Nur heiße Luft?


Hingucker: Hondas Small Hybrid Sports Concept.

Hingucker: Hondas Small Hybrid Sports Concept.

Viel eindrucksvoller hätte sich der Klimawandel kaum zeigen können: Die Auto Mobil International (Ami) in Leipzig begann bei hochsommerlichen Temperaturen – mitten im April. Ob auf den grell beleuchteten Ständen der Hersteller oder in den schlecht klimatisierten Räumen der Messehallen: Die Besucher kamen mächtig ins Schwitzen.

Doch dabei drängte sich auch die Frage auf, ob all die Diskussion um Feinstaub, CO2 und Tempolimit vielleicht nur heiße Luft ist. Denn so sehr diese Themen derzeit in den Medien diskutiertwerden: Bei den Besuchern der morgen zu Ende gehenden Automesse spielten sie kaum eine Rolle.

„Das ist kein Thema“, heißt es selbst am Stand von Toyota. „Die Leute wollen wissen, wie die Autos aussehen, wie sie sich anfühlen und was sie kosten“, sagt ein Mitarbeiter. Trotzdem versuchte Toyota auf der Ami weiter, mit seinem Öko-Image zu punkten. Die Kleinstwagenstudie Endo könnte künftig dem Smart als sparsamstes Auto der Welt Konkurrenz machen. Auf gerade einmal drei Metern Länge bringt der Stadtflitzer vier Sitze unter. Das „Fine-S Concept“ reduziert Emissionen hingegen durch den Antrieb per Wasserstoffbrennzelle.

Zumindest bei den Herstellern scheint der Bewusstseinswandel also bereits eingesetzt zu haben. Alternative Antriebssysteme und Schadstoffminimierung standen in Leipzig im Mittelpunkt. BMW zeigte sparsamere Motoren für die 1er-Reihe. Der Passat Bluemotion (fünf Liter Diesel pro 100 Kilometer) hatte auf dem VW-Stand Premiere.

Nach der Konzernschwester Ford stellte in Leipzig auch Volvo erste Flexifuel-Modelle für den Antrieb mit Ethanol E85 vor. Honda ließ sich vom Hybrid-Hype anstecken: Das in Offenbach entwickelte Klein-Coupé Small Hybrid Sports Concept setzt auf die Kombination aus Benziner und Elektromotor.

Ford gibt nun auch beim Focus (Erd-)Gas: 145 PS bringt der Kompakte als CNG, die Reichweite beträgt 300 Kilometer, im Benzinbetrieb sind weitere 700 Kilometer drin. Erdgas ist in Leipzig fast schon traditionell ein großes Thema – und das scheint langsam Wirkung zu zeigen. Mittlerweile sind rund 55.000 Erdgasautos in Deutschland unterwegs. Beim Autogas-Antrieb hat sich die Anzahl der Fahrzeuge von rund 65.000 im Jahr 2005 auf jetzt 125.000 sogar nahezu verdoppelt. Im Jahr 2015 soll die Millionenmarke geknackt werden, hieß es in Leipzig.

In einem Punkt waren Hersteller und Besucher aber auf einer Linie: beim Spritsparen. Die von 26 Herstellern angebotene Tour, auf der ein Fahrtrainer Tipps zum richtigen Umgang mit Schaltung und Gaspedal gab, hatte einen enormen Zulauf. Messe-Chef Wolfgang Marzin, der die Ami mit thematischen Schwerpunkten und einem Konzept, das die Besucher stark einbindet, in den vergangenen Jahren erfolgreich neben Genfer Salon und IAA positioniert hat, zieht daraus seine Hoffnung für die Zukunft: „Klimaschutz, alternative Antriebe und Kleinwagen sind das, was beim Publikum in den nächsten Jahren besonders gefragt sein dürfte.“

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