Triumph der Vernunft


Gelungene Verjüngungskur: der neue Jetta. Foto: VW

Gelungene Verjüngungskur: der neue Jetta. Foto: VW

Der Jetta heißt wieder Jetta. Mit anderen Bezeichnungen (seit 1991 Vento, seit 1998 Bora) hatte Volkswagen zuletzt vergeblich versucht, das angestaubte Image seiner kompakten Limousine loszuwerden und jüngere Käufer (in Deutschland sind die Jetta-Kunden im Schnitt 53 Jahre alt) zu gewinnen. In der fünften Modellgeneration, die seit gestern bei den deutschen Händlern steht, gibt es nun wieder den alten Namen – aber ein Auto, das mit dem letzten Jetta eigentlich nichts mehr gemeinsam hat.

Das fällt schon auf den ersten Blick auf. Das neue Design lässt den Jetta deutlich frischer aussehen. Die Verwandtschaft zu Golf, Passat und sogar zum ganz großen Bruder Phaeton lässt sich mehr als erahnen. Das Profil ist coupéhafter, die am Golf angelehnte Frontpartie mit dem in Chrom gehaltenen Kühlergrill deutlich bulliger geworden. Das geht allerdings auf Kosten der Individualität: Sein vielleicht nicht attraktives, aber unverwechselbares Gesicht hat der Jetta verloren.

Ein ganz anderes Auto ist der Jetta auch gegenüber dem Bora – vor allem, was die Dimensionen angeht: 18 Zentimeter länger (4,55 Meter), auch etwas höher und breiter. Ebenfalls gewachsen sind der mehr als üppige Kofferraum (527 Liter, also annähernd so viel wie in der Mercedes-S-Klasse) und der Radstand (um 6,5 Zentimeter auf 2,58 Meter). Davon profitieren die Insassen: Vorne herrscht ein luxuriöses Platzangebot, auch hinten lässt sich bequem reisen – selbst auf längeren Strecken.

Da hat der Viertürer ohnehin seine größten Stärken. Hinsichtlich des Komforts lässt der Jetta in seiner Klasse wenig Wünsche offen. Die Sitze vorn sind bequem und geben auch nach der Seite den nötigen Halt, die Straßenlage ist sehr stabil und souverän, das übersichtliche Cockpit erklärt die Bedienung der wichtigsten Funktionen selbst, Lenkung und Schaltung sind präzise, mit einem Verbrauch um die fünf Liter auf der Autobahn (Werksangabe für den 105-PS-Diesel) und einem 55-Liter-Tank ist auch die Reichweite beachtlich. Vor allem bei Nutzung des Tempomats ist somit stressfreies Fahren angesagt.

Weitere kleine Freuden: Die Rückbank ist spielend leicht umzuklappen (wodurch sich bis zu 1,90 Meter lange Ladung transportieren lässt). Für die Dieselmotoren und den Zweiliter-FSI-Turbo gibt es das vorzügliche Doppelkupplungsgetriebe DSG. Viele Taschen und Fächer (unter anderem unter den Vordersitzen) sorgen für Ordnung im Auto. Das gegenüber der US-Version (dort gibt es den Jetta schon seit Anfang des Jahres zu kaufen) etwas härter abgestimmte Fahrwerk ist ein guter Kompromiss aus Komfort und Agilität. Dazu kommt ein ordentliches Sicherheitspaket (sechs Airbags, ESP und LED-Rückleuchten sind serienmäßig).

Im Detail steckt beim Jetta manchmal allerdings auch der Teufel: Die Mittelarmlehne, die aus der Rückbank ausgeklappt werden kann, wirkt etwas labil. Die Halterungen für Flaschen in den Türen sind eine gute Idee, im Sitzen aber schwer zu erreichen. Die niedrige Sitzposition wird nicht jedermanns Sache sein. Wer gerne etwas sportlicher unterwegs ist, wird ein weiteres Manko feststellen: Der Jetta ist mit den aus dem Golf bekannten Vierzylinder-Motoren ausgestattet. Insgesamt sollen sieben Aggregate (vier Benziner und drei Diesel, für die es ab Herbst Rußpartikelfilter geben soll) zur Auswahl stehen. Das Leistungsspektrum reicht von 102 bis 200 PS. Aber selbst bei den stärkeren Versionen wie dem 150-PS-FSI würde man sich mehr Spritzigkeit wünschen.

Dies sind allerdings Marginalien einer insgesamt sehr gelungenen Verjüngungskur. Und der potenzielle Jetta-Käufer ist ohnehin nicht auf der Suche nach einem heißen Sportwagen oder spektakulärer Optik. Immerhin das ist noch wie eh und je: Der Jetta bleibt ein Vernunftauto.

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