No Logo


Über diesen Entwurf für ein neues Parteilogo gab es heftigen Streit.

Über diesen Entwurf für ein neues Parteilogo gab es heftigen Streit.

Dass eine Partei, die sich nach einer Farbe benannt hat, sich an ästhetischen Fragen mächtig reiben kann, verwundert eigentlich nicht. Aber dass die Grünen sich bei ihrer Bundesdelegiertenkonferenz am leidenschaftlichsten um die Frage stritten, ob die Partei ein neues Logo braucht, das war dann doch erstaunlich.

Zwar betonten die Bündnisgrünen in ihrer emotionalen Debatte stets, dass man natürlich besser über Inhalte reden sollte als über Äußerlichkeiten. Doch natürlich ging es im Logo-Streit um viel mehr als um die Verpackung – wie so oft. Die Fans wissen, dass in der Commerzbank-Arena wohl derselbe Fußball gespielt werden kann wie im Waldstadion. Die Bürger wissen, dass die Polizei in blauen Uniformen genau so arbeitet wie in grünen. Und trotzdem regen sie sich über derlei Veränderungen auf.

Die Grünen auch. Die Logo-Diskussion wurde zur Grundsatzfrage: Basis gegen Vorstand, Ost gegen West, Vergangenheit gegen Zukunft – all dies ließ sich trefflich in den Entwurf hineininterpretieren, den der Bundesvorstand aus einer Handvoll Vorschläge der Hamburger Werbeagentur Zum Goldenen Hirsch ausgewählt hatte. Das alte Logo stammt aus dem Jahr 1994, schon vor vier Jahren hatte die Parteispitze eine Überarbeitung beschlossen. Eine ästhetische Auffrischung sei somit überfällig, warben die Bundesvorsitzenden. „Wir sind eine moderne Partei, und wir brauchen ein modernes Logo“, meinte Claudia Roth.

Doch die Basis fühlte sich überrumpelt: Niemand sei gefragt worden, ob die Partei diese optische Frischzellenkur ebenfalls für nötig hält, so die Kritik. Auch bei der Gestaltung habe es keine Beteiligung gegeben, schließlich sei man vor vollendete Tatsachen gestellt worden und solle nun lediglich noch das veränderte Design abnicken. In der Tat: Der neue Entwurf prangte bereits auf einer Riesenleinwand hinter dem Rednerpult, dabei hatten die Delegierten doch noch gar nicht ihren Segen erteilt.

Heftige Reaktionen gab es vor allem auch, weil der Schriftzug „Bündnis 90“ nun deutlich kleiner geschrieben wird als „Die Grünen“. Vertreter ostdeutscher Landesverbände sahen in diesem typographischen Schrumpfungsprozess ein Zeichen: In letzter Konsequenz könne das bedeuten, dass der Bestandteil „Bündnis 90“ ganz aus dem Namen verschwinden werde, dass man mit dem Teil der Partei, der aus der Bürgerbewegung der DDR hervorgegangen war, nichts mehr zu tun haben wolle, meinten manche. Andere sahen darin nach den Ergebnissen der letzten Landtagswahlen ein gefährliches Signal: Man erwecke damit den Eindruck, dass die Grünen den Osten aufgegeben haben.

In der Abstimmung fand sich schließlich keine Mehrheit – weder für noch gegen das neue Logo. Der Bundesvorstand, für den eine Ablehnung des Vorschlags eine saftige Watschen bedeutet hätte, gab schließlich klein bei. Man ziehe den Antrag zurück und werde noch einmal neu debattieren, ob es ein verändertes Logo geben soll, erklärte Reinhard Bütikofer. Er verhinderte mit dieser lapidaren Ankündigung nicht weniger als eine kleine Palastrevolution.

Tags darauf war die Leinwand bereits abgehängt und durch ein saftig-grünes Tuch ersetzt. Richtig vermisst wurde das Emblem wohl von keinem. Und Arndt Klocke vom Landesvorstand NRW sprach allen aus dem Herzen: „So viel Leidenschaft und Aufregung würde ich mir bei mancher inhaltlichen Debatte wünschen.“

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