebenso übertragbar auf Theater und Film) und Prostitution aufzeigt: „Das ist ein Anblick, vor dem die Kunst verzweifeln muss“, sagt der Maler, als er Lulu zum ersten Mal sieht, und nicht nur die Tatsache, dass er vom greisen Ehemann seines Modells fürs Malen bezahlt wird, zeigt, wie sehr beide Metiers gelegentlich das gleiche Geschäft betreiben: Sie bieten Schönheit an, die verkäuflich ist.

Vor allem aber seziert Lulu eine im höchsten Maße faszinierende Frauenfigur – und jenseits der Person auch den Topos von Verführerin, Muse, Vamp, Lolita. Lulu ist all das, will all das sein und nutzt all diese Inkarnationen, um die Menschen zu manipulieren, die solche Prototypen auf sie projizieren. Ihr eigentliches Ziel bleibt freilich für all ihre Bewunderer unerkannt und deshalb für sie selbst unerreicht: Sie will Liebe, während alle in ihr nur eine Trophäe sehen. Egal, wie viele Männer sich nach ihr verzehren oder wegen dieser Begierde sogar sterben: Unter der Rolle als Femme fatale leidet Lulu selbst am meisten.

Bestes Zitat:

„Sie hat es keinen bereuen lassen, dass er sie nicht geheiratet hat.“

Der Trailer zum Film.

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