She-Devils – „She-Devils“


Künstler She-Devils

She-Devils Album Kritik Rezension

Bildende Kunst spielt bei den She-Devils eine wichtige Rolle.

Album She-Devils
Label Secretly Canadian
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Audrey Ann Boucher, die Sängerin der She-Devils, hat das Bild auf dem Albumcover dieser Platte selbst gemalt. So etwas kommt zwar öfter mal vor (die Liste malender Musiker umfasst beispielsweise so prominente Namen wie Paul McCartney, Jimi Hendrix, Bono, oder Phil Collins), bei der Band aus Montreal ist es aber ein besonders wichtiger Hinweis. Denn Boucher und ihr Bandkollege Kyle Jukka wählen für ihre Musik einen explizit visuellen Zugang.

Sie drehen ihre eigenen Videos und zählen zu ihren Einflüssen neben Musikern wie Iggy Pop, Madonna, Can oder T-Rex auch Filmemacher und bildende Künstler wie Gregg Araki, Yayoi Kusama, Andy Warhol, John Waters und Quentin Tarantino. „Ich habe Musik immer mehr aus der Perspektive eines Künstlers oder Fans betrachtet als aus der eines Musikers“, sagt Audrey Ann Boucher. „Wenn ich zu einem Loop singe, habe ich nicht den Eindruck, als hätte ich alles unter Kontrolle, oder dass ich wirklich konzentriert mit Musikmachen beschäftigt bin. Es fühlt sich eher an, als würde ich komplett von meinem Unterbewusstsein übernommen, das aus meinen Träumen hervorkommt.“

Dieses sehr Unmittelbare, manchmal Naive und oft Psychedelische prägt dieses Debütalbum. Es gibt ganz wenig Schlagzeug, kaum Verzerrung auf den Gitarren und einen mal an die Fifties, mal an die Eighties gemahnenden Sound. The World Laughs beispielsweise klingt, als würde Belinda Carlisle einen besonders melancholischen Moment der Everly Brothers vertonen. Das verspielte Blooming hat hörbar Lust auf Drama, You Don’t Know zeigt erstaunlich viel Kraft und Tempo und wäre auch von den Bangles vorstellbar.

„She-Devils sind wie ein Schiff, das wir gebaut haben, um an einen besseren Ort zu segeln“, sagt Audrey Ann Boucher über die Band, die entstand, als sie Kyle Jukka vor vier Jahren in einem Proberaum traf: „Wir waren wie wilde Tiere, irgendwie ängstlich und nur aufs Überleben fixiert. Aber wir hatten auch gemeinsame Leidenschaften, aus denen wir etwas machen mussten, um unsere Leben zu transzendieren und unseren Visionen und Inspirationen Ausdruck zu verleihen“, blickt sie auf die Anfangstage zurück. Sie hatte noch nie gesungen, bis die She-Devils entstanden. „Ich muss immer noch lernen, wie man das macht, rein intuitiv. Ich habe online ein paar Videos gefunden, wie ich meine Stimme aufwärmen kann. Ich trainiere letztlich die Fähigkeit meines Körpers, meine Intuition umzusetzen.“

Wie gut das schon gelingt, zeigt der ungeduldige Auftakt Come, dessen Titel durchaus sexuell gemeint sein könnte. Auch in Hey Boy geht es um Verführung, deren Methode vor allem das Versprechen völliger Hingabe ist. Make You Play wäre auch dann bedrohlich, wenn sie nicht singen würde „I’ve got a gun in my pocket / and I’m ready to fire“, das Motiv für diese Drohung scheint dabei Eifersucht zu sein. In Darling erzählt sie aus einer Position der Überlegenheit, die sie sichtlich genießt.

„Ich benutze meine Ohren, um damit zu reisen. Und wie jeder Reisende will ich Gefühle erleben und Dinge hören, die ich nie zuvor gehört habe. Das macht es ja so aufregend. Die Herausforderung liegt darin, daraus trotzdem ein stimmiges Ganzes zu machen, aber Audrey bekommt das mühelos hin, weil sie eine Sängerin ist, die sich unmittelbar mit meiner Fantasie verbindet“, lobt auch ihr Bandkollege Kyle Jukka.

Das träumerische How Do You Feel zeigt diese intuitive Verbindung, der Album-Schlusspunkt Buffalo ist der einzige Moment, in dem die She-Devils etwas Unsicherheit erkennen lassen. Sonst regiert eine große Bestimmtheit wie etwa in Never Let Me Go, in dem das „I want you to hold my hand / and never let me go“ wie ein Befehl wirkt.

„Ich habe immer an die Vorstellung geglaubt, dass man Dinge wahr werden lassen kann, wenn man sie visualisiert oder herbeiruft“, sagt Audrey Ann Boucher. Dass nun ihre Lieder existieren, in einer Plattenhülle, die sie selbst gestaltet hat, ist der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Idee.

Auch selbstgemacht: das Video zu Hey Boy.

Website der She-Devils.

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