Was bringt der Record Store Day?


RSD 2016

Der Record Store Day soll den Plattenladen als Kulturgut unterstützen.

Mehr als 200 Plattenläden bundesweit machen heute beim Record Store Day mit: Das Musikhaus Kietz im Peterssteinweg und Whispers in der Karli sind in Leipzig dabei. Beide haben zur Feier des Tages einen DJ engagiert und lassen abends Bands im Laden auftreten. Größte Attraktion sind allerdings die besonderen Releases, die es nur heute gibt: Größen wie David Bowie, Madonna, Florence & The Machine, Marilyn Manson oder Mumford & Sons haben spezielle Ausgaben ihrer Werke anfertigen lassen, um die 2007 gestartete Initiative zu unterstützen, die dem Plattenladen als Kulturgut zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen soll. Insgesamt erscheinen hierzulande mehr als 500 solcher speziellen Platten zum Record Store Day.

Wie kommt die Initiative an? Was sagen die Laden-Inhaber dazu, und was kaufen die Kunden? Ich habe mich in Leipzig, das mit zwei teilnehmenden Läden übrigens etwas besser vertreten ist als Halle (ein Laden), aber erstaunlicherweise schlechter als beispielsweise Göttingen und Saarbrücken (jeweils drei), umgehört.

„Für uns ist das natürlich etwas Besonderes. Wir schenken ein bisschen Eierlikör aus, heute Abend spielen noch zwei Bands“, sagt Rory vom Musikhaus Kietz im Peterssteinweg. Rund 100.000 Platten gibt es bei ihm, schätzt er, zum Record Store Day ist der Andrang natürlich besonders groß. „Rein wirtschaftlich machen wir mit den Sachen vom Record Store Day sicherlich ein Minus, aber es ist eine gute Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen. Man muss den Leuten etwas bieten, damit sie in den Laden kommen – und Spaß macht es natürlich auch, wenn so viel los ist“, sagt er.

Lena und Sebastian kommen gerade aus dem Whispers, mit zwei gut gefüllten Plastiktüten. „Wir sind im Auftrag eines Kumpels hier. Er hat uns eine ganze Einkaufsliste mitgegeben. Den Star Wars-Soundtrack haben wir bekommen und gleich viermal gekauft. Dr. Who haben wir leider nicht gekriegt“, lautet ihre Ausbeute. Auch wenn sie gar nicht für sich selbst shoppen wollten, finden sie den Record Store Day „auf jeden Fall sehr lobenswert. Es wäre schön, wenn noch viel mehr Leute davon erfahren würden. Wir kennen viele Leute, auch richtige Plattensammler, die davon noch gar nichts mitbekommen haben.“

Auch Patrick aus Leipzig, der schon zwei LPs und eine CD unterm Arm trägt, war sich des speziellen Datums gar nicht bewusst, als er ins Whispers kam. „Das hier ist mein Stammladen und ich bin gerade vorbei gekommen. Die Aktion finde ich klasse. Wer Vinyl mag, geht wahrscheinlich sowieso lieber in den Laden. Trotzdem ist es wichtig, die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass es Plattenläden gibt und dass man sie unterstützen sollte. Auch aus lokalen Gründen: Es gibt bestimmt viele Leute hier in der Gegend, die alles im Netz kaufen und dann verwundert sind, wenn der Plattenladen um die Ecke dichtmacht“, meint er. „Ich kaufe deshalb gar nichts online. Und die Empfehlungen, die ich hier kriege, sind auch besser als die von Amazon.“

Für Inhaber Ralph ist der Record Store Day mittlerweile „fast ein kleiner Hype. Von Jahr zu Jahr ist der Andrang größer geworden, in diesem Jahr hatten wir zum ersten Mal eine Schlange vor der Tür, als wir aufgemacht haben“, sagt er. Bei ihm können die Sammler sogar Vorbestellungen für die speziellen RSD-Releases aufgeben, eine Liefergarantie gibt es allerdings nicht. „Wir bekommen leider nicht alle Sachen, die wir bestellen, aber das geht allen Läden so. Wir melden, was wir gerne hätten, und dann Drücken wir die Daumen. Der Großhandel sucht dann aus und versucht darauf zu achten, dass jeder ein bisschen was abkriegt“, erklärt er. Die Aktion bringe ein bisschen zusätzlichen Umsatz und sei vor allem symbolisch auf jeden Fall wichtig. „Vielen ist ja gar nicht klar, wie schwierig es ist, einen gut sortierten Plattenladen zu führen und damit vielleicht sogar noch Geld zu verdienen.“

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