Seed, Staffel 1


Seed Serie Kritik Review

„Seed“ geht ungewöhnlich mit Familienunterhaltung um.

Die Spermien von XC-3000 sind enorm beliebt im Katalog des Familienplanungszentrums. Der Spender, der sich hinter dieser Abkürzung verbirgt, hat markante Gesichtszüge und einen putzigen Wuschelkopf, kann ein Studium an der Eliteuniversität in Princeton und laut Kartei der Samenbank einen IQ von 130 vorweisen. Er scheint genau die richtige Mischung aus smart und harmlos zu bieten, nach der sich viele Frauen mit Kinderwunsch sehnen. Sie greifen zu und machen den anonym bleibenden XC-3000 zum genetischen Vater ihrer Kinder.

Was sie nicht ahnen: Hinter der Abkürzung steckt Harry (Adam Korson), Mitte 30, Schlagzeuger, Barkeeper und überzeugter Junggeselle. Seine in der Regel knappe Kasse bessert er sich gelegentlich mit Samenspenden auf, die meisten Angaben in seinem Profil sind gelogen und sein Interesse an eigenem Nachwuchs ist gleich Null. Zumal das ja womöglich das Ende seiner zahlreichen Affären und stattdessen eine feste Beziehung voraussetzen würde. Umso schockierter ist er, als zwei der Kinder von XC-3000 bei ihm auftauchen: Der 9-jährige Billy (William Ainscough), der bei einem lesbischen Pärchen aufwächst, hat einen Freund die Verschlüsselung der Samenbank knacken lassen und so die wahre Identität seines Erzeugers herausgefunden. Per Chat hat er auch gleich die 15-jährige Anastacia (Abby Ross) informiert, deren wohlhabende Eltern sich ebenfalls einer Samenspende bedient haben.

Und dann ist da noch Rose (Carrie-Lynn Neales): Sie hat Harry im Bus kennengelernt, nach einem Flirt haben sich die beiden zu einem One-Night-Stand verabredet. Doch Harry kommt zu spät zum Date im Hotelzimmer, sodass Rose, die schon lange von einem Baby träumt, ihren kostbaren Eisprung kurzerhand anders nutzt. Sie fährt zur Samenbank, greift natürlich ebenfalls zu XC-3000 und erkennt wenig später, dass sie an diese DNA vielleicht auch hätte kommen können, hätte sie noch ein wenig länger im Hotelzimmer auf den Typen aus dem Bus gewartet.

Diese Inhaltsangabe der ersten Staffel von Seed zeigt schon eine der großen Stärken der von Joseph Raso erschaffenen Serie, die 2013 in fünf Kategorien für den Canadian Comedy Award nominiert war: Es gibt hier sehr ungewöhnliche Themen und einen sehr leichtherzigen Umgang mit Sex, erst recht für eine Produktion, die auf ein sehr junges Publikum zielt beziehungsweise als Familienunterhaltung verstanden werden kann (in Deutschland lief die erste Staffel von Seed im Disney Channel): Promiskuität und Blowjobs gehören dazu, ebenso neue Familienmodelle und die Überforderung von Eltern, nicht zuletzt die Tatsache, dass ein Taugenichts zum Helden wird.

Die 13 Folgen à 20 Minuten sind enorm temporeich, teilweise geradezu rasant: Wenn Seed eine Sitcom wäre, bliebe zwischen den einzelnen Gags und Punchlines oft nicht einmal genug Zeit für die Lacher des Publikums. Schnell werden aber auch ein paar Schwächen klar: Harrys Wandlung vom charmanten Trottel zum Familienmenschen wider Willen, der nach und nach akzeptiert, dass Vaterschaft auch Verzicht und Kompromiss bedeutet, ist ebenso vorhersehbar wie der Verlauf seines Flirts mit Rose, mit deren Niederkunft die erste Staffel endet. Bis auf die Kinder (Billy ist treuherzig und schüchtern; Anastacia ist rebellisch und eitel) bleiben die anderen Figuren größtenteils blass und schablonenhaft.

Der Unterhaltungsfaktor ist dennoch sehr hoch, denn der Witz erwächst hier nicht aus den individuellen Charakteren, sondern aus ihrer Position zueinander, also aus der Figurenkonstellation. Das trifft für Harry zu, der unverhofft zwei neue Familien hat, in denen er jeweils Insider und Outsider ist: Sein Erbgut mischt hier zwar von Anfang an mit, aber als Person ist er ein Fremder. Sowohl bei den liberalen und politisch korrekten Eltern von Billy als auch bei den spießigen und verklemmten Eltern von Anastacia steht er natürlicherweise auf Seiten der Kinder, die ein intuitives Vertrauen in ihn setzen, muss aber auch die Rolle eines Erwachsenen spielen, Stellung beziehen und genau die Verantwortung übernehmen, die er nie haben wollte.

Ein Glücksgriff ist dabei die Figur von Anastacias Vater Jonathan (Matt Baram), denn gerade aus diesem maximalen Gegenentwurf zum coolen und sorglosen Harry entstehen viele Konflikte und etliche witzige Situationen. Jonathan hat alles, was Harry nicht hat: Einfühlungsvermögen, Geduld, Sehnsucht nach Nestwärme, Verantwortungsgefühl und nicht zuletzt jede Menge Geld. Es fehlt ihm allerdings ein enger Draht zu seiner Teenager-Tochter, der in noch weitere Ferne rückt, als sie von der Samenspende erfährt und somit klar ist, dass keine genetische Verbindung zwischen ihr und ihrem Dad besteht. Das ist am Ende der größte Pluspunkt an Seed: Die Serie zeigt, wie sehr Erwachsene mit ihren Rollen als Erziehungsberechtigte zu kämpfen haben – egal, ob Vater oder Mutter, biologisch oder nicht.

Bestes Zitat: „Ich bin Harry. Aber die Kinder nennen mich Dad.“

Der Trailer zur ersten Staffel von Seed.

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