Nesta And The Blondes – „Come Inside“


Künstler Nesta And The Blondes

Nesta And The Blondes Come Inside Review Kritik

Von Surfern sind Nesta And The Blondes zu einer Band geworden.

Album Come Inside
Label DCD Records
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Die Entwicklung in der Beziehung zwischen den fünf Bandmitgliedern bei Nesta And The Blondes ist ziemlich außergewöhnlich, nicht nur, weil sie sich so genau beschreiben lässt. Sie waren, in dieser Reihenfolge: begeisterte Snowboarder (dieses Hobby führte sie erstmals zusammen), Urlaubsbekanntschaften (während eines Aufenthalts in Graubünden), Geistesverwandte (sie sind „vielleicht nicht die besten Musiker, aber die besten Freunde“, heißt es im Presse-Info), Nachbarn (sie sind Gründer und Bewohner der Künstlerkommune „Villa La Fortunata“) und schließlich Bandkollegen.

Bei der gemeinsamen Zeit in der Kommune spielten Andrea Corona (Gesang, Gitarre), Michelle Früh (Keyboard), Tiziana Hossmann (Metallophon), Nesta Corona (Bass) und Jennifer Kopp (Schlagzeug) ein bisschen mit Instrumenten herum und hatten Spaß daran. Das Ergebnis ist Come Inside, aufgenommen in der Nähe von Barcelona, mit acht Liedern und nicht einmal 28 Minuten Spielzeit irgendwo zwischen EP und Debütalbum angesiedelt.

Die fünf Schweizer bezeichnen ihre Musik als Grunge-Pop, und was Nesta And The Blondes damit meinen, zeigt bereits der Auftakt Patience. „There’s so much confusion / I’ll tell you about mine“, heißen die ersten Zeilen. Die Melodie ist hier wie anderswo eingängig, die Stimme erinnert an Mando Diao, der Sound ist auch nicht ganz weit davon weg, wenn auch nicht so aggressiv wie bei den Schweden. Diese Kombination aus Zugänglichkeit und Schwermut findet sich auf Come Inside auch danach immer wieder. Circles klingt kein bisschen nach Spaß auf Pisten und Brettern, sondern depressiv, verloren und bedürftig, Three thematisiert, dass von außen betrachtet alles gut aussieht im eigenen Leben, aber dass es trotzdem Kummer und Trauer im Inneren gibt, die umso mehr schmerzen, weil sich für sie kein unmittelbarer Anlass finden lässt.

Embryo erzählt aus der Sicht eines heranwachsenden Fötus im Mutterleib und ist mit dieser Perspektive weniger peinlich, als man denken könnte. Cubelles (hier lässt die Stimme an Mark Everett von den Eels denken) zeigt am besten die Ästhetik dieses Quintetts: Alles ist klar und erkennbar, nicht nur aus künstlerischem Entschluss heraus, sondern auch aus Limitiertheit der Mittel, doch gerade die leichte Unbeholfenheit im Gitarrensolo oder den Drums sorgt für Charme. Wolf lebt fast ausschließlich von der Atmosphäre und dem Gesang, Jupiter klingt als vorletztes Lied auf Come Inside zunächst wie der Moment, in dem die Platte dann doch ein bisschen eindimensional und langweilig wird, berappelt sich dann aber noch.

Der Schlüssel für den Appeal von Nesta And The Blondes ist wohl in Waiting For You zu finden. Man kann das für üblichen Schrammel-Indie halten, in dem das Metallophon für zusätzliche Niedlichkeit sorgt. Noch wichtiger als dieser ungewöhnliche Kontrast ist aber der Text. „I try so hard / to feel alive“, singt Andrea Corona hier zu Beginn. Das ist nicht sehr tiefgründig, aber glaubhaft – und diese Grundstimmung vieler Lieder und die Tatsache, dass sie sich in ihren Texten der eigenen Privilegien stets sehr bewusst sind, sorgt dafür, dass die Band nie wie ein Vanity-Project von ein paar Kids mit zu viel Freizeit wirkt, sondern so, als gäbe es da wirklich etwas, zumindest ein Gefühl, das sie der Welt mitzuteilen haben.

Das Video zu Patience ist natürlich auch selbstgemacht.

Nesta And The Blondes bei Facebook.

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