Draufgeschaut: High Fidelity

Rob (John Cusack, links) ist genervt von seinem Mitarbeiter Barry (Jack Black) - und von seinem Leben.
| Film | High Fidelity |
| Produktionsland | USA |
| Jahr | 2000 |
| Spielzeit | 100 Minuten |
| Regie | Stephen Frears |
| Hauptdarsteller | John Cusack, Iben Hjejle, Todd Louiso, Jack Black, Lisa Bonet, Catherine Zeta-Jones, Tim Robbins |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?
Rob ist vergleichsweise verzweifelt. In seinem Plattenladen nerven ihn jeden Tags aufs Neue zwei Idioten, die dummerweise keine Kunden, sondern seine Angestellten sind. Und nun hat ihn auch noch seine Freundin Laura verlassen. Schon wieder. Rob will wissen, warum er ständig sitzen gelassen wird. Er ruft die fünf Frauen an, die ihm in seinem Leben den größten Schmerz bereitet haben – und beschließt, sie alle zur Rede zu stellen. Seine Reise in die Vergangenheit wird zu einem Trip in sein Innerstes.
Das sagt shitesite:
Höchst charmant, enorm schlau und sehr liebevoll wird in High Fidelity der gleichnamige Roman von Nick Hornby auf die Leinwand transferiert. Der Nerd- und Pop-Faktor bleibt zwar ein bisschen auf der Strecke. Aber die famosen Weisheiten über die Liebe lassen das locker vergessen.
Der Trailer zum Film:
Draufgeschaut: About A Boy
| Film | About A Boy |
| Produktionsland | Großbritannien |
| Jahr | 2002 |
| Spielzeit | 111 Minuten |
| Regie | Chris Weitz, Paul Weitz |
| Hauptdarsteller | Hugh Grant, Nicholas Hoult, Toni Collette, Rachel Weisz, Natalia Tena |
| Bewertung | ***** |
Worum geht’s?:
Will lebt von den Tantiemen eines Weihnachtsliedes, das sein Vater komponiert hat. Und er ist der oberflächlichste Mensch der Welt. Bis er beim Versuch, alleinerziehende Mütter aufzureißen, den 12-Jährigen Marcus kennen lernt. Die beiden entwickeln eine eigenartige Zweckgemeinschaft. Der eine will nicht mehr uncool sein, der andere nicht mehr einsam.
Das sagt shitesite:
Voller Wärme, Humor und Charme. Eine romantische Komödie der anderen Art und eine kongeniale Umsetzung von Nick Hornbys Erfolgsroman.
Der Trailer zum Film:
Draufgeschaut: Fever Pitch
| Film | Fever Pitch |
| Produktionsland | Großbritannien |
| Jahr | 1997 |
| Spielzeit | 102 Minuten |
| Regie | David Evans |
| Hauptdarsteller | Colin Firth, Ruth Gemmell, Mark Strong, Neil Pearson |
| Bewertung | **** |
Worum geht’s?
Paul ist Englischlehrer. Aber seine wahre Leidenschaft gilt dem Fußball. Genauer gesagt: Arsenal London. Von Kindesbeinen an ist er Fan des Clubs, und nun hat Arsenal erstmals seit Ewigkeiten die Möglichkeit, Meister zu werden. Als wäre das alles nicht schon aufregend genug, bekommt Paul auch noch eine Beförderung angeboten. Und Sarah tritt in sein Leben – eine Kollegin, in die er sich verliebt, und die ihn schon bald mit der Frage konfrontiert, ob Fußball in seinem Leben nicht eine viel zu bedeutende Rolle spielt.
Das sagt shitesite:
Viel einfühlsamer und eindrucksvoller hätte man die grandiose Romanvorlage von Nick Hornby (der hier auch am Drehbuch mitgearbeitet hat) nicht verfilmen können. Colin Firth ist großartig als ewiger Teenager, den nur der Fußball davon ablenkt, dass er eigentlich keinen Lebensinhalt hat. Noch besser als die Liebesgeschichte wird in Fever Pitch aber der Fußball ins Bild gesetzt: Der Initiationsmoment, als der junge Paul erstmals mit seinem Vater im Stadion ist. Sein Weg nach Highbury ein paar Jahre später, in kompletter Fanmontur. Die verzerrten, entstellten Gesichter auf den Tribünen, der grenzenlose Pessimismus von Paul während der entscheidenden Spiele und die grenzenlose Euphorie im Moment des Triumphs – mit solchen Szenen fängt Fever Pitch sehr einfühlsam den Geist des Spiels ein. So wird der Film zu einer sehr charmanten, augenzwinkernden Komödie. Vor allem aber zu einer Hommage an den Fußball, mit all seiner Tradition, all seiner Bedeutung und all seinen Gefühlen.
