Mark Lanegan Band – „No Bells On Sunday“


Künstler*in Mark Lanegan Band

Mark Lanegan Band No Bells On Sunday Review Kritik

„No Bells On Sunday“ war ein Vorbote für das Album „Phantom Radio“.

EP No Bells On Sunday
Label Heavenly
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Als Vorbote für das kurz darauf folgende Album Phantom Radio veröffentlichte Mark Lanegan im August 2014 diese EP. Die fünf Lieder von No Bells On Sunday fand er nach eigener Aussage „zu albern“, um sie aufs Album zu packen. „Ich neige mittlerweile weniger dazu, einen Song wegzuwerfen, der vielleicht ein bisschen seltsam ist. Ich kann ihn meistens schon noch zum Laufen bringen, wenn ich erst die richtigen Mittel gefunden habe“, sagt der Mann, der einst bei den Screaming Trees war und sich danach unter anderem als Gast oder Mitstreiter bei Queens Of The Stone Age, Moby oder UNKLE einen Namen gemacht hat.

Zu den Mitteln der Wahl zählt bei No Bells On Sunday (der Deluxe Edition von Phantom Radio, seinem dritten Album mit der Mark Lanegan Band und seinem neunten als Solokünstler, lag die EP dann später trotz der vermeintlichen Unvereinbarkeit doch bei) zählt hier unter anderem eine App namens Funk Box auf seinem Smartphone, mit der er viel gearbeitet hat. „Ich konnte mir die Mühe sparen, meine Drumcomputer anzuschließen, weil die App diese Sounds schon hatte. Ich habe damit Schlagzeugparts geschrieben und dann mit dem Synthesizer oder der Gitarre weitere Musik hinzugefügt“, beschreibt er den Entstehungsprozess, in den dann auch Produzent Alain Johannes eingebunden war.

Welche Resultate diese Arbeitsweise brachte, zeigt schon der Auftakt Dry Iced. Alles an der Atmosphäre und dem Text verweist auf Apokalypse oder Dystopie, es gibt dreckige Straßen, zielloses Herumstreunen, Tränen zu Mitternacht und Babylon am Horizont. Das wird umgesetzt mit einer reduzierten E-Gitarre und einem sehr straighten Computerbeat – es wirkt, als hätte jemand versucht, Bob Dylans Time Out Of Mind tanzbar zu machen.

Ein weiterer wichtiger Einfluss für No Bells On Sunday war eine Radioshow mit Fokus auf die Achtziger, die Mark Lanegan besonders gerne auf seinem Lieblingssender Sirius hört. „Sie haben ein paar gute Sendungen, aber besonders die 80er-Jahre-Sendung mag ich“, sagt er. „Diese Musik umgab uns, als ich anfing, Musik zu machen. Und obwohl die Trees auf Nuggets Psychedelia, 13th Floor Elevators und Love zurückgriffen, hörten wir eigentlich Echo And The Bunnymen, Rain Parade, The Gun Club. Eine Menge britischen Post-Punk. Wir liebten dieses Zeug. Ich habe nur gewartet, bis ich in meinen späten Vierzigern war, bevor ich anfing, es zu klauen“, scherzt er. Diese Vorbilder hört man tatsächlich sehr deutlich im Titelsong der EP, vor allem in den Synthesizer-Sounds, die gemeinsam mit dem Gesang eine fast hypnotische Wirkung entfalten.

Das folgende Sad Lover scheint hingegen eher von seiner Kollaboration mit den Queens Of The Stone Age geprägt, sowohl der forsche Beat als auch der dynamische Bass lassen den Song enorm kraftvoll werden. Am Beginn von Jonas Pap steht die Zeile „Where is the sound I was hearing in my head?“, und die Verwunderung, die man bei so einer Frage empfinden muss, ist wohl nicht viel kleiner als die von Gregor Samsa, als er sich „zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“ vorfand. Bei Mark Lanegan scheint die Reinkarnation aber eher in Gestalt eines Predigers stattzufinden, der warnend durch die Welt zieht und von Streichern im Hintergrund begleitet wird. Man kann sich gut vorstellen, dass Kurt Cobain das vielleicht gerne in die Setlist für Nirvana Unplugged aufgenommen hätte.

Der Abschluss der EP ist wieder fast wie der Beginn: Das mehr als acht Minuten lange Smokestack Magic enthält nicht nur die Zeile, aus der Mark Lanegan den Titel des folgenden Albums entlehnt hat. Es gibt auch reichlich Anspielungen auf die Bibel und Transzendenz („You make me feel like I’ve already died“) zu einem irritierenden Synthie-Sound und einer Stimme, die manchmal mehr Flehen und Barmen als Singen ist. Am Ende klingt das wie in einer Disco zum Weltuntergang – oder vielleicht auch schon im Purgatorium.

Die Mark Lanegan Band spielt No Bells On Sunday live.

Website von Mark Lanegan.

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