Moaning – „Moaning“


Künstler Moaning

Moaning Band Kritik Rezension

Die Mitglieder von Moaning kannten sich seit zehn Jahren, als sie eine Band wurden.

Album Moaning
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Wer glaubt, Online-Videos seien nur für putzige Katzen, Superzeitlupen von Zerstörungsprozessen und all jene gut, deren Fetisch beim Sex laut und in hohen Frequenzen stöhnende Partner sind (das ist laut Urban Dictionary die Definition von „Moaning“), den kann dieses Trio aus Los Angeles schnell eines Besseren belehren.

Das heute erscheinende Debütalbum von Moaning hat Alex Newport (At the Drive-In, Melvins, Bloc Party) produziert. Die Zusammenarbeit entstand, nachdem er ein Video der Band entdeckte und sie daraufhin in sein Studio einlud. Was dort heraus kam, passt zu den Künstlern, mit denen er sich einen Namen gemacht hat: intelligente, ungewöhnliche Rockmusik, die auf großem technischen Können beruht, aber nie die nötige Emotionalität vermissen lässt.

Die Singe Don’t Go eröffnet die Platte, es dauert nicht lange, bis man „Shoegaze“ denkt, dann zeigt sich aber, dass dieser Sound brodelt, sogar zur Eruption imstande ist. In der Tat zählen Sean Solomon, Pascal Stevenson und Andrew MacKelvie beispielsweise Slowdive zu ihren Vorbildern, ebenso wie New Order oder Broadcast. In For Now wird diese Prägung offensichtlich, wenn das Schlagzeug zappelig und auch die Gitarre sehr lebendig ist, der Gesang aber träge und verschlafen in schönster Slacker-Manier bleibt. In Misheard ist es kaum zu fassen, dass man so lakonisch über Unzufriedenheit, Frust, Hass und Selbsthass singen kann. Das „I’m so tired“ in Tired glaubt man Sänger Sean Solomon sofort, aber er sieht ziemlich elegant dabei aus.

Die drei Mitglieder kannten sich schon seit zehn Jahren, als sie die Band gründeten. Vielleicht braucht es so viel Vorlauf, um ein so reifes Debüt vorzulegen. Somewhere In There ist abstrakt und trotzdem wuchtig, in Close rücken die auf diesem Album gelegentlich durchscheinenden Synthies etwas mehr in den Vordergrund, der Gesang bewegt sich derweil in die Nähe von Nada Surf. Und immer wieder bekommen Moaning sehr reizvolle Kontraste, sogar Widersprüche hin.

Tempo und Attitüde von The Same (das war der Song, der ihnen die Aufmerksamkeit von Alex Newport einbrachte) sind Punk, das Break hingegen würde auch in ein Frühwerk von INXS passen. Artificial versprüht Gift und Galle zumindest im Sound, wie man das von den Cribs oder Therapy? kennt. Die Strophe von Useless ist recht aufgeräumt, beinahe soft, im Refrain scheint der Gesang allerdings von einem Orkan aus Gitarren verschlungen zu werden. Der beste Song ist Does This Work For You, denn er zeigt, wie ambitioniert und kreativ Moaning sind, im Text, mit seinem ungewöhnlichen Takt und mit einer fast expressionistischen Gitarrenarbeit.

Knutschen, Fausthiebe, Rosen: das Video zu Don’t Go.

Moaning bei Bandcamp.

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