PABST – „Deuce Ex Machina“


Künstler PABST

PABST Deuce Ex Machina Review Kritik

In zwei Live-Sessions haben PABST „Deuce Ex Machina“ aufgenommen.

Album Deuce Ex Machina
Label Ketchup Tracks
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Zwei der wichtigsten Zutaten für eine gelungene Rock’N’Roll-Platte zeigen PABST aus Berlin schon im ersten Song ihres zweiten Albums: Machina hat ein enorm starkes Riff und strotzt vor Sex. Dazu kommt eine coole Beschleunigung am Ende und eine Stimme zwischen Marc Bolan und Brian Molko. Die dritte (und wichtigste) Zutat packt das Trio dann im weiteren Verlauf des morgen erscheinenden Deuce Ex Machina dazu, und zwar ebenfalls aus der Magnum-Flasche: Überzeugung.

Erik Heise (Gesang, Gitarre), Tilman Kettner (Bass) und Tore Knipping (Drums) wissen, dass man Gitarrenmusik anno 2020 nicht mehr ohne Augenzwinkern machen kann. An dem Credo, dass dieser Sound dennoch weiter die Welt verändern kann und dass es vor allem für sie selbst keine andere denkbare Ausdrucksform gibt, ändert dieses Bewusstsein indes nichts. Mühelos zeigen sie hier, wie viel Kraft weiterhin in GitarreSchlagzeugBass steckt, sei es mit der Ungeduld und Abenteuerlust von Ibuprofen oder dem Kuhglocken-Drive von Straight Line. Dass der Nachfolger zum Debüt Chlorine (2018), aufgenommen in zwei Live-Sessions mit den Produzenten Moses Schneider und Magnus Wichmann, auf ihrem eigenen Label erscheint, ist da nur konsequent.

„I’m here for a reason / wanna stick it to the man / you can throw your rocks / I keep playing in a rock ’n’ roll band / I’m here for a good time / and not to pay the bills / If you wanna do this right / you gotta leave that shit behind“, stellen sie in Legal Tender klar, das so etwas wie die Quintessenz von Deuce Ex Machina beinhaltet. Handclaps verstärken den Eindruck einer naiven Entschlossenheit und großen Frische à la Supergrass, zugleich ist unverkennbar, wie ernst ihnen dieser Glaube an den eigenen Weg jenseits von Kompromissen, bürgerlichem Leben und BWL-Karriere ist. Die Kehrseite davon ist die Erkenntnis „This city’s no place for losers like us“ in Skyline, das Eingeständnis „I’m directionless, that’s my manifest“ in der abschließenden Quasi-Ballade My Apocalypse oder die Zeile „I’m trash, throw me away“ in Useless Scum. Dieser Song zeigt, dass PABST mit Nirvana nicht nur die Besetzung teilen, sondern auch den Zynismus – der ja bekanntlich nur entsteht, wenn die Ideale, die man tief in sich trägt, nicht im Einklang sind mit dem, was man außen in der Welt täglich erleben muss.

Auch den Titel von Fugitive (Another Song About Running Away) kann man wohl so interpretieren, das Stück glänzt mit einer Wucht, Schärfe und Direktheit wie The Hives, zeigt aber, dass PABST komplexer im Gesang und in der emotionalen Bandbreite sind. Hell könnte mit ein paar anderen Gitarreneffekten praktisch Metal sein, auch die Verse „You wanna hide in the shade / you got a one-way ticket to hell and stayed“ passen dazu. Up The Heat verweist mit famosem Groove und tollem Refrain in eine ähnliche Richtung und betrachtet den Weltuntergang als Erlösung und einzig gerechtes Schicksal für die Menschheit. Bis es soweit ist, sollte man aber unbedingt noch ein bisschen Rock’N’Roll-Spaß mit PABST haben.

Tabletten sind für Kranke, nicht für Selbstoptimierer, heißt wohl die Botschaft im Video zu Ibuprofen.

PABST bei Instagram.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.