Uriah Heep – „Classic Live“


Künstler Uriah Heep

Uriah Heep Classic Live Review Kritik

Aus der Blütezeit der Band mit Sänger David Byron stammen die Liveaufnahmen.

DVD Classic Live
Label Falcon Neue Medien
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung

Ich bin nicht allzu gut vertraut mit dem Werk von Uriah Heep. Genauer gesagt, verbinde ich nur zwei Dinge mit dieser Band. Die erste Assoziation ist, wie wohl bei 99 Prozent aller Menschen, Lady In Black, der auch heute noch sehr präsente Klassiker der Band aus dem Jahr 1971. Die zweite Assoziation ist Sascha. Er war ein Austauschschüler aus Russland, der einmal während der Abitur-Zeit im Unterricht neben mir saß. Weil ich damals die Tische aller Klassenräume mit dem Oasis-Logo verziert habe, erkannte er wohl, dass man mit mir über Musik reden kann und erzählte mir von seiner sehr leidenschaftlichen Begeisterung für Uriah Heep.

Die konnte ich damals nicht nachvollziehen, und auch Classic Live ändert daran wenig. Die DVD enthält Live-Aufnahmen aus Japan, Großbritannien und den USA aus dem Zeitraum zwischen 1973 und 1975, also aus der kommerziell erfolgreichsten Zeit der englischen Band, die bis heute über 40 Millionen Tonträger verkauft hat. Als Erinnerung daran, wie groß Uriah Heep einmal waren, funktioniert diese Sammlung bestens: Zwischendurch sind sie ein paar Mal mit Goldenen Schallplatten zu sehen.

Unverkennbar ein Zeitdokument der frühen Seventies ist Classic Live auch in anderer Hinsicht: Es gibt viele Haare und viele Posen. Gitarrist Mick Box sieht in manchen Szenen aus wie ein notgeiler Yeti. Sänger David Byron beweist eine Vorliebe für bunte, florale Outfits und irre Blicke. An einer Stelle sagt er sich selbst „an early grave“ voraus, was sich als wahr erweisen sollte: 1985 hatte er sich zu Tode gesoffen, er war gerade 38 Jahre alt geworden. Schon 1976 war er wegen seines Alkoholkonsums aus der von ihm selbst mit gegründeten Band geflogen.

Dass dies ein Verlust war, machen die insgesamt zwölf Lieder in jedem Fall deutlich. Die Musik ist heavy, die Gesangsmelodien hingegen sind so eingängig und üppig, dass man manchmal eine Nähe zu Schlager unterstellen könnte. Die besten Momente, etwa Traveller In Time, müssen sich auch hinter heute deutlich bekannteren Szenegrößen wie Led Zeppelin oder Black Sabbath nicht verstecken. So Tired wird, entgegen des Titels, rasant und bietet dem Schlagzeuger die Möglichkeit, sich richtig auszutoben. The Easy Road entpuppt sich als überraschend sanfte Klavierballade.

Die Bildqualität ist mittelprächtig, offensichtlich liegen alte Aufzeichnungen für Fernsehsendungen dieser DVD zugrunde. Die Soundqualität hingegen ist durchweg sehr ordentlich, was womöglich auch darin liegen könnte, dass hier nachbearbeitet wurde. Manchmal sind die Bewegungen auf der Bühne und die Töne, die durch diese Bewegungen angeblich erzeugt werden, jedenfalls so wenig synchron, dass man sich fragen muss, ob das tatsächlich gerade dasselbe Lied gespielt wird, etwa bei Tears In My Eyes.

Der Hit Easy Livin’ ist gleich zweimal vertreten und wird zumindest beim Auftritt in Shepperton etwas arg routiniert dargeboten. Stealin’, ebenfalls mit zwei Aufnahmen berücksichtigt, wird ein in Bühnennebel getränkter Blues, der auch die Tür für etwas Spontaneität und Improvisation öffnet, vor allem beim Auftritt in den USA. Return To Fantasy bekam in der Postproduktion ein paar Special Effects verpasst. Bei Prima Donna werden kurz vor Ende dieser DVD erstmals die Fans mit einbezogen, Shady Lady wird – nicht nur, weil der Keyboarder hier plötzlich zur Gitarre greift und der Sänger sich an die Orgel setzt, ein irres Finale für eine Live-Sammlung, die als Heranführung an diese Band wohl nicht ideal ist, für Ultra-Fans von Uriah Heep (wie Sascha) aber bestimmt ein paar Freudenmomente bereithält.

Die Session in den Shepperton-Studios ist auf Classic Live ebenfalls vertreten.

Homepage von Uriah Heep.

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