Obamas hollywoodreife Wahlwerbung

Der richtige Mann für die Krise - diese Botschaft vermittelt Barack Obama in seiner Wahlwerbung. Foto: http://www.whitehouse.gov

Der richtige Mann für die Krise - diese Botschaft vermittelt Barack Obama in seiner Wahlwerbung. Foto: http://www.whitehouse.gov

Wenn man es nüchtern betrachtet, ist es ein Rückblick, eine Chronologie. Barack Obama hat ein 17 Minuten langes Video ins Netz gestellt, eine Bilanz der wichtigsten Stationen seiner Amtszeit. Doch der selbstbewusste Ton, die beeindruckenden Bilder und die Unterstützung durch reichlich Prominenz geben ein ganz anderes Signal: Ab jetzt machen wir ernst. Während die Republikaner noch über ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl streiten, ist Barack Obama nun mit aller Macht in den Wahlkampf eingestiegen. Yes we can, noch immer – so lautet seine Kampfansage.

The Road We’ve Traveled heißt das Video, das seit Donnerstagabend im Netz steht und bereits mehr als 660.000 Mal angeschaut wurde (zum Vergleich: der aktuellste Podcast von Angela Merkel vom 2. März kommt bisher auf 308 Aufrufe). Schauspieler Tom Hanks spricht aus dem Off, Oscar-Preisträger Davis Guggenheim (Emergency Room, Alias – Die Agentin) hat Regie geführt. Ex-Präsident Bill Clinton tritt auf und lobt die Entschlusskraft des Präsidenten, eine ganze Schar von Experten macht deutlich, wie schwierig die Ausgangslage war, als Obama im Januar 2009 ins Weiße Haus einzog. «Wie ein Horrorfilm» habe sich die wirtschaftliche Situation des Landes dargestellt, sagt Politikberater David Axelrod in die Kamera. Und Tom Hanks setzt mit seiner sonoren Stimme noch einen drauf. «Kein Präsident seit Franklin D. Roosevelt hatte eine solche Last zu schultern.»

Das ist eine geschickte Strategie, um all jenen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die enttäuscht sind von der Amtszeit Obamas – egal, ob es seine Gegner bei der Tea Party oder seine einstigen Anhänger in der Occupy-Bewegung sind. Der Kritik stellt der Film eine ganze Reihe von Erfolgen gegenüber: In der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt geht es bergauf, Amerika ist raus aus dem Irak, hat sich Osama Bin Ladens entledigt und ist wieder beliebt in der Welt. Vielleicht das größte Zeichen von Stärke: Der Friedensnobelpreis, den Obama im Dezember 2009 erhielt, wird nicht einmal erwähnt.

Vor allem aber verbreitet The Road We’ve Traveled eine andere Aussage: Auch wenn er nicht rundum erfolgreich war – Obama ist der richtige Mann für die Krise. Der Präsident wird nicht zum Messias gemacht, die Stimmung des Films ist eher demütig als großkotzig. Immer wieder ist der US-Präsident mit ernster Miene zu sehen, nachdenklich, unverkennbar gezeichnet von der Last der Verantwortung. Gerne wird er ganz allein gezeigt, am Schreibtisch im Oval Office, in Gedanken versunken am Fenster, schweigend an der Gedenkstätte für die Opfer des 11. September. Hier ist ein Entscheider, ein Führer, ein Vordenker – das ist die Botschaft dieser Bilder.

Weil in dem Kurzfilm auch eine gute Dosis Hollywood steckt, kommen auch die Gefühle und das Private nicht zu kurz. Es gibt wehende Fahnen und strahlende Gesichter, Obama küsst Babies und begrüßt mit brüchiger Stimme die letzten Soldaten, die aus dem Irak zurückkehren zu ihren Familien. Der Präsident erzählt von seinen Großeltern, die ihm von den harten Zeiten der Great Depression berichtet haben. Von seiner Mutter, die an Krebs erkrankte und mangels einer brauchbaren Krankenversicherung danach ruiniert war. Und als es um ein Obama-Gesetz geht, dass Frauen künftig den gleichen Lohn für gleiche Arbeit wie Männern zugestehen soll, sind seine Töchter Sasha und Malia eingeblendet, liebevoll umarmt vom Papa.

Der spannendste Moment des Videos kommt nach gut fünf Minuten: Da gibt es in The Road We’ve Traveled einen unverhohlenen Seitenhieb auf Mitt Romney. Der hatte die US-Autoindustrie bereits abgeschrieben, als sie am Boden lag. Obama hingegen setzte damals Hilfskredite durch, inzwischen machen die Hersteller wieder gute Geschäfte. Es ist eine kleine Anekdote, die aber erkennen lässt, wen Obama für seinen gefährlichsten Gegner hält. Romney hat übrigens auch einen eigenen YouTube-Channel: Dort muss er aber erst einmal gegen Rick Santorum wettern, bevor er sich Obama widmen kann.

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Der ANC feiert sich selbst

Ein Golfturnier. Ausgerechnet. Damit beginnt der Afrikanische Nationalkongress (ANC) die Feierlichkeiten zu seinem 100-jährigen Bestehen. Viele sehen darin ein Zeichen: Die einstige Befreiungs- und Untergrundbewegung ist zur Bonzen-Partei Südafrikas geworden.