Bestes Zitat:
“Wir alle haben einen Grund dafür, warum wir die Dinge so lieben, wie wir sie lieben.”
Der Trailer zum Film:
Durchgelesen: Nick Hornby – “My Favourite Year”
| Herausgeber | Nick Hornby |
| Titel | My Favourite Year |
| Verlag | Bombus |
| Erscheinungsjahr | 1993 |
| Bewertung | **** |
Wenn man nicht gerade Jesus ist, dann kann man Blinde nicht sehend machen. Fast genauso schwer ist es, Fußball-Abstinenzlern die Faszination dieses Spiels in all seinen Facetten klar zu machen. Doch dieses Buch kommt nahe heran.
“My Favourite Year”, herausgegeben vom Popliteratur-Papst und Arsenal-Afficionado Nick Hornby, sammelt die ganz persönlichen Betrachtungen und Erinnerungen von elf Autoren. Von elf Vereinen. Aus elf verschiedenen Jahren. Jeder blickt auf eine Saison zurück, auf die Spielzeit, die seine liebste war.
Wer echte Fußballfans kennt, weiß natürlich, dass es hier mehr Trauer und Tränen als Tore und Triumphe gibt. Denn natürlich offenbart sich die wahre Leidenschaft, die ganze kulturelle und soziale Tiefe in der Verbindung zwischen Fan und Verein, erst, wenn es ans Eingemachte geht.
Die Geschichten von Adoleszenz und Abstiegskampf, von Verehrung und Verklärung (wie in Olly Wickens “Größenwahn”, dem besten Beitrag hier) sind so bewegend, humorvoll und voller Überraschungen wie ein echtes Fußballspiel. Und das ist unbedingt als Kompliment gemeint.
Durchgelesen: Dietmar Sous – “Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau”
| Autor | Dietmar Sous |
| Titel | Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau |
| Verlag | Europäische Verlagsanstalt |
| Erscheinungsjahr | 2006 |
| Bewertung | ***1/2 |
Musik (“Vomittag eines Rock’n'Roll-Beraters”, 2004) und Fußball (“Abschied vom Mittelstürmer”, 2001) sind zwei der Lieblingsthemen von Dietmar Sous. Trotzdem ist er – zum Glück – nicht bloß der deutsche Nick Hornby. Sous, 1954 im Rheinland geboren und mittlerweile in Belgien lebend, hat seine ganz eigene Sprache gefunden. Sehr lakonisch, sehr scharf und sehr unterhaltsam.
Jetzt legt er mit “Filme mit Studentinnen und einer Hausfrau” vier Erzählungen vor, die einige Gemeinsamkeiten haben. Es sind Geschichten von Verlierer-Figuren (natürlich hat die Hausfrau aus dem Titel “kein Haus und keinen Mann”) mit ganz viel Moral und ganz wenig Anstand. Und es geht um Systeme, die sich selbst korrumpieren und außer Kontrolle geraten.
Diese Fehlfunktionen seziert Sous knapp und gekonnt: ein Pornofilmer wird mit der Fortpflanzung konfrontiert; ein Weihnachtshasser sehnt sich plötzlich den Heilgabend herbei; berechtigte Beschwerden eines Häftlings führen zu noch mehr Erniedrigung durch die Wärter; Fußballfans hoffen darauf, dass ihr Verein nicht aufsteigt.
Die Protagonisten sind manchmal beinahe Stereotypen, aber es geht Sous mindestens ebenso sehr um die Milieus wie um die Menschen. Trotz gelegentlicher Klischees sind seine Erzählungen niemals billig, immer überraschend und bei “Die Schwester des Kameramanns” sogar ergreifend.
Beste Stelle: “Brender begrüßte mich wie jemand, der Pferde mit mir stehlen wollte, doch nachdem ich ihn gebeten hatte, die Schuhe auszuziehen, schaute er mich an, als kämen höchstens noch Zwergkaninchen in Frage.”
