Oasis, London, Wembley-Stadion 2


Als "Familiar To Millions" wurde der Abend später auf CD und DVD verewigt.

Als "Familiar To Millions" wurde der Abend später auf CD und DVD verewigt.

Zur Tea-Time war das Stadion fast halb voll. Schon auf dem Weg von der U-Bahn-Station bis zu den Eingängen hatte sich Festival-Stimmung breitgemacht. Leere Bierflaschen, Hot-Dog- Verkäufer, berittene Polizei, Schwarzmarkthändler, überschwemmte Toiletten, T-Shirt-Stände und singende Menschen.

Sie hatten den sonnigen Freitag offensichtlich nicht im Grün des Hyde Parks oder im Smog der Innenstadt verbracht, sondern vor dem Wembleystadion ausgeharrt. Auch nach Einlass mussten sie sich noch fünf Stunden und zwei überflüssige Vorbands lang gedulden, bis es so weit war: Oasis betraten zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder eine Bühne in der englischen Hauptstadt.

Sänger Liam Gallagher begrüßte die Cockneys auch gleich mit einem „Good evening, Manchester“ und erntete dafür die einzigen Pfiffe des Abends. Auch die große Frage war auf den ersten Blick geklärt: Er war da. Bandleader Noel Gallagher, der sich nach handgreiflichen Auseinandersetzungen mit seinem Bruder bei den Konzerten auf dem Kontinent hatte vertreten lassen, stand auf der Bühne. Ganz rechts, unbeweglich wie immer, als wäre nie etwas gewesen. Erholt, leicht gebräunt und erstaunlich gut gelaunt lieferte sich Noel die bekannten Verbalduelle mit Liam.

Aber Oasis hatten auch einige Überraschungen parat: Zunächst einmal der Ort der Handlung selbst. Ist das Bühnenbild sonst ebenso spartanisch wie das Stage-Acting der Band, so hatten sie diesmal aus den Vollen geschöpft – wohl auch, weil die beiden Konzerte am Freitag und Samstag aufgezeichnet wurden und als Kaufvideo erscheinen sollen. Überdimensionale Stoffbahnen mit Cover-Abbildungen und drei riesige Monitore ermöglichten eine unglaubliche Video-Show.

Das zweite neue Element brachte Noel ein, der sein Comeback nutzte, um gegen Ende eine erstaunlich gelungene Version von Neil Youngs Hey Hey, My My vorzutragen. Der Auftakt war gegenüber den letzten Konzerten unverändert: Die ersten drei Stücke des aktuellen Albums, dann Supersonic, danach Gas Panic. Längst standen auch die Menschen auf den Rängen, bestanden die ersten Reihen nur noch aus hochgereckten Armen, war der Innenraum nur noch ein Meer aus hüpfenden Köpfen, in das die großen Hits immer höhere Wellen hineinpeitschten.

Roll With It, live stets eines der Highlights, Stand By Me mit der gewohnt schiefen Zweitstimme, Wonderwall, erneut in einer extra-harten Version gespielt, und Don´t Look Back In Anger, das Noel „all blokes with small knobs“ widmete, nachdem der Mirror soeben Nacktfotos von ihm veröffentlicht hatte.

Ein Flugzeug überquerte das Stadion, es wollte vielleicht nach Sydney oder nach Palma de Mallorca, und seine Passagiere freuten sich vielleicht gerade auf ihren Urlaub. Aber eines war sicher: Sie waren am falschen Ort, denn der richtige Ort war hier. Live Forever, Champagne Supernova und das abschließende Rock ´n Roll Star im Zugabenteil.

Ach ja: Der Sound war übrigens schlecht. Wembley ist eben kein Opernhaus, sondern ein Fußballstadion, und es gab sich alle Mühe, gegen die Band aus Manchester zu spielen. Alles, was Saiten hatte, war zu Beginn höchstens verschwommen zu hören. Aber bei einem Oasis- Konzert in England steht schon vorher fest, dass es ein Triumph wird. Wenn in Wembley einmal etwas nicht zu hören war, sprangen 80.000 Leute ein und halfen aus. Great Britain.

Oasis spielen Cigarettes & Alcohol, live in Wembley:


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