So einfach ist die Lage freilich nicht. Zum Festprogramm gehören beispielsweise auch Gottesdienste und ein Tieropfer – Referenzen an die Wurzeln der Organisation, die am 8. Januar 1912 als Afrikanischer Eingeborenen-Kongress in Bloemfontein gegründet wurde. Mehr als 100.000 Teilnehmer wollen den Geburtstag des ANC feiern – eine Größenordnung, die bei einem Parteijubiläum in Deutschland undenkbar wäre und die Rechtfertigung ist für den Anspruch des ANC, das Volk Südafrikas zu vertreten. 46 Staats- und Regierungschefs werden den Feierlichkeiten beiwohnen – Beweis für die Anerkennung, die das einst isolierte Südafrika knapp 20 Jahre nach Ende der Apartheid mittlerweile in der Staatengemeinschaft genießt.

Südafrika ist heute ein respektierter Rechtsstaat. Der ANC ist die Kraft, die das ermöglicht hat. «Eine riesige Eiche, die seit Urzeiten dagestanden und die gesamte Umgebung beherrscht und bereichert hatte» – so beschreibt Nelson Mandela in der unveröffentlichten Fortsetzung seiner Autobiografie Oliver Tambo, der von 1967 bis 1991 Präsident des Afrikanischen Nationalkongresses war. Es ist eine Charakterisierung, die auch auf den gesamten ANC zutrifft.

Seit 1994, als Schwarze in Südafrika erstmals wählen durften und Mandela zum Präsident des Staates wurde, ist der ANC ununterbrochen an der Macht. Mit Mandela an der Spitze hat er den friedlichen Übergang von einem rassistischen Regime zu einer der wenigen funktionierenden Demokratien auf dem schwarzen Kontinent geschafft. Schwarze und Weiße sind weitgehend versöhnt, die Wirtschaft wächst.

Der ANC, von 1960 bis 1990 verboten, hat also guten Grund, sich feiern zu lassen. «Wir haben nicht nur für Südafrika viel erreicht, sondern für ganz Afrika», sagt ANC- und Staatspräsident Jacob Zuma. «Unser Befreiungskampf sollte ein Afrika schaffen, in dem die Völker frei sind von Kolonialismus, Rassismus und Armut.» Ähnliche Worte wird er heute bei der zentralen Feierstunde an die 40.000 Menschen im Stadion von Mangaung richten.

Südafrika ist trotzdem weit davon entfernt, ein Land ohne Probleme zu sein. Viele hatten sich schnellere Fortschritte erhofft, seit 1990 mit der Freilassung Mandelas nach 27 Jahren Haft ein neues Zeitalter für Südafrika begonnen hatte. Bei rund 36 Prozent liegt nach wie vor die Arbeitslosenquote, bei jungen Menschen ist sie fast doppelt so hoch.

Der ANC verfügt im Parlament über eine bequeme absolute Mehrheit, und niemand zweifelt daran, dass er auch aus den nächsten Wahlen als Sieger hervorgehen wird. Doch der Organisation wird immer wieder Korruption vorgeworfen. Auch der 69-jährige Zuma steht in der Kritik, vor allem wegen seines aufwendigen Lebenswandels und seiner Frauengeschichten. Er ist nicht der einzige einstige Guerillakämpfer (Zuma saß wie Mandela auf Robben Island in Haft), der meint, sich für jahrzehntelange Entbehrungen nun mit einem Luxusleben entschädigen zu können.

Zudem zieht die Organisation dubiose Gestalten an. «Der ANC wird regieren, bis Jesus wieder auf die Erde zurückkommt», hatte Zuma im Jahr 2008 vorhergesagt. Längst besetzt der ANC quasi alle wichtigen Positionen im Staat. Das ist nicht weit entfernt von den Methoden und dem Selbstverständnis, die die SED in der DDR an den Tag legte. Wer in Südafrika Karriere machen oder sich bereichern möchte, muss den Weg in den ANC suchen.

Die Probleme überschatten auch das Fest-Wochenende. «Eigentlich sollte das hundertjährige Jubiläum ein rauschendes Fest werden», sagt der Politologe William Gumede der Frankfurter Rundschau, «stattdessen wird es zum Trauerspiel». Ein Beispiel: Simbabwes Präsident Robert Mugabe, international geächtet, wird heute als «Kampfgenosse» empfangen. Ein weiterer Kritikpunkt: Julius Malema, suspendierter Chef der ANC-Jugendliga, soll bei der Selbstbeweihräucherung möglichst keine Rolle spielen. Der 30-Jährige gilt als profiliertester Gegenspieler Zumas.

Die beiden Reizfiguren symbolisieren zwei der zentralen Versäumnisse des ANC. Malema möchte beispielsweise die Banken verstaatlichen und weiße Farmer enteignen. Mit diesen radikalen Positionen verkörpert er eine fast vergessene Traditionslinie des ANC, der einst als kommunistisch galt und sich von Anfang an nicht nur rechtliche Gleichheit der Schwarzen, sondern auch sozialen Ausgleich auf die Fahnen geschrieben hatte.

Mugabe ist das schlimmste Beispiel für einen einstigen Freiheitskämpfer, der die Freiheit nun nicht gegen sich gerichtet sehen will und darob zum Diktator geworden ist. Dass Demokratie im Zweifel auch Opposition bedeuten oder sogar dazu führen kann, dass der ANC seine Macht verliert – das will in der Partei niemand hören. «Die traurige Wahrheit ist, dass ausgerechnet der ANC heute zur Gefahr für unsere Freiheit, für unsere Verfassung und für unseren Wohlstand geworden ist», meinte unlängst Enthüllungsjournalist Max du Preez, ein langjähriger Unterstützer des ANC.

