Rolling Blackouts Coastal Fever – „Endless Rooms“


Künstler*in  Rolling Blackouts Coastal Fever

Rolling Blackouts Coastal Fever Endless Rooms Review Kritik

In diesem Haus am See entstanden die Songs von „Endless Rooms“.

Album Endless Rooms
Label Sub Pop
Erscheinungsjahr 2022
Bewertung

Die Marshall Mathers LP 2 von Eminem. Die legendäre Music From The Big Pink, die The Band aufgenommen haben. Live Forever von Oasis. All diese Platten zeigen, mehr oder weniger schick in Szene gesetzt, ein Haus auf dem Cover. So ist es nun auch bei Endless Rooms, dem dritten Album von Rolling Blackouts Coastal Fever. Die fünf Australier wollen damit aber keineswegs den eingangs genannten Vorbildern nacheifern. Vielmehr zeigen sie auf der Hülle der Platte einfach das, was den Inhalt entscheidend geprägt hat. Nämlich ein Haus nördlich von Melbourne, in dem der Kern dieser zwölf Songs entstand und schließlich das selbst produzierte Album auch aufgenommen wurde.

Es wurde vor rund 50 Jahren von der Familie Russo gebaut, die mit den Brüdern Tom und Joe zwei Bandmitglieder von Rolling Blackouts Coastal Fever stellt. Was sie gemeinsam mit Fran Keaney, Joe White und Marcel Tussie in diesem idyllisch an einem See gelegenen Haus getan haben, nennen sie selbst „chasing down songs in a room together“. Diese Arbeitsweise kann man hier immer wieder erkennen. My Echo ist eines der Lieder, die zeigen: Das Quintett hat diese ganz bestimmte Chemie und Intuition, sodass es selbstbewusst statt angeberisch, einfallsreich statt überbordend wird. Open Up Your Window wirkt fast wie eine Improvisation und verbreitet viel Seventies-Feeling, der reduziert-abstrakte Titelsong Endless Rooms demonstriert ebenfalls ihr Vertrauen in spontane Inspiration und die Wirkung des Moments. Besonders auffällig ist dieser Effekt auch im Album-Schlusspunkt Bounce Off The Bottom. Das Stück hat so viel Leichtigkeit und Groove und eine so beseelte Atmosphäre, als könne sie nichts und niemand von der Freude am Leben und am gemeinsamen Musizieren abbringen.

„Es ist beinahe so etwas wie ein Anti-Konzeptalbum. Die Endless Rooms des Titels spiegeln unsere Liebe zum Erschaffen von Welten in unseren Songs wider. Wir behandeln jeden von ihnen wie einen nackten Raum, den wir mit unendlichen Möglichkeiten ausstatten“, sagen Rolling Blackouts Coastal Fever über den Nachfolger von Sideways To New Italy (2020). Entsprechend vielfältig ist die Platte auch geworden. Tidal River kombiniert ein ungewöhnliches Gitarrenriff mit viel Spirit von Primal Scream, was zu einer irritierenden Melange führt: Jede Zutat für sich würde giftig klingen, aber zusammen entwickelt es eine eigenartige Harmonie. Caught Low ordnet viele schöne Details um die prägnante Bassfigur herum an und erzeugt so eine verträumte Stimmung, Blue Eye Lake führt Jangle, Punch und melodiöse Klasse zusammen und klingt ein bisschen wie The Shins mit etwas mehr Testosteron. In Saw You At The Eastern Beach wird der Text eher gesprochen als gesungen, was sehr cool wirkt und sehr schlau im Hinblick auf die Album-Dramaturgie ist.

Dive Deep wird von viel Feedback eingeläutet und braucht danach nicht viel Tempo, um Spannung zu erzeugen, auch wenn das ausgiebige Gitarrensolo vor dem Fade-Out verzichtbar ist. Vanishing Dots zeigt, dass die drei (!) Frontmänner dieser Band (alle singen und komponieren) durchweg Menschen sind, die am liebsten 24 Stunden pro Tag auf ihrer Gitarre herumklimpern würden und dabei auch immer wieder genug kreative Einfälle haben. Die Single The Way It Shatters setzt auf mehr Synthesizer als man je zuvor in der knapp zehnjährigen Geschichte von Rolling Blackouts Coastal Fever gehört hat. Das Lied ist ebenso kraftvoll wie einnehmend, vereint Vorwärtsdrang und Heiterkeit und wird so zum Highlight dieser sehr gelungenen Platte.

In einer Party mündet das Video zu The Way It Shatters.

Website von Rolling Blackouts Coastal Fever.

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