Moss – „HX“


Künstler*in Moss

Moss HX Review Kritik

Nach fünf Jahren Pause kehren Moss mit „HX“ zurück.

Album HX
Label Excelsior
Erscheinungsjahr 2022
Bewertung

Wenn eine Band ins Kloster geht, steht das normalerweise für Rückzug und Besinnung. Bei Moss, die aus Antwerpen kommen und sich in ihrer Heimat mit bisher sechs Alben einen Ruf als Indierock-Institution erarbeitet haben, wurde aus dieser Idee aber so etwas wie eine Wiedergeburt und ein zweiter Frühling.

Als sie sich 2020 an die Produktion ihres siebten Longplayers machen wollten, funktionierte das nicht so richtig. Vielleicht lag es an den fünf Jahren Pause, die sich das Sextett zuvor gegönnt hatte, vielleicht an den erschwerten Arbeitsbedingungen während des Lockdowns, in dem jeder Musiker zunächst nur alleine für sich neues Material schreiben konnte. Das Kloster „Hoogcruts“ (zu deutsch: Hochkreuz) im äußersten Süden der Niederlande brachte dann den Durchbruch: Dort kamen alle Mitglieder, einschließlich Gitarrist Bob Gibson, der vor zehn Jahren die Band verlassen hatte und nun wieder zurückkehrte, zusammen – und von da an lief es rund.

Der Einfluss war so groß, dass Moss die Platte nach dem Ort der Entstehung benannt haben. Der Albumtitel HX ist eine Anspielung auf Hoogcruts. Auch in der Geschichte des 1496 errichteten Klosters sieht die Band einige Parallelen zu ihrem eigenen Lebenszyklus. Das Gebäude wurde zwischenzeitlich umfunktioniert, dann bei einem Brand zerstört, war eine Ruine und wurde dann wieder aufgebaut. „Was wir am meisten an diesem Album lieben, ist dass dieses Kloster so ein Teil des Albums geworden ist. Man kann den eigentlich zu großen, halligen Raum förmlich hören. Es klingt so lebendig!“, sagen Moss jetzt.

Not Today eröffnet die Platte mit einer Gitarre, die ebenso ungewöhnlich wie plakativ ist, der Sound deutet durchweg eine Aggressivität an, aber die warme Stimme à la Fran Healy von Travis, der Harmoniegesang, das getragene Tempo und die hübsche Melodie zu den Wörtern „You’re a shining light“ verhindern, dass diese tatsächlich wirksam wird. Before It’s Gone vereint Groove und Jangle, wie das beispielsweise auch die Shout Out Louds können, in Save Me erkennt man beispielsweise an dem sehr ungewöhnlichen Takt und dem Chorgesang den Einfluss von Radiohead. Das sanfte Salt würde zu Ben Kweller passen, Understand mit seinen verträumten Synthies und dem prominenten Bass zu Air.

Bei all diesen Referenzen haben Moss auch genug Eigenständigkeit und überzeugen auf HX mit sehr souveränem, kompetentem und abwechslungsreichem Indierock und mit richtig viel Lust auf schöne, eingängige, bedeutsame Gitarrenmusik. Es gibt kein Lied, das auf wirklich spektakuläre Weise herausragt (und das ist auch so gewollt), aber wenn man so etwas wie den Hit der Platte sucht, ist man bei Simplify It sicher an der richtigen Adresse, in jedem Fall ist es der attraktivste Moment des Albums. Auch Around hat viel Dringlichkeit im Rhythmus, der Gesang bleibt in der Strophe fast gesprochen, in der Summe wird das geheimnisvoll, im Refrain schließlich dezent hymnisch (falls es so etwas gibt).

Supercali entwickelt inmitten von New-Wave-Ästhetik einen ähnlichen Drive. The Lighthouse setzt auf einen sehr robusten Beat, auch hier gibt es inmitten des Vorwärtsdrangs allerdings noch Verspieltheit und sogar Melancholie. Zu den reduzierteren Momenten auf HX gehören das etwas exotische Beginning und das faszinierende Everything You Do Is Right, das um ein paar hypnotische Sequenzer-Töne herum aufgebaut wird. Und natürlich der akustische Album-Schlusspunkt Goodbye, mit dem Moss beweisen, dass sie auch sensible Klänge bestens beherrschen – und zumindest gelegentlich im Kloster wohl doch auch zur Ruhe gekommen sind.

So sieht es im Kloster aus: eine Live-Fassung von Goodbye.

Website von Moss.

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