Durchgelesen: F. Scott Fitzgerald – „Der große Gatsby“ 2


Meisterhaft hinter einem Schleier: „Der große Gatsby“.

Autor F. Scott Fitzgerald
Titel Der große Gatsby
Verlag Süddeutsche Bibliothek
Erscheinungsjahr 1925
Bewertung ****1/2

Natürlich ist dies, schon wieder, die Geschichte des American Dream. Und seines Scheiterns. Doch „Der große Gatsby“ ist, von Anfang an, ein Roman mit doppeltem Boden.

Neben den Szenen vom schnellen Aufstieg und noch schnelleren Fall in den roaring Twenties ist dies auch eine subtile Liebesgeschichte, neben seinem Wert als Zeitdokument ist es unfassbar weise und treffend.

Eigentlich wirkt das Buch, als hätte es ein Nachgeborener geschrieben, kein Zeitgenosse. Jemand der schon wusste um den Zweiten Weltkrieg, um die Atombombe, um Carter, McCarthy und Vietnam.

Famos baut Fitzgerald seine Spannung auf, vieles bleibt zunächst schleierhaft, die Herkunft der Titelfigur ist dabei noch fragwürdiger als die Herkunft ihres Reichtums und die Beziehung, die sie zur verschollenen Jugendliebe Daisy hegt. Und doch ist der Leser gleich mittendrin. Ein paar Sätze reichen Fitzgerald stets, um eine treffende Charakterisierung zu entwerfen. Bei Gatsbys rauschenden Gartenfesten hört man die Jazz-Klänge, man schmeckt den Champagner und riecht den Duft von frisch geschorenem Rasen und edlen Zigarren.

Wie all dies zusammenbricht, ohne Erfüllung zu finden, ist famos geschrieben. Höhepunkt ist die todtraurige Beerdigungsszene, in der ein paar Seiten ausreichen, um die Blüte des Lebens und die Tragik des Scheiterns in all ihren Extremen zu zeigen.

Beste Stelle: „Er lächelte verständnisvoll – ja geradezu verständnissinnig. Es war ein Lächeln, das einen endgültig beruhigte und begütigte; ein Lächeln von jener seltenen Art, wie man es nur vier- oder fünfmal im Leben antrifft. Es umfasste – zumindest schien es so – für einen Augenblick die Welt als ein Ganzes und Ewiges, um sich dann mit grenzenloser Zuversicht dem Menschen zuzuwenden. Dieses Lächeln brachte einem gerade so viel Verständnis entgegen, wie man sich wünschte; es glaubte an einen, wie man selbst gern an sich glauben mochte, und es bestätigte einem genau den Eindruck, den man bestenfalls zu hoffen machen konnte.“


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