NZCA Lines – „Infinite Summer“


Künstler*in NZCA Lines

NZCA Lines Infinite Summer Review Kritik

Zwei Gäste hat NZCA Lines für „Infinite Summer“ an Bord.

Album Infinite Summer
Label Memphis Industries
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Science Fiction und Archäologie scheinen, wenn man nicht unbedingt Fan von Erich von Däniken ist, wenig miteinander zu tun zu haben. Das eine entspringt der Fantasie, das andere ist eine Wissenschaft. Das eine erfindet eine Zukunft, das andere untersucht die Vergangenheit. Eine durchaus nicht ganz kleine Schnittmenge lässt sich bei genauerer Betrachtung dann aber doch finden. Stellt man sich vor, die Menschheit entdeckte eines Tages auf einem fremden Planeten die Reste einer außerirdischen Kultur, so wären es wohl die Methoden der Archäologie, die wir nutzen würden, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen. Ähnlich würden vielleicht Aliens agieren, sollten sie existieren, irgendwann auf der Erde landen und hier nur noch Artefakte unserer Zivilisation vorfinden.

In dieser Schnittmenge hat Michael Lovett, der Kopf hinter NZCA Lines, wohl auch das Szenario für Infinite Summer erdacht. Der Musiker aus London, der zudem Teil der Liveband von Metronomy und auch Mitstreiter bei Christine And The Queens ist, lässt die Songs seines zweiten Albums in der fiktiven Superstadt Cairo-Athens spielen. The World You Have Made For Us heißt der letzte Track des Albums, er entwickelt gerade durch seine Zurückhaltung eine eigenartige Spannung und scheint dieses Konzept ebenso zu bestätigen wie Verweise auf antike Göttinnen (Persephone Dreams überrascht mit Steel Drums und einem wilden Gitarrensolo).

Dieses Ausmaß an Schöpfergeist ist vielleicht nicht verwunderlich bei einem Mann, der neben seinen musikalischen Aktivitäten auch einen Hochschulabschluss als Illustrator vorweisen kann. Es passt auch zu seinem Label Memphis Industries, schließlich ist Memphis nicht nur die Stadt, die zur Wahlheimat des King of Rock’N’Roll wurde, sondern auch eine nach der Legende vor rund 5000 Jahren als Hauptstadt von Ägypten gegründete Metropole in der Nähe von Kairo, deren Ruinen heute Weltkulturerbe sind.

Musikalisch ist die Kreativität auf Infinite Summer nicht ganz so groß: Auch das zweite Album von NZCA Lines bietet Indietronica für Fortgeschrittene, mal klingt es wie Phoenix mit etwas weniger Offensichtlichkeit (das kompakte, effektive und auf intelligente Weise tanzbare Two Hearts), mal nach der Formel „Hot Chip meets Pet Shop Boys“ (Chemical Is Obvious), häufig findet Lovett eine besonders schöne Balance aus Elektronik und Gitarre wie in New Atmosphere oder clevere Verweise wie den Bass im Titelsong Infinite Summer, der ein bisschen an Just The Two Of Us erinnert und von einem geschickt verschachtelten Gesang begleitet wird.

Für zusätzliche Spannung und Vielfalt sorgen die Beiträge von Charlotte Hatherley (früher bei Ash) und Sarah Jones (Schlagzeugerin in der Liveband von Hot Chip), die NZCA Lines diesmal unterstützen. So bekommt Jessica viel Schwung und Leichtigkeit, während Do It Better einen hypnotischen Effekt entwickelt. Im sanften Dark Horizon scheint sich nur der Bass dagegen zu wehren, dass der Song tatsächlich eine Ballade wird.

Allerdings ist der Infinite Summer auch kein ganz ungetrübtes Vergnügen. Sunlight punktet mit einem originellen Beat, in dem es sich aber auch ein wenig verliert. Die Kombination aus vielen New-Romantic-Elementen und einer Heavy-Metal-Gitarre im kraftvollen How Long Does It Take funktioniert letztlich nicht so richtig. Und der Album-Auftakt Approach ist mit seinem auf Französisch gesprochenen Text und den opulenten Streichern ein bisschen charakteristisch für die Selbstverliebtheit, die man bei NZCA Lines gelegentlich erkennen kann.

Ein Visualizer zu Persephone Dreams.

Website von NZCA Lines.

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