Durchgelesen: Natasha Radojcic – „Du musst hier nicht leben“


Serbien, Kuba und New York sind die Schauplätze dieses Romans.

Autor Natasha Radojcic
Titel Du musst hier nicht leben
Verlag Berlin Verlag
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung ***1/2

Alexandra, genannt Sascha, ist gar kein böses Mädchen. Sie glaubt nur, eines zu sein. Sie ist außerdem ein bisschen zu faul, um gut zu sein und all den Verlockungen zu widerstehen, die das Leben einem Teenager bietet, der stets umgeben ist vom Fatalismus und Opportunismus der Erwachsenen.

Kaum jemand kann ihr hier Vorbild sein, und niemand kann ihr erklären, wie die Welt funktioniert. Nicht einmal die Mutter, die sie so gerne stolz machen will, auch wenn sie weiß: „Ich bin das schlimmste Mädchen, das je gelebt hat, und wie kann sie mich bitten, gut zu sein, wie kann sie das schlimmste Mädchen bitten, etwas anderes zu tun, als das Schlimmste zu sein.“

Und deshalb tut Sascha ständig Sachen, für die sie viel zu jung ist, deshalb gerät sie überall in Schwierigkeiten, wo sie das Schicksal in Natasha Radojcics Roman hinführt: in Serbien, wo sie aufwächst, auf Kuba, wo sich ihre Familie ein besseres Leben erträumt, in Bosnien, wo sie bei ihrer Großmutter zur Vernunft kommen soll, in Athen, wo ihr Vater sie nicht beachtet, und schließlich in New York, wo sie ihr Leben endlich selbst in die Hand nehmen will, bloß um dann festzustellen, dass dies eigentlich von Anfang an und überall ihr Wunsch war.

Es ist die Leichtigkeit der Sprache, mit dem sie serbische Autorin diesen Kampf um Selbstbestimmung erzählt, die an diesem Roman beeindruckt. Vieles (in der Handlung und im Stil), was leichtfertig und unmotiviert wirkt, erweist sich unter der Oberfläche als heroisch und wahr: der Versuch der Emanzipation, von den Eltern, den falschen Freunden, den fremden Ländern und den Drogen. Am Ende: Ein Triumph des Willens.

Beste Stelle: „Die Ehe meiner Eltern war so merkwürdig, wie sie kurz war. Sie hatten wenig oder gar nichts gemeinsam außer der falschen Vorstellung voneinander.“

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