Viel Lärm um nichts


Gasprom ist auf dem Kriegspfad. Der russische Riese fühlt sich von der EU drangsaliert und droht, den Gashahn abzudrehen, wenn man keinen direkteren Zugang zu den Kunden bekommt. Brüssel überlegt laut, ob man sich nicht nach anderen Quellen umsehen sollte.

Hinter dem Streit stecken aber nur leere Drohungen. Denn die EU weiß genau, dass sie ohne die Kreml-Unternehmen nicht kann. Schon jetzt wird ein Viertel des europäischen Bedarfs mit russischem Gas gedeckt, in Zukunft dürfte dieser Anteil noch steigen. Und ob andere Energie-Anbieter ähnlich verlässlich sind, ist angesichts der aktuellen Krisen in Venezuela, Nigeria und im Iran zu bezweifeln.

Auch Gasprom übt sich mit dem Hinweis, man könne das Gas auch in andere Länder liefern, bloß in Ränkespielen. Denn zum einen haben sich die Russen auf Jahrzehnte hinaus vertraglich zu Lieferungen nach Europa verpflichtet. Zum anderen gibt es in Nordamerika und vor allem in China zwar durchaus eine steigende Nachfrage nach russischem Gas, aber kaum Pipelines, um das begehrte Gut dorthin zu bringen. Schließlich weiß auch Gasprom-Chef Alexej Miller, dass er in den Europäern vorbildliche Kunden hat, die mit harter Währung pünktlich zahlen.

Wie schon im Streit mit der Ukraine nutzen die Russen ihre Energie-Vorkommen auch diesmal in erster Linie, um die Preise zu treiben. Und um sich als die Weltmacht zu profilieren, die sie militärisch und politisch längst nicht mehr sind.

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