Politik im All


Wasser auf dem Wüstenplaneten: Die Entdeckung, die von den neuesten Bildern der Sonde „Mars-Express“ bestätigt wird, ist nicht neu. Schon 2002 hat die Nasa mit einer ganz ähnlichen Methode wie nun die europäischen Kollegen Eis und Wasser an den Polen des roten Planeten nachgewiesen. Von einer wissenschaftlichen Sensation kann also keine Rede sein. Dennoch ist der Stolz bei der Esa berechtigt. Immerhin ist es gelungen, erstmals Wasserdampf auf dem Mars nachzuweisen. Außerdem sendet die Sonde spektakuläre Bilder, die neue Erkenntnisse über Gestalt und Geschichte des Planeten liefern. Die im Juni gestartete Mission ist schon jetzt ein Erfolg.

Dass sie aber als Triumphzug verkauft wird, zeigt, dass die Politik längst auch Einzug in den Fernen des Alls gehalten hat. Kleine Erfolge werden aufgebauscht, Prestige zählt ebenso viel wie Erkenntnis – im Falle der bemannten Raumfahrt sogar mehr. Schließlich müssen sich die Politiker dafür rechtfertigen, dass sie Milliarden für die Raumfahrt ausgeben, wo es doch auch genug irdische Probleme gibt. Und die Wissenschaftler müssen nachweisen, dass sie dieses Geld sinnvoll einsetzen – und dass gelegentlich auch eine Technologie dabei abfällt, die einen ganz praktischen Nutzen für die Erdenbürger hat.

Diese Mechanismen griffen auch gestern wieder. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und die Esa-Forscher wollten die neuen Bilder vom Mars wohl vor allem deshalb in so hellem Licht erstrahlen lassen, um damit den schmerzhaften Verlust des Landegeräts „Beagle 2“ auszublenden. Offensichtlich sitzt der Stachel noch tief, den die erfolgreiche Landung des Nasa-Konkurrenten „Spirit“ hinterlassen hat. Da passte es ins Bild, dass die US-Kollegen lieber kaum verhohlene Gehässigkeiten als ehrliche Glückwünsche nach Darmstadt sandten.

Solcher Neid ist auf beiden Seiten unangebracht. Denn von den Einsichten ins All profitieren Wissenschaftler weltweit. Wenn es darum geht, neu gewonnene Erkenntnisse aufzugreifen und zu erweitern, ist der Forschergeist grenzenlos – und ganz und gar unpolitisch.

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