Was der Afrikanische Nationalkongress derzeit vielleicht am dringendsten braucht, ist eine Führungsfigur mit dem Weitblick, der moralischen Autorität und der Bescheidenheit Nelson Mandelas. Dem ANC verdanke er «alles in seinem Leben Erreichte», hat der Friedensnobelpreisträger einmal gesagt, der seit Ende der 1940er Jahre Führungspositionen im ANC inne hatte und von 1991 bis 1997 an seiner Spitze stand. Doch Mandela wird am Jubiläum nicht teilnehmen, sondern lediglich eine Grußbotschaft schicken. Der 93-Jährige sei zu gebrechlich, so die Partei. Manch einer in der Führungsriege wird nicht traurig darüber sein. Denn neben der Lichtgestalt Mandela würden viele der aktuellen ANC-Führer blass wirken – oder wie Halunken.

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Die wichtigsten neuen Alben 2012

Das Debüt des Jahres könnte schon im Januar kommen - von Lana Del Rey. Foto: Universal/Nicole Nodland

Lady Gaga, Bilanz 2011: Sie hat die 1000. Nummer-1-Single in der Geschichte der Billboard-Charts gelandet. Sie hat einen Bambi bekommen. Sie hat ihr aktuelles Album an die Spitze der Hitparaden in mehr als 20 Ländern gebracht. Sie hat eine Modekolumne geschrieben, ein Lied mit Cher aufgenommen, zwei MTV Video Music Awards gewonnen. Sie hat sich von Laurieann Gibson getrennt – der Frau, die vier Jahre lang ihr Image geschaffen hat. Sie hat sich einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde gesichert für die meisten Twitter-Follower überhaupt (derzeit: mehr als 17 Millionen) und einen weiteren Preis dafür, dass sich Poker Face insgesamt 83 Wochen (das sind mehr als anderthalb Jahre) in den US Digital Hot Songs gehalten hat. Und sie hat es trotz ihrer Omnipräsenz noch immer auf Platz 7 bei den am schnellsten wachsenden Fanseiten auf Facebook geschafft.

2011 war das Jahr von Gaga, so wie 2010, 2009 und 2008 auch. Ein kleiner Wunschtraum deshalb für das neue Jahr: Lady Gaga könnte ihre Born This Way Ball Tour abblasen und sich stattdessen entschließen, Trapezkünstlerin, Polizeichefin in Medellin oder irgendetwas anderes zu werden, bei dem man auch lustige Kostüme tragen kann, mangelndes Talent aber sehr schnell recht verheerende Folgen haben kann. Selbst, wenn das nicht geschieht, dürfte 2012 aber eine Menge guter Nachrichten für Musikfans bereithalten.

Denn trotz des weiterhin schrumpfenden Musikmarkts (1,4 Milliarden Euro wurden 2011 in Deutschland umgesetzt, davon nach wie vor mehr als 80 Prozent mit physischen Tonträgern) dürfte das Angebot im neuen Jahr noch umfangreicher, komfortabler und günstiger werden. Eine Einigung von YouTube mit der Gema ist zumindest in Sichtweite, Facebook arbeitet an einer Kooperation mit Spotify, die den Dienst mit einiger Wahrscheinlichkeit auch endlich nach Deutschland bringen wird, und die Zahl der hierzulande ansässigen Webradios ist auch in diesem Jahr noch einmal um rund 15 Prozent gestiegen. Auch, wer es ganz klassisch mag und Musik am liebsten auf CD, Vinyl oder gar live genießt, für den hält 2012 reichlich bereit.

Wer veröffentlicht neue Platten?

Reichlich Giganten haben für das kommende Jahr neue Alben angekündigt. Ganz vorne dabei: Paul McCartney. Er hat zwar nur Coverversionen einiger seiner Lieblingslieder aufgenommen, doch immerhin haben den Ex-Beatle dabei Größen wie Eric Clapton und Stevie Wonder unterstützt. Das Album mit dem Arbeitstitel My Valentine erscheint am 6. Februar.

Mit Bruce Springsteen hat ein weiterer ganz Großer der Branche einen neuen Longplayer für 2012 angekündigt. Auch Pearl Jam (im Frühjahr) und U2 (Ende des Jahres) versprechen neue CDs. An der Rock-Front stehen noch weitere Giganten-Werke ins Haus: Muse wollen im Oktober ihre neue Scheibe präsentieren, auch Green Day haben ein Album fürs neue Jahr angekündigt. Die Foo Fighters werden zumindest ins Studio gehen – ob ihr achtes Studioalbum aber rechtzeitig fertig wird, um noch im nächsten Jahr zu erscheinen, ist unklar.

Im Herbst will Robbie Williams seine neue CD vorlegen. Ob er seinen Niedergang aufhalten kann? Foto: Emi

Auch auf den Popmarkt wartet neues Material von einigen Großkopferten. Für den Herbst 2012 plant Robbie Williams die Veröffentlichung seines neuen Albums, das derzeit in Los Angeles entsteht. Nach dem Intermezzo bei Take That ist er mindestens ebenso gespannt wie seine Fans: „Vor einer Weile sagte ich, dass das neue Album wie Escapology klingen wird. Ich muss diese Aussage korrigieren: Diese Platte hat mit keiner ihrer Vorgänger Ähnlichkeit. Ich kann die Veröffentlichung kaum erwarten“, sagte Robbie Williams unlängst.

Nicht ganz so lange lässt Madonna auf sich warten: Ihre neue Single Gimme All Your Luvin (mit Nicki Minaj and MIA) kommt schon im Januar raus, danach folgt das Album. Weitere Highlights für das Popjahr 2012: Nelly Furtado will nach dem Erfolg von Loose (2006) nachlegen. Auch das zweite Album der Ting Tings ist längst überfällig und soll nun im Februar erscheinen. Ebenfalls heiß ersehnt: Das Debüt von Senkrechtstarterin Lana Del Rey. Nach dem Erfolg der Single Video Games folgt am 27. Januar das Album namens Born To Die.

