Temples – „Volcano“


Künstler Temples

Temples Volcano Review Kritik

Eine sehr organische Weiterentwicklung zeigt „Volcano“.

Album Volcano
Label Heavenly
Erscheinungsjahr 2017
Bewertung

Wäre die Welt wie Nick Hornbys High Fidelity, dann wären Temples die größten Popstars des Planeten. Ihr 2014 veröffentlichtes Debüt Sun Structures erreichte die Top 10 im UK und war die meistverkaufte Vinylplatte des Jahres in unabhängigen Plattenläden in Großbritannien. Das verwundert kein bisschen. Auch der Nachfolger Volcano bietet Musik für Liebhaber des Besonderen ebenso wie für Audiophile. Es ist eine Platte, die man nicht nur hören, sondern besitzen und möglichst genau studieren will. Es ist eine Band, der man sich verschreiben und zugleich noch Größeres zutrauen kann.

Temples bleiben auf Volcano, das sie im eigenen Studio in Kettering selbst produziert haben, auf den ersten Blick ihrem Psych-Pop treu. All Join In ist theatralisch und psychedelisch und mit einem wunderbaren 1967er John-Lennon-Refrain ausgestattet. In My Pocket klingt zugleich durchgeknallt und eingängig, bleibt weitgehend akustisch, hat aber trotzdem viel Kraft. Das sehr schicke Oh The Saviour könnte man sich gut von Kula Shaker vorstellen, das sehr gelungene (I Want To Be Your) Mirror könnte aus der Blütezeit der Byrds stammen.

Bei genauerem Hinhören hat sich das Quartett aber im Vergleich zum ersten Album hörbar weiter entwickelt. Celebration beweist, dass James Bagshaw (Gesang und Gitarre), Tom Walmsley (Bass), Sam Toms (Schlagzeug) und Adam Smith (Keyboards) auf ihrem neuen Werk Lust auf noch größere Melodien und noch mehr abgespacte Sounds und noch mehr Nähe zu den Flaming Lips haben. Der Beat im Auftakt Certainty ist plakativ, die Keyboardmelodie noch plakativer, der Gesang so zuckersüß, dass man das Lied beinahe für eine Satire halten muss.

Die Effekte an jeder Ecke und der Bumms des Beats überdecken in Born Into The Sunset fast, wie gut die Melodie und Komposition sind. Mystery Of Pop ist extrem elegant, auf wundersame Weise zudem geradezu zwingend tanzbar. In der Frage How Would You Like To Go steckt der Gedanke, dass Temples jede Variante einer Antwort möglich machen könnten, dass jede Variante für sie zudem gleich wertvoll ist – aus diesem Mix aus Gelassenheit und Autorität erwächst ein großer Reiz.

Das Besondere daran ist, wie organisch diese Erweiterung des Klangkosmos bei Temples klingt. „Wir haben vieles einfach beim Ausprobieren entdeckt, und das Aufregende an dieser Methode wirkt lange nach“, erklärt Bassist Thomas Walmsley die Herangehensweise. Sänger James Bagshaw unterstreicht, dass hinter dem komplexeren Sound kein ausgetüftelter Plan steckt. „Wenn es sich größer anhört, dann liegt das vor allem daran, dass wir diesmal etliche Sachen eingebaut haben, die wir beim ersten Album einfach noch nicht kannten“, sagt er.

Selbst ein Beat mit leichten HipHop-Anleihen wie am Anfang des herrlich schwelgerischen Album-Rausschmeißers Strange Or Be Forgotten lassen sich problemlos auf Volcano integrieren, ebenso eine Synthiemelodie, die fast wie eine Sirene klingt, wie es in Open Air der Fall ist, begleitet von einem sehr zupackenden Beat und geheimnisvollem Gesang – würde sich das Lied nicht ein so ausuferndes Finale gönnen, wäre es ein Riesenhit, aber auch so ist es große Klasse. Roman God-Like Man fasst den Reiz dieser Platte (nicht nur für High Fidelity-Romantiker) vielleicht am besten zusammen: Wenn den Kinks die Möglichkeiten (und Einflüsse) heutiger Zeit zur Verfügung gestanden hätten, käme vielleicht ein so cleverer Song heraus, der britische Exzentrik mit der Überzeugung verbindet, etwas zu sagen zu haben.

Theatralik ist auch ein gutes Stichwort im Video zu Strange Or Be Forgotten.

Website von Temples.

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