Perfect Son – „Cast“


Künstler Perfect Son

Perfect Son Cast Review Kritik

„Cast“ ist ein neues Kapitel für Tobiasz Biliński.

Album Cast
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Auf der einen Seite leuchtet sofort ein, warum Tobiasz Biliński ein Soloalbum unter dem Namen Perfect Son gemacht hat. Der polnische Musiker, der mit Coldair viel Anerkennung bekommen hat, ist in einer Lebensphase angekommen, die nicht so recht zum sehr düsteren Sound seiner Band passt. Mit deren 2016er Album The Provider ist er „seine ganze alte Scheiße losgeworden“, wie er sagt. Auch, dass er jüngst geheiratet hat, deutet auf ein paar besiegte Dämonen und mehr Zuversicht in seinem Leben hin.

Andererseits fragt man sich beim heute erscheinenden Cast dann doch, welche Daseinsberechtigung diese Platte haben soll. Die Musik unterscheidet sich zwar deutlich vom Output, den man von Coldair kennt, ist aber insgesamt wenig eigenständig. Wofür soll man sich hier begeistern? Stimme? Texte? Soundästhetik? Das ist durchweg allenfalls durchschnittlich, das ist alles schon einmal dagewesen.

Reel Me eröffnet die Platte und beginnt sehr reduziert, dennoch ahnt man schon die Theatralik, die dann mit dem Refrain auch tatsächlich einsetzt. Ab dann agiert der Song im depressiven und plakativen Achtziger-Modus, also ziemlich nahe an Hurts – und damit ist die Richtung für Cast vorgegeben. Seine Lust lebt Biliński eher animalisch als sinnlich aus, Wax wird blasiert und wirr, High Hopes fängt gut an, wird aber genau in dem Moment gewöhnlich, als es versucht, besonders zu werden.

So wie Old Desires könnten Depeche Mode klingen, hätten sie einen etwas feminineren Sänger, der auch Falsett beherrscht. So Divine wirkt wie eine Bewerbung für das Vorprogramm bei der nächsten Tour von Erasure. Wieder setzt der Perfect Son hier auf dasselbe Rezept wie in fast allen Tracks: dramatische Drums, eisige Synthies, Leidensgeste im Gesang. My Body Wants hat etwas mehr Schwung als der Durchschnitt des Albums, aber auch kein Feuer, erst recht nichts von dem Begehren und der Leidenschaft, die der Titel in Aussicht stellt.

It’s For Life hat einen erstaunlich harten Beat, auch der Rest des Songs strahlt eine große Kälte und Bestimmtheit aus. „The wishful thinking is in the past / dream big and dream fast“, lautet die Aufforderung. In Promises erkennt Perfect Son zu einem noch etwas großspurigeren Arrangement immerhin, dass er sich bei der Suche nach Glück, Leichtigkeit und (sexueller) Erfüllung auch selbst im Wege steht. Almost Mine verschleppt ganz am Ende von Cast das Tempo und dreht auch sonst einige Regler herunter- so entsteht zwar auch kein eigenständiger Charakter, aber zumindest ein Rätsel.

Insgesamt bleibt das Werk trotzdem blass, selbstverliebt, larmoyant und überkandidelt. So sehr die Songs von Perfect Son als Bekenntnis gemeint sind, so wenig gibt es, was berührt; so sehr Cast auf Effekt aus ist, so wenig gibt es, was mitreißt oder beeindruckt.

Das Lyric-Video zu It’s For Life.

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