Zudem gibt es 2012 einige spektakuläre Comebacks. An erster Stelle zu nennen: die Beach Boys. Nachdem Brian Wilson in der vergangenen Jahren wieder Gefallen an Liveshows gefunden hat, gibt es zum 50. Jubiläum der Band eine Tournee in Originalbesetzung und auch ein neues Album. „Ich vermisse die Jungs, und es wird richtig spannend für mich, mit ihnen eine neue Platte aufzunehmen und auf der Bühne zu stehen“, sagt Brian Wilson. Insgesamt 50 Konzerte ab April sind angekündigt, im August stehen mit Berlin und Stuttgart auch zwei Stationen in Deutschland auf dem Programm.

Auch wieder da: Black Sabbath, inklusive Ozzy Osbourne. Mit Produzent Rick Rubin arbeiten die Hardrock-Pioniere gerade an einem neuen Album, am 4. Juni sind sie in Dortmund live zu erleben. In die Rubrik „Comeback“ fällt auch das neue Werk der Smashing Pumpkins. Oceania soll Anfang des Jahres erscheinen. Frontmann Billy Corgan preist es schon jetzt als „das beste Album seit Mellon Collie“ an. Auch No Doubt geben nach mehr als zehn Jahren wieder ein Lebenszeichen von sich.

Wer ist auf Tour?

Einige der erfolgreichsten Livekünstler dieses Jahres haben sich im Studio eingeschlossen, aber auch auf den Konzertbühnen der Welt herrscht 2012 keine Langeweile. Neben Madonna und Bruce Springsteen, die ihre neuen Platten live präsentieren, und den Rückkehrern Black Sabbath und Beach Boys sind beispielsweise auch Sting (im Februar und März in Deutschland) und Radiohead (die live sogar einige neue Songs spielen wollen) unterwegs. Nicht ganz abwegig ist auch die Vorstellung, dass die Rolling Stones ihr 50. Band-Jubiläum mit einem angemessenen Event feiern werden, auch wenn bisher nichts dergleichen angekündigt ist (Update 3. Januar: «Ich hole die Jungs zusammen und dann schauen wir mal, was passiert. Ich bin nicht Nostradamus, aber wir alle wollen etwas zur großen 5-0 machen», hat Keith Richards gerade durchblicken lassen).

Große Vorfreude herrscht sicher auch auf die Deutschland-Termine von Florence & The Machine, die im März anstehen. Dann sind außerdem auch Culcha Candela auf deutschen Bühnen unterwegs, auch The BossHoss werden im Frühjahr für den einen oder anderen Konzertspaß sorgen.

Was machen die deutschen Künstler?

Wer seine Musik am liebsten aus der Heimat mag, der wird 2012 fürstlich versorgt. „Das Ende ist noch nicht vorbei“, lautet das Motto bei den Ärzten, die im Sommer eine große Tournee planen und zuvor am 13. April 2012 ein neues Studioalbum vorlegen werden. Auch Die Toten Hosen sind 2012 auf Tour – allerdings nur in ausgewählten Wohnzimmern von Fans, und natürlich zum gefühlt vierhundertsten Mal bei Rock am Ring. Ebenfalls bei einigen der großen Festivals zu sehen sind die Sportfreunde Stiller im Sommer – nicht ausgeschlossen, dass sie dabei auch ein paar neue Lieder im Gepäck haben werden.

Lena zum dritten wird es 2012 heißen. Das wird spannend. Foto: Universal/Sandra Ludewig

Gespannt sein darf man auf das neue Werk von Seeed, das für Frühjahr angekündigt ist. Auch Lena will 2012 eine neue Platte herausbringen. Die Frage wird höchst interessant, wie der Weg der Grand-Prix-Siegerin weitergeht. Noch höher hängt die Messlatte für Unheilig nach dem Mega-Erfolg mit Große Freiheit. Am 24. Februar wird es die neue Single So wie du geben, am 16. März folgt das Album Lichter der Stadt, eine Tournee mit 19 Terminen im Sommer rundet die Unheilig-Festspiele ab. Das im Februar 2010 erschienene Große Freiheit tummelt sich derweil noch immer in den Top 40 der deutschen Album-Charts – so ein Dauerbrenner dürfte dann sogar Lady Gaga neidisch machen.

Eine leicht gekürzte Version dieses Artikels mit einer Fotostrecke zum Musikfahrplan 2012 gibt es auch bei news.de.

Hamburg verschenkt den Sieg

Alle hatten dem Revier-Kracher entgegengefiebert, doch das weitaus kurzweiligere Derby lieferten sich Hannover und Hamburg. Der HSV holte ein mehr als verdientes 1:1 (0:0). Bruma und Schlaudraff machten die Tore.

Hamburg war der Rückenwind nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim deutlich anzumerken. Der HSV schien zu Beginn wild entschlossen, gleich den nächsten Dreier folgen zu lassen. Paolo Guerrero zielte nach zwei Minuten knapp daneben, kurz darauf setzte Töre den Ball ebenfalls nur hauchdünn am linken Pfosten vorbei. Auch in puncto Ballbesitz und Zweikämpfe gaben die Gäste zunächst den Ton an.

