Malky, Täubchenthal, Leipzig


Mit dem Heimspiel in Leipzig beendeten Malky ihre Tour. Foto: verstaerker.com

Mit dem Heimspiel in Leipzig beendeten Malky ihre Tour. Foto: verstaerker.com

„Enschleunigt.“ Das ist nicht gerade ein Kompliment für ein Konzert. Normalerweise. In der Welt von Malky ist das anders. Das Heimspiel des Duos im Leipziger Täubchenthal ist durch und durch entschleunigt, und dennoch ein Triumph.

Nicht nur, weil die Show ausverkauft ist („Wir sind sehr müde. Und sehr froh“, fasst Daniel Stoyanov die bisherige Tour zum Debütalbum Soon zusammen, die in Leipzig ihr Finale findet), sondern auch, weil praktisch alle Stücke auf diesen zuvor neun Konzerten offensichtlich noch einmal deutlich an Kontur gewonnen haben. Praktisch alles ist (noch) besser als auf Platte, und gerade das macht den Abend im Täubchenthal auch für eingefleischte Malky-Fans so interessant.

Live finden Malky ein wunderbares Format, um ihr technisches Können zu demonstrieren (Michael Vajna gönnt sich schon mal ein Orgelsolo, ein paar Stücke werden um ein paar Jam-Session-Takte verlängert). Hörte man einigen Songs auf Soon noch an, wie viel Studioarbeit, Digitaltechnik und Perfektionismus darin steckt, haben die Songs auf der Bühne viel mehr Präsenz, Leben und Kraft. Als Stoyanov nach zwei Dritteln des Konzerts im Täubchenthal feststellt, dass er „stinkt wie ein Puma – ein männlicher Puma“, ist das also unbedingt als Qualitätsmerkmal zu interpretieren.

Seine Stimme ist es nach wie vor, die Malky besonders macht. Sie dominiert mühelos den Sound dieser Band, ist bei jeder Silbe beeindruckend und verleiht auch den etwas verkopfteren Passagen die nötige Portion Soul. Trotzdem zeigt die Show in Leipzig auch, wie weit der musikalische Horizont von Malky über klassischen Soul hinaus reicht. Die aggressiven Synthies in Showdown wirken live nicht mehr wie ein Gimmick, sondern lassen das Lied tatsächlich gefährlich werden. Give Away fußt auf einem lupenreinen HipHop-Beat. Und dass Malky auch einem Ausflug in Indierock-Gefilde nicht abgeneigt sind, offenbart sich spätestens ein paar Stunden nach dem Konzert, als die Bandmitglieder das Ende der Tour noch zu den Klängen von Dead Disco im Ilses Erika feiern.

Mit History Of Broken Hearts geht die Show im Täubchenthal zu Ende, bevor in der Zugabe unter anderem ein kleines Medley erklingt („Wir werden nie wieder ein Debütalbum machen, das nur elf Stücke enthält“, verspricht Stoyanov, als das Repertoire erschöpft ist) – natürlich nicht, ohne dass Malky noch gebührend ihrer Wahlheimat gehuldigt haben. „Wir sind wirklich froh, in Leipzig zu sein, einer Stadt, die uns den Raum und die Zeit gegeben hat, diese Platte so werden zu lassen, wie sie ist“, sagt Stoyanov. Dann fügt er noch einen Satz an, den man aus seinem Munde sicher ebenfalls als ein Kompliment interpretieren darf: „Und einer Stadt mit wunderbar entschleunigten Menschen.“

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