The Flaming Lips – „7 Skies H3“


Künstler The Flaming Lips

Flaming Lips 7 Skies H3 Review Kritik

„7 Skies H3“ ist ein Auszug aus dem längsten Song der Welt.

Album 7 Skies H3
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Was ist bloß mit den Flaming Lips passiert? Sind Wayne Coyne und seine Mitstreiter etwa keine durchgeknallten Experimentalisten mehr? Hört man Can’t Shut Off My Head, das erste Lied auf diesem Album, muss man beinahe daran glauben. Es ertönt eine verlorene, fast einsame E-Gitarre, dann ein ebenso klingender Synthesizer. „And now, though you’re not here / I can smell your hair“, heißen die ersten Zeilen. Wayne Coyne wünscht sich, den Kopf ausschalten zu können, und damit ist ausnahmsweise kein Drogenexzess gemeint, sondern der Versuch, schmerzhafte Erinnerungen, Sehnsucht und Wehmut abschütteln zu können. All das klingt so innig, dass man sich fragt: Was ist aus Ironie und Zynismus geworden, die von den Flaming Lips doch stets so glorreich zelebriert wurden?

Es gibt ein paar weitere Indizien dafür, 7 Skies H3 mit Begrifen wie „authentisch“ oder „romantisch“ in Verbindung zu bringen, die man bisher nicht einmal in die Nähe dieser Band hätte kommen lassen. In A Dream klingt zwar spacig, verströmt aber auch eine große Wärme und artikuliert erneut ein Traumbild und eine Wunschvorstellung von Zweisamkeit. Requiem hat kein Problem damit, nicht nur traurig zu klingen, sondern auch beschaulich und hübsch. Can’t Let It Go schließt die Platte in ähnlicher Atmosphäre ab: Die Stimme klingt auch hier wieder so gebrochen, dass man Wayne Coyne fast tröstend in den Arm nehmen möchte. Nur sechs Zeilen Text gibt es zu Beginn des mehr als achtminütigen Stücks (die ersten davon heißen „I can’t let it go / I can’t just let it go / with my arms, my heart, my life“), aber das lässt sie umso eindringlicher erscheinen. Main Theme, eines von fünf Instrumentalstücken der Platte, klingt zunächst sphärisch und dann, als das orchestrale Backing klarer erkennbar wird, sogar majestätisch, Metamorphosis erweist sich als höchst einfühlsam.

Glücklicherweise gibt es ziemlich genau nach einer halben Stunde auch einen klaren Beweis dafür, dass dies die Flaming Lips in all ihrer grenzenlosen Pracht sind. Da findet sich auf dem Album ein Stück, das Riot In My Brain heißt und auch genauso klingt: Endlich gibt es dann doch Krawall, Spektakel und Wahnsinn, Punk und Geschrei. Und dann ist da ja noch das Format, das dieses Werk so exaltiert erscheinen lässt wie es wohl keine andere Band je hinbekommen könnte: 7 Skies H3 war ursprünglich ein 24 Stunden langer Song, der in einem echten menschlichen Schädel verpackt war, den man für 5000 Dollar kaufen konnte. 2011 war das.

Für die Veröffentlichung auf CD und Vinyl wurde die Komposition nun in einzelne Tracks unterteilt und auf 50 Minuten gekürzt, wir haben hier nach wie vor also nur gut 3,47 Prozent des ursprünglichen Materials vor uns. Man darf getrost davon ausgehen: Die restlichen 96,53 Prozent werden mehr als genug Wahnsinn, Zynismus und Experimente enthalten.

Wer Zeit hat: Die erste Hälfte der 24-stündigen Version von 7 Skies H3.

Homepage der Flaming Lips.

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