Hannover brauchte eine Viertelstunde, um sich erstmals gut in Szene zu setzen, hatte dann aber gleich die bis dahin beste Chance des Spiels: Sergio Pinto schickte Jan Schlaudraff, doch der scheiterte im Eins-gegen-Eins-Duell an HSV-Torwart Jaroslav Drobny. Von da an entwickelte sich eine äußerst kurzweilige erste Halbzeit mit vielen Strafraumszenen und Großchancen beinahe im Minutentakt. Drobny konnte sich in der ersten Hälfte noch einige Male auszeichnen, auch sein Gegenüber Ron-Robert Zieler war zur Stelle, als Heung-Min Son nach einer knappen halben Stunde wieder einmal gefährlich für die Gäste zum Abschluss kam.

Nicht nur die vielen Torszenen machten das Nordderby dabei interessant, sondern auch die Rollenverteilung. Die Gäste, als Tabellen-14. am letzten Spieltag erst der Abstiegszone entstiegen, nahmen mutig das Heft in die Hand. Hannover, als Europa-League-Vertreter auf eigenem Platz klarer Favorit, überließ Hamburg oft die Spielanteile und setzte stattdessen auf überfallartige Gegenstöße. Dass es zur Pause 0:0 stand, war bei dieser taktischen Ausrichtung mehr als erstaunlich.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb für die Abwehrreihen auf beiden Seiten Schwerstarbeit angesagt. Gökhan Töre sorgte für Hamburg auf dem linken Flügel immer wieder für viel Wirbel, Pinto leitete wiederholt gefährliche Konter für Hannover ein.

Vielleicht war dieser Dauerstress die Ursache für die Entstehung des ersten Tores: Zieler und Steven Cherundulo waren sich bei einem harmlosen Ball nicht einig, Hannovers Rechtsverteidiger klärte dann sicherheitshalber zur Ecke. Die brachte Töre ins Spiel und in der Mitte machte Jeffrey Bruma mit dem ganz langen Bein das 1:0 für Hamburg (64.). Hannovers Trainer Mirko Slomka wollte Cherundulo keinen Vorwurf machen, sondern hatte im Gespräch mit dem Pay-TV-Sender Sky einen anderen Kritikpunkt: «Der Spieler kann nicht wissen, was in seinem Rücken passiert und muss selbst entscheiden. Aber man muss aus so einer Ecke dann nicht gleich ein Tor kassieren.» Fast unmittelbar darauf hätten die Gäste nach einer weiteren Ecke nachlegen können, doch Westermanns wuchtigen Kopfball klärte Schmiedebach auf der Linie.

Das 1:0 verlieh dem HSV noch mehr Zuversicht, Hannover kam nach dem Rückstand kaum mehr zu konstruktivem Spiel. Erst ein Freistoß von Christian Pander, den Drobny noch um den Pfosten lenken konnte, sorgte wieder für ein Lebenszeichen der Niedersachsen (79.). Die folgende Ecke nutzte Hannover zum egalisieren: Pinto schlenzte auf Schlaudraff, der den Ball am Strafraumeck volley nahm und den herrlichen Ausgleichstreffer markierte. Für den 96-Stürmer war es das erste Bundesliga-Tor nach einer 1014 Minuten währenden Flaute.

Rincon, noch immer ohne Tor in der Liga, wollte es ihm kurz vor Schluss auf der Gegenseite gleich tun, als er von Töre geschickt wurde und den Ball aus spitzem Winkel mit vollem Risiko nahm. Es kam aber nur ein Luftloch dabei heraus. So verschenkte Hamburg letztlich zwei Punkte – und die Chance, mit einem durchaus möglichen Sieg in der Tabelle bis auf Platz 11 zu springen. Hannover hingegen ist im Abwärtstrend. Seit vier Spielen warten die 96er auf einen Sieg.

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Dortmund dominiert das Derby

Von Spaß war oft die Rede vor dem Duell zwischen Dortmund und Schalke. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke begründete seine kleinen Sticheleien in Richtung Gelsenkirchen vor dem Spiel damit, dass man «im Fußball auch mal einen kleinen Spaß machen darf». Schalke-Trainer Huub Stevens riet seinen Spielern, dem Druck vor dem Spitzenspiel am besten dadurch zu begegnen, dass sie mit dem Ziel in die Partie gehen sollten, «auch ein bisschen Spaß zu haben».

Wirklich prächtig amüsiert hat sich während dieser 90 Bundesliga-Minuten aber wahrscheinlich nur einer: Jürgen Klopp. Dortmunds Trainer erlebte einen ebenso engagierten wie disziplinierten und souveränen Auftritt seiner Mannschaft. Dortmund siegte am Ende völlig verdient mit 2:0 (1:0) und setzt sich damit vorerst an die Tabellenspitze der Bundesliga. (Wie die weiteren vier Partien am Nachmittag endeten, lesen Sie hier.) «Die Jungs haben rotzfrech gespielt. Und das ist nach solch einer physisch und psychisch anspruchsvollen Woche nicht selbstverständlich», lobte Klopp in der Pressekonferenz.

Für sein Gegenüber Stevens und die gesamte Schalker Fraktion war es hingegen ein ernüchternder Nachmittag. Die Knappen bekamen klar die Grenzen aufgezeigt und müssen nun mindestens bis zum Rückspiel im April 2012 mit der Schmach der Niederlage im Revierderby leben.

Für die mehr als 80.000 Zuschauer in Dortmund, die bei den letzten drei Heimspielen insgesamt 14 BVB-Tore erlebt hatten, war es diesmal hingegen kein Spektakel. Das lag vor allem am enttäuschenden Auftritt der Gäste. Schalke schaffte es in der gesamten ersten Halbzeit nicht, sich eine Torchance zu erspielen. Über weite Phasen kam bei den übernervös wirkenden «Knappen» nicht einmal im Ansatz Gefahr auf, auch die wenigen aussichtsreichen Standardsituationen wurden leichtfertig vergeben.

