Schlicht pervers


Man kann das nur pervers nennen: Kurz vor Heiligabend erfahren ein paar tausend Mitarbeiter von BMW, dass sie um ihre Arbeitsplätze bangen müssen. Und die Börse quittiert diese Ankündigung des Unternehmens prompt mit einem satten Kurssprung. Während die einen um ihre Existenz fürchten, machen die anderen damit ihren Reibach. Und das, obwohl das Unternehmen Gewinn erwirtschaftet – mindestens 3,75 Milliarden Euro sollen es in diesem Geschäftsjahr werden.

BMW ist kein Einzelfall: Auch bei der Telekom und der Allianz war dieser Mechanismus zu beobachten. Pikanterweise ist Deutschlands größte Versicherung, die vor einigen Monaten selbst mit der Ankündigung von massenhaftem Job-Abbau trotz eines Rekordgewinns für Empörung gesorgt hatte, mit rund fünf Prozent am bayrischen Autobauer beteiligt. Allein am gestrigen Kursgewinn hat die Allianz damit rund 60 Millionen Euro verdient.

Aus Sicht der Anteilseigner und des Managements sind die Sparpläne beim weiß-blauen Autobauer sicherlich vernünftig. BMW holt jetzt das nach, was Daimler, Opel oder VW bereits hinter sich haben. Das Unternehmen leidet, wie viele andere deutsche Firmen mit einem Exportschwerpunkt, zunehmend unter den teuren Rohstoffen und dem schwachen Dollar. Das drückt auf die Margen. Insofern macht es Sinn, nach Sparpotenzialen zu suchen.

Dass dies aber reflexartig in einen Stellenabbau mündet, zeigt auch die Einfallslosigkeit – und die eigenen Fehlleistungen – der Unternehmensführung. Wenn tatsächlich Überkapazitäten in den Werken aufgebaut wurden, wenn sich der Absatz der Autos nicht wie erhofft entwickelt hat und wenn bei der Größe der Belegschaft ob der zuletzt guten Geschäftsentwicklung offensichtlich Speck angesetzt wurde, dann sind das Effekte, die das Management zu verantworten hat – die jetzt aber die Mitarbeiter ausbaden müssen.

Besonders enttäuschend ist, dass sich BMW offensichtlich von seiner Philosophie verabschiedet hat, auf den Standort Deutschland zu setzen. Als andere Autobauer schon längst ihre Beschäftigtenzahlen reduzierten, wuchs die BMW-Belegschaft in Dingolfing, München und zuletzt in Leipzig noch deutlich. BMW schien sich seiner unternehmerischen Verantwortung bewusst zu sein, zumal es der Firma gut ging – und gut geht.

Dass sich die Münchner ausgerechnet jetzt der weit verbreiteten Philosophie der reinen Gewinnoptimierung anschließen, lässt auch wegen der Diskussion um CO2-Grenzwerte aufhorchen. Da fordert die Autolobby gerade ein Einschreiten der Bundesregierung gegen die EU-Pläne und zum Wohl der deutschen Premium-Autobauer. Das ist auch durchaus legitim. Aber wenn Deutschland für die Hersteller da sein soll, dann müssen die Hersteller auch für Deutschland da sein.

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