Stephen Malkums – „Traditional Techniques“


Künstler Stephen Malkmus

Stephen Malkums Traditional Techniques Review Kritik

Fast ausschließlich akustisch musiziert Stephen Malkums auf „Traditional Techniques“.

Album Traditional Techniques
Label Domino
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

„Was steht denn hier alles rum?“ So oder so ähnlich lautete die Frage, die sich Stephen Malkmus stellte, als er 2018 gemeinsam mit seiner Begleitband The Jicks das Album Sparkle Hard aufnahm. Er war fasziniert, wie viele akustische Instrumente es dort im Halfling Studio in Portland gab. Die nächste Frage, die ihm durch den Kopf ging, war offensichtlich: „Was man damit wohl alles anstellen kann?“

Das Ergebnis sind die zehn Lieder auf Traditional Techniques. Stephen Malkums experimiert darauf fließig rund um einen Kern aus – der auf Adorno anspielende Albumtitel lässt es erahnen – ursprünglichen Klängen, die man wohl als „Folk“ zusammenfassen kann. Wie außergewöhnlich das werden kann, zeigt schon der Auftakt ACC Kirtan, das mit vielen asiatischen Elementen beginnt und auch dann, als die Instrumentierung etwas vertrauter wird, mysteriös bleibt. Ungewöhnlich sind neben der Instrumentierung nämlich auch der Rhythmus, die Melodieführung und die Frauenstimme im Hintergrund. Zyklische Passagen sind auf dieser Platte ein wichtiges Stilmittel, wie man sie in Xian Man hören kann, das eine prominente E-Gitarre wieder mit exotischen Elementen kombiniert. Man findet auf Traditional Techniques auch etliche Passagen, in denen die Musik vor sich hin zu treiben scheint. Shadowbanned klingt so wie eine psychedelische Karawane auf dem Weg durch den Orient, What Kind Of Person überrascht mit einem Flötensolo, das man hübsch finden kann, aber auch gewöhnungsbedürftig. Signal Western, das beste Lied der Platte, ist schwebend, behutsam und spannend.

Es gibt natürlich auch Lieder, die etwas weniger ausgefallen sind. The Greatest Own In Legal History erweist sich als inspirierter Folkrock, Flowin’ Robes könnte man sich von Adam Green vorstellen, das rätselhafte Amberjack setzt fast nur auf Gitarre (die auf dieser Platte meist von Matt Sweeney gespielt wird, der sonst unter anderem für Bonnie “Prince” Billy im Einsatz ist) und Gesang, das Ergebnis würde auch zu Ryan Adams passen. Cash Up als Einladung, auf das Ursprüngliche zu vertrauen, hätte im Sound auch von Nick Drake kommen können.

Nicht immer ist das zwingend, aber für Fans von Stephen Malkums könnte diese Platte ein spektakuläres Abenteuer werden – nicht zuletzt, weil man hier auch Qualitäten erkennen kann, die man sonst an ihm schätzt. Der Bonustrack Juliefuckingette erzeugt unter anderem mit Schlagzeug (das es hier nur sehr selten zu hören gibt) und mehrstimmigem Gesang einen schrägen Charme. Im Zentrum von Brainwashed steht eine schöne Gitarrenfigur, das Resultat ist eine Slacker-Trägheit, wie er sie schon zu Pavement-Zeiten meisterhaft beherrscht hat.

So klingt das Video zum Bonustrack Juliefuckingette.

Website von Stephen Malkmus.

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