Beinahe wirkte es, als hätte Schalke noch die Niederlage unter der Woche in einem wichtigen Champions-League-Spiel in den Knochen, dabei musste doch der BVB eine 1:2-Schlappe bei Arsenal hinnehmen. Klopp stellte im Vergleich zum Mittwoch auf drei Positionen um: Für den verletzten Sven Bender kam Moritz Leitner ins Spiel. Statt Kevin Großkreutz spielte Mario Götze diesmal auf links, Jakub Blaszczykowski durfte dafür auf rechts ran. Shinji Kagawa musste ebenfalls auf der Bank bleiben. Seine Position übernahm Robert Lewandowski, ganz vorne feierte Lucas Barrios dafür sein Startelf-Debüt in dieser Saison.

Keiner der drei Neuen konnte sich in der ersten Hälfte besonders gut in Szene setzen. Leitner leistete sich einige Flüchtigkeitsfehler, Barrios war zweikampfschwach und hatte wenig Präsenz. Blaszczykowski war immerhin ein Aktivposten und entscheidend an der Dortmunder Führung beteiligt: Nachdem Christian Schulz ihn am rechten Flügel gefoult hatte, gab es Freistoß für Dortmund. Schmelzers Flanke verwertete Lewandowski in der Mitte per Kopf zum 1:0 (16.).

Zu diesem Zeitpunkt waren die Schwarz-Gelben längst Herr im Haus. Ein Schmelzer-Freistoß (2.) hätte den BVB in Front bringen können, auch Blaszczykowski (7.) und Barrios (12.) hatten gute Chancen. Nach der Führung hatte Dortmund erst recht alles im Griff. Götze vergab die beste Gelegenheit zum 2:0, als er nach Flanke von Blaszczykowski und einem Fehler von Kyriakos Papadopoulus aus fünf Metern an Schalke-Keeper Lars Unnerstall scheiterte (29.).

«Viel zu viele Spieler hatten nicht das Niveau, das sie normalerweise haben. In der ersten Halbzeit war es wie eine Erwachsenen- gegen eine Schüler-Mannschaft. Das ist zu wenig, dann kann man hier nicht bestehen», schimpfte Stevens nach dem Spiel.

Doch auch nach dem Seitenwechsel dominierte Dortmund. Schalke kam zwar etwas entschlossener aus der Kabine. Doch die kurze Drangphase entpuppte sich als Strohfeuer. Der Außennetztreffer von Lewis Holtby (53.) und ein Fernschuss von Papadopoulus (88.) blieben die einzigen halbwegs gefährlichen Szenen. Auch die frühe Einwechslung von Teemu Pukki als weiterem Stürmer verpuffte.

Spätestens nach dem 2:0 hatten die Schalker das Spiel dann wohl abgehakt. Mats Hummels legte nach einer guten Stunde per Kopf für Barrios auf, der schoss aber Unnerstall an. Den Abpraller verwandelte Felipe Santana überlegt.

Höhepunkte waren danach auch in der zweiten Hälfte rar: Barrios vergab noch zwei Hochkaräter nach Vorbereitung von Lewandowski (73.) und des eingewechselten Kagawa (78.). Unnerstall sorgte kurz vor Schluss mit einem klasse Reflex gegen Lewandowski dafür, dass die Niederlage nicht noch deutlicher ausfiel. Am meisten Aufregung gab es noch, als die Schalker Fans mit Pyrotechnik auf den Tribünen für kurze Unterbrechungen des Spiels sorgten und als es nach einem bösen Foul von Atsuto Uchida an Götze kurz nach dem 2:0 zur Rudelbildung kam.

Spaß hatte nach dem Abpfiff das Dortmunder Team, das fast geschlossen den Zaun an der Südtribüne erklomm, um mit den Anhängern zu feiern. Und bei den Fans des BVB dürfte noch ein besonderes Detail für gute Laune sorgen: In der Revierderby-Bilanz der Bundesliga führt Dortmund nun mit 28:27 gegen Schalke.

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Die Liebhaberin

Ein neckisches Zwinkern: So viel Temperament wie die Giulietta hat sonst kein Auto in der Kompaktklasse.

Ein neckisches Zwinkern: So viel Temperament wie die Giulietta hat sonst kein Auto in der Kompaktklasse.

Verbrauch, Verarbeitung, Verhalten bei nasser Fahrbahn – all das mag bei einem Auto wichtig sein. Aber nicht bei einem Alfa Romeo. Wer zu dieser Marke gehört, der ist eitler Verführer, gewiefter Casanova, leidenschaftlicher Liebhaber. Hier geht es um Eleganz, Esprit, Erotik. Vor allem aber: Italianità. Dass er aus einem Land kommt, in dem Autos nicht im Windkanal (sondern im Künstleratelier) entworfen, nicht mit dem Taschenrechner (sondern mit dem Herzen) gebaut und nicht mit dem Wackeldackel im Heckfenster (sondern mit Designeranzug und Sonnenbrille) gefahren werden – das muss man einem Alfa Romeo sofort ansehen.

Erst recht, wenn dieser Alfa auch noch Giulietta heißt. Diesen Namen trug in den 1950er Jahren schon der erste Alfa Romeo, der in Großserie hergestellt wurde. Das Modell wurde in Italien zur Legende, denn es war nicht nur ein Auto, das alle haben wollten, sondern auch der erste Alfa, den sich viele leisten konnten.

