Tommy Finke – „Kämmbar?“


Künstler Tommy Finke

Tommy Finke Kämmbar? Review Kritik

Tommy Finke stellt mit der EP „Kämmbar?“ eine Frage, die das Album dann beantwortet.

EP Kämmbar?
Label Noteworks
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung

Die dichten Haare von Tommy Finke sehen auf dem Cover dieser EP nicht besonders gut kämmbar aus, aber der Titel ist wohl ohnehin eher auf seine Musik bezogen. Und da kann man anhand dieser fünf Songs schnell erkennen: Mit ein paar Zügen ist es hier längst nicht getan, sollte jemand ein besonders stromlinienförmiges, konventionelles oder gestriegeltes Ergebnis anstreben.

Der Musiker aus Bochum veröffentlichte Kämmbar? 2012 als Vorbote für sein im Jahr darauf veröffentlichtes, drittes Album Unkämmbar. Die Songs wurden von Oliver Rüger und Gregor Ruhl produziert, drei der Stücke wurden später auch auf dem Longplayer berücksichtigt. Dazu gehört der Auftakt L. ♥ L. Die ersten Töne kommen vom Schrammeln auf der akustischen Gitarre, das klingt nach Kinderzimmer und Lagerfeuer, den typischen Singer-Songwriter-Aufenthaltsorten. Später gesellt sich ein schickes Cello hinzu, auch das ist durchaus üblich in diesem Genre, ebenso wie der Inhalt des Lieds: Liebe macht blind und stürzt ins Verderben, erst recht, wenn sie nicht erwidert wird. Die Besonderheit von Tommy Finke wird hier aber bereits deutlich: Der Song ist kitschfrei, weil er unbestimmt im Text und etwas auf Distanz zum Geschehen bleibt.

Das gilt auch für die Single Canossa, die Bläser zu Beginn und Streicher am Ende einbaut, dazwischen einen energischen Beat, der zu den Kilians passen würde. Das wird manchmal etwas zu plakativ, aber insgesamt ist der Song gelungen in seiner Beobachtung, die sowohl für zwischenmenschliche Beziehungen als auch für das Zurechtrücken der Perspektive bei First World Problems gilt: „Es geht darum, etwas einzufordern, was einem versprochen wurde, dafür aber sich selbst eine Schuld einzugestehen. Letzten Endes wird nichts durch Wunder gelöst, nur durch Handeln. Aber Handeln ist ohne Konsequenzen kaum möglich“, sagt Tommy Finke.

Canossa gibt es auf der EP noch einmal als Akustik-Version mit Gitarre und Mundharmonika statt großem Arrangement, was die Substanz dieses Songs unterstreicht. Zudem nimmt Tommy Finke in Mit 17 in Hamburg von seinem verstorbenen Vater Abschied und erinnert auch in Sag ihnen, dass du sie liebst (das man sich gut wie eine erwachsene Inkarnation von Echt vorstellen kann) daran, dass man schätzen soll, was man hat, weil es schneller verschwunden sein kann, als man denkt. In keinem Moment wird das pathetisch oder weinerlich, sodass Kämmbar? insgesamt gut den Charakter dieses Künstlers auf den Punkt bringt: Er ist ein Grübler, der dabei aber nicht in Verzweiflung stürzt.

Das Flussufer im Video zu L. ♥ L.  ist natürlich auch ein schönes Songwriter-Habitat.

Website von Tommy Finke.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.