New Pagans – „­­­The Seed, The Vessel, The Roots And All“


Künstler*in New Pagans

New Pagans ­­­The Seed, The Vessel, The Roots And All Review Kritik

Auf ihrem Debüt strotzen die New Pagans vor Energie.

Album ­­­The Seed, The Vessel, The Roots And All
Label Big Scary Monsters
Erscheinungsjahr 2021
Bewertung

Frauen sieht man in der Rockmusik weiterhin viel zu selten auf der Bühne, und schwangere Frauen so gut wie nie. Lyndsey McDougall, Sängerin der New Pagans aus Belfast, ist eine der wenigen Ausnahmen. Sie ist mittlerweile zweifache Mutter, hat aber keinerlei Lust, sich dadurch die Freude an Lärm, Euphorie und Rock’N’Roll nehmen zu lassen.

Das ist eine sehr typische Einstellung für das Debütalbum ihrer Band, die im Vorjahr bereits für die EP Glacial Erratic tolle Kritiken und zudem den Northern Island Music Prize als bester Live-Act gewonnen hat. New Pagans zeigen hier eine unbändige Freude an Gitarrenmusik. Viele Songs auf ­­­The Seed, The Vessel, The Roots And All haben einen tollen Drive wie Ode To None, gekonnt wird in Stücken wie Harbour die Wildheit von Be Your Own Pet mit der Finesse von The Joy Formidable zusammengeführt, ein Lied wie Yellow Room klingt wie The Sounds nach einem Monat in einer ziemlich dreckigen Muckibude.

Ihren besonderen Charakter erhält diese Musik gerade durch die feministische Überzeugung der New Pagans und die Perspektive von Lyndsey McDougall, die neben der selbst erlebten Benachteiligung von Frauen auch bereits die Chancen und Herausforderungen der nächsten Generation im Blick hat. „The demand for perfection is disturbing“, lautet entsprechend die erste Zeile auf ­­­The Seed, The Vessel, The Roots And All, das dazugehörige Lied (It’s Darker) ist wuchtig und lärmend fast in der Nähe von Heavy Metal, bis dann der Refrain ein wenig die Sonne hereinlässt – das ist ein Konzept, das man beispielsweise auch von Ash kennt. Der Text des enorm dynamischen Lily Yeats ist wohl an ihre Tochter gerichtet. „Lily be confident, that you can be anything“, singt sie darin, später heißt es „Let’s go, let’s go / we’ll make it if you say so / don’t listen to the others / you are confident.“ Dass all die Wucht dieses Songs letztlich im Chaos endet, muss dabei wohl kein schlechtes Zeichen sein.

Bloody Soil glänzt mit einem energischen Bass, trockenen Drums und origineller Melodieführung, die ersten paar Töne von I Could Die scheinen auf Black Sabbaths Paranoid zu verweisen, auch dieser insgesamt recht abstrakte bis experimentelle Song hat eine sehr freigeistige Gesangsmelodie, in der man Ähnlichkeiten zu The Duke Spirit oder auch den Cranberries erkennen kann. Letztere klingen auch im getragen-wehmütigen Admire an und in Charlie Has The Face Of A Saint, das auf etwas weniger Tempo und dafür etwas mehr Atmosphäre setzt.

Die Erfahrung des Quintetts im Album-Abschluss Christian Boys lautet „Christian boys are the worst I know“, der Track zeigt zudem, dass New Pagans zugleich komplex und kompakt sein können. Natural Beauty wird noch einmal programmatisch und nimmt erneut explizit die Doppelrolle als Frau und Künstlerin in den Blick: Wenn McDougall zu einer strahlenden Melodie singt „She’s a wild Irish girl / don’t spill your wine on her / she’s mean and vicious / she’s a serious artist“, dann redet sie offensichtlich von sich selbst – und zeigt ein Selbstbewusstsein und einen Stolz, der nicht aus angeborener Arroganz erwächst, sondern aus überwundenem Schmerz.

Ziemlich mystisch ist das Video zu Yellow Room.

Website der New Pagans.

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