Die Neuauflage der Giulietta macht diesem ruhmreichen Vorfahren unbedingt Ehre. Wer Italianità will, der wird hier bestens bedient: Der Sound kündet vom Temperament des Autos, das Design mit der ansteigenden Fensterlinie, dem markanten Scudetto in der Frontansicht und dem wunderschön gestalteten Heck begeistert auf Anhieb. Das mag man bei einem Alfa Romeo nicht allzu außergewöhnlich finden. Stellt man die Giulietta aber neben ihre unmittelbaren Konkurrenten wie Golf, Astra oder Focus, dann sehen die sofort noch ein bisschen blasser aus als ohnehin schon.

Auch innen wird man leicht zum Freund des Kompakten aus dem Alfa-Werk in Piedimonte San Germano, denn hier zeigt sich viel Liebe zum Detail. Die markanten Kippschalter (wie im Supersportwagen 8C Competizione) mittig auf dem Armaturenbrett erinnern an ein Flugzeugcockpit, das Dreispeichenlenkrad möchte man gar nicht mehr loslassen, viel Aluminium sorgt für sportliches Flair. Die Optik verspricht nicht zu viel: Wendig, spritzig, leicht – so fährt sich die Giulietta auch.

Es gibt wenig, was die Begeisterung trüben könnte: Das Heckfenster ist so klein, dass man sich beim Einparken gelegentlich auf die eigene italienische Gelassenheit verlassen muss. Die Bedienung des Navigationssystems samt Radio ist viel zu kompliziert geraten. Und die versteckten Türgriffe hinten (und der nicht existente Griff für die Kofferraumklappe) sind die einzigen Fälle, in denen das Primat des Designs auf Kosten der Praxistauglichkeit ging.

Wer sich nicht mit dem Gewöhnlichen begnügen will, der wird all das gerne in Kauf nehmen. Zumal die Giulietta auch für Kopfmenschen einige Reize zu bieten hat. Beim Verbrauch steht bei leidenschaftlichem Gasfuß eine 8 vor dem Komma, doch wer sich auf eine nicht allzu heiße Zweisamkeit mit der Giuletta einlässt, kommt dank Start-Stopp-Automatik und Schaltpunktanzeige auch locker mit 6 Litern hin. Bei der Verarbeitung erweist sich nicht alles als hochwertig, aber zumindest als solide – und auf jeden Fall viel besser als der Ruf, der Alfa Romeo aus längst vergangenen Klappertagen mitunter noch anhaftet.

Auch das Verhalten bei nasser Fahrbahn stimmt. Serienmäßig hat die Giulietta den DNA-Schalter mit den drei Stufen Dynamik, Normal und Allwetter an Bord. Die Auswahl passt die Modifikationen von Motor, Lenkung oder ESP im Handumdrehen dem Fahrstil an – oder dem, was Straße und Verkehr gerade erlauben. Sollte doch einmal etwas schief gehen, muss man sich auch nicht allzu sehr sorgen: Im Euro-NCAP-Test hat sich die Giulietta als Europas sicherster Kompaktwagen erwiesen. Spätestens damit beweist Alfa Romeo: Die Giulietta hat ihre Insassen genauso lieb wie die Fahrer dieses Auto haben werden.

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Die Schreie der Mädchen aus Afrika

Dafina Steger (Florence Kasumba) will im Tatort ihre Tochter beschneiden lassen.

Dafina Steger (Florence Kasumba) will im Tatort ihre Tochter beschneiden lassen.

«Haben Sie jemals diese Schreie gehört?», fragt der Arzt Werner Großmann die Kommissare. «Die Schreie der afrikanischen Mädchen, nachts in ihren Hütten, wenn sie von ihren Müttern festgehalten werden und ihnen mit stumpfen, rostigen Messern die Klitoris herausgeschnitten wird? Ihnen die Vagina zugenäht wird?» Er kann den Ermittlern dabei nicht ins Gesicht blicken, sondern bloß aus dem Fenster schauen, ins Nichts, mit dem Rücken zu den Polizisten.

Die Szene verdeutlicht gut, wie heikel das Problem ist, das der Tatort aus Ludwigshafen am Sonntagabend thematisierte: Genitalverstümmelung. Die Kommissare Lena Odenthal und Mario Kopper untersuchten den Tod einer Lehrerin, und die Spur führte zu einer Hilfsorganisation für Afrika. Dr. Großmann (Stephan Schwartz) engagiert sich in dem Verein, und er war auch lange in Afrika im Einsatz, um Bürgerkriegsflüchtlingen zu helfen. Immer wieder wurde er dabei mit Genitalverstümmelung konfrontiert, die er schließlich so grausam fand, dass er die Operation selbst vornahm, um den Mädchen wenigstens die Schmerzen der brutalen Prozedur zu ersparen. «Ich habe diese Schreie gehört», versucht er sein Handeln zu rechtfertigen.

Der Eingriff, der oft ohne Narkose vorgenommen wird, reicht von der Abtrennung der Klitorisvorhaut bis zu deren Entfernung gemeinsam mit den kleinen Schamlippen. In manchen Ländern werden auch die großen Schamlippen beschnitten und anschließend mit Dornen, Nadeln und Fäden verschlossen. Ein Viertel aller Mädchen stirbt an den unmittelbaren und langfristigen Folgen der Genitalverstümmelung, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Wer überlebt, erleidet unerträgliche Schmerzen, und keines der Mädchen kann später Lust beim Sex empfinden.

In letzter Minute können die Kommissare im Tatort verhindern, dass ein kleines Mädchen, das mit seiner Mutter aus Somalia nach Deutschland geflohen war, sich dem «grausamen Ritual» unterziehen muss, wie Ulrike Folkerts als Lena Odenthal die Operation nennt. Aber ist so etwas wirklich denkbar? Genitalverstümmelung, mitten in Deutschland?