Hingehört: Marah – “If You Didn’t Laugh, You’d Cry”
| Künstler | Marah |
| Album | If You Didn’t Laugh, You’d Cry |
| Label | Munich Records |
| Erscheinungsjahr | 2005 |
| Bewertung | ***1/2 |
“Die beste unbekannte Band der Welt”, behauptet Nick Hornby und meint damit Marah. Die aus Philadelphia stammende Band um die Brüder Serge und Dave Bielanko legt mit If You Didn’t Laugh, You’d Cry inzwischen schon ihr fünftes Album vor. Und warum sie nicht schon längst in einer Liga mit Bruce Springsteen oder zumindest Wilco spielen, bleibt dabei ein Rätsel.
Höchst abwechslungsreich sind diese Lieder, aber immer ehrlich, intensiv und aufmerksam beobachtet. Gerne auch betrunken und humorvoll – so heißt das erste Stück The Closer und lässt mit Rockabilly-Anleihen gleich eine ausgelassene Party-Stimmung aufkommen, die auch dem Harmonika-Heuler Fatboy oder dem Banjo-Bastard Sooner Or Later zu eigen ist.
In The Hustle treffen Tom Pettys Heartbreakers auf Cornershop. Die Ballade City Of Dreams lässt an Pete Droge denken. The Demon Of The White Sadness würde auch den Wallflowers gut zu Gesicht stehen. The Dishwasher’s Dream und Walt Whitman Bridge sind die Art von Songs, die man zuletzt gerne von Ryan Adams gehört hätte.
Unterm Strich ein durch und durch amerikanisches Album. Im besten Sinne.
Nick Hornby hilft auch gerne selbst mit, um Marah aus dem Status des Geheimtipps zu befreien: Eine Lesung des Autors, umrahmt von Marah-Songs:
Durchgelesen: Nick Hornby – “How To Be Good”
| Autor | Nick Hornby |
| Titel | How To Be Good |
| Verlag | Penguin Books |
| Erscheinungsjahr | 2001 |
| Bewertung | **** |
Alle schreiben, dieses Buch sei unheimlich “clever” und “witty”, aber niemand schreibt, was das Buch noch viel mehr ist: “touching” und “true”.
Natürlich ist es humorvoll, schließlich ist es Hornby (deshalb gibt es auch wieder ein paar, teilweise gut versteckte, Musikanspielungen: Bob Dylan, Air, die Beatles und endlich endlich endlich Oasis), aber vor allem ist es rührend und fast aktivistisch.
“How To Be Good” schafft es beinahe, einen zum Hippie zu machen, jedenfalls sorgt es dafür, dass man Hippies nicht mehr verachtet oder belächelt. Im letzten Viertel geht die Dynamik etwas verloren, auch das Ende (schon ab der Mitte des Buches fragt man sich, wie Hornby diese Story überhaupt zu Ende bringen will) bleibt etwas unbefriedigend. Aber gerade das ist auch die Message: “How To Be Good” hat mich womöglich zu einem besseren Menschen gemacht, und ein bisschen hasse ich es dafür.
Beste Stelle: “What alarms me is just how easy it is to remember things I’ve done wrong, as if they are floating on the surface of my consciousness all the time and I can simply skim them off with a spoon. I’m a good person, and yet there’s all this stuff.”
Durchgelesen: Nick Hornby – Fever Pitch
| Autor | Nick Hornby |
| Titel | Fever Pitch |
| Verlag | KiWi |
| Erscheinungsjahr | 1992 |
| Bewertung | **** |
Ich habe mich lange dagegen gewehrt, etwas derartiges zu lesen. Deshalb habe ich “Fever Pitch” auch nicht gekauft, sondern mir bloß ausgeliehen von einem dieser Menschen, die Nick Hornby in höchsten Tönen loben.
Ich weiß immer noch nicht so recht, was ich von Büchern über Fußball halten soll. Aber Nick Hornby schreibt so gut, dass er derlei grundsätzliche Bedenken durchaus zerstreuen kann. Und natürlich ist “Fever Pitch” am Ende gar kein Buch über das runde Leder, sondern über das reine Leben.
Sehr schön die Stelle, an der der Erzähler erklärt, warum Sex besser als Fußball ist.