Ja. Nach Schätzungen der WHO leben weltweit rund 130 Millionen Frauen mit verstümmelten Genitalien. In Deutschland sind es 20.000, schätzt die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes. Die  «Taskforce für die effektive Prävention von Genitalverstümmelung» geht sogar von 40.000 aus. Oft sind die Frauen aus afrikanischen Ländern nach Deutschland eingewandert. Aber auch Mädchen, die schon hier leben, sind in Gefahr – wie das fiktive Mädchen im Tatort aus Ludwigshafen.

Viele Mädchen werden im Alter zwischen vier und zwölf Jahren zur Beschneidung nach Afrika gebracht. Teilweise werden auch Beschneiderinnen nach Deutschland eingeflogen. Wenn der Eingriff in Deutschland vorgenommen wird, gilt das als gefährliche Körperverletzung und ist strafbar. Oftmals kommt es aber nicht zu einem Verfahren, weil die meist Minderjährigen ihre Eltern nicht anzeigen oder gar nicht wissen, dass Genitalverstümmelungen etwas Unnormales sind. Wenn sie dann erkennen, was ihnen angetan wurde, ist die Tat oft bereits verjährt.

Die weibliche Beschneidung geht nicht auf religiöse Vorschriften zurück, sondern ist kulturell begründet. «Vor allem auf dem Land fürchten Familien immer noch, aus der Gesellschaft ausgestoßen zu werden oder keinen Mann für die Tochter zu finden, wenn diese nicht beschnitten ist», erklärt Franziska Gruber, die bei Terre des Femmes im Referat Genitalverstümmelung arbeitet. Obwohl die Beschneidung von Mädchen auch in den meisten afrikanischen Ländern längst verboten ist, wird weltweit weiterhin alle elf Sekunden ein Mädchen an den Genitalien verstümmelt. Sudan, Somalia, Ägypten und Äthiopien sind nur einige der Länder, in denen der grausame Eingriff weiterhin üblich ist.

«Äthiopische Eltern lieben ihre Kinder genauso wie alle Eltern auf der Welt und wollen ihnen die beste Erziehung und Ratschläge mitgeben, damit sie in der Gesellschaft respektiert und akzeptiert werden. Die Beschneidung war eine traditionelle Pflicht und eine der Voraussetzungen für die gesellschaftliche Anerkennung junger Mädchen», sagt Almaz Böhm. Die Ehefrau von Karlheinz Böhm setzt sich in der Organisation «Menschen für Menschen» gegen die Genitalverstümmelung ein.

Auch andere Prominente versuchen, mehr Aufmerksamkeit für das Problem zu schaffen. Schauspielerin Nina Hoss wurde während der Dreharbeiten zum Film Die weiße Massai mit der Praxis der Genitalverstümmelung konfrontiert. «Es hat mich erschüttert zu sehen, wie sich die jungen Mädchen auf ihre Beschneidung freuen», erzählte sie vor einigen Jahren in der Zeit. Der Eingriff ist für sie «eines der schlimmsten Verbrechen, die im Namen der so genannten Ehre auf dieser Erde geschehen».

Die nach wie vor prominenteste Kämpferin gegen Genitalverstümmelung ist das ehemalige somalische Topmodel Waris Dirie. Sie wurde als Mädchen selbst Opfer dieses Eingriffs und sorgte mit ihrem Buch Wüstenblume und seitdem als UN-Sonderbotschafterin dafür, dass das Thema in die Öffentlichkeit kommt und sogar in einem Sonntagabendkrimi wie dem Tatort auftaucht. Am Ziel sieht sich Waris Dirie aber noch lange nicht: «Das Problem ist, dass die Politiker einen Scheißdreck dagegen unternehmen. Sie interessieren sich einfach nicht dafür. Einfach deswegen, weil es ein weibliches Problem ist. Dabei haben alle Politiker eine Mutter, eine Frau oder eine Tochter. Ich verstehe das nicht. Ich finde das sehr frustrierend. Es macht mich traurig, dass sich so wenig verändert und dass ich nach zehn Jahren immer noch hier sitze und über dasselbe Thema spreche. Die Welt weiß, dass diese Verstümmelungen falsch sind und doch passiert nicht viel – ich verstehe nicht, warum die Welt dabei nur zuschaut.»

Diesen Artikel gibt es mit einer Fotostrecke zum Tatort aus Ludwigshafen auch bei news.de.

Wie Bier und Bundesliga zusammenhängen

Schalke ist Veltins - Schalke ist Veltins. So heißt hier die Botschaft. 30.000 Liter Bier werden pro Spiel in der Veltins-Arena verkauft. Foto: obs/Brauerei Veltins

Schalke ist Veltins - Schalke ist Veltins. So heißt hier die Botschaft. 30.000 Liter Bier werden pro Spiel in der Veltins-Arena verkauft. Foto: obs/Brauerei Veltins

«Bier und Fußball – das hat eine lange Tradition und gehört einfach zusammen.» Das sagt Marc-Oliver Huhnholz, Pressesprecher beim Deutschen Brauerbund. Und wer will ihm widersprechen? Der FC Schalke spielt in der Veltins-Arena, im Leverkusener Stadion gibt es eine Bitburger-Tribüne und die Spieler aus Mönchengladbach liefen noch bis vor kurzem mit einer Jever-Werbung auf der Brust herum.

Bier ist nicht nur für die Fans ein wichtiger Bestandteil des Fußball-Erlebnisses. Es ist auch für die Vereine zu einem riesigen Geschäft geworden. Heineken ist seit 1994 offizieller Partner der Champions League und überweist dafür pro Saison 40 Millionen Euro an die Uefa. Die Bundesliga kooperiert seit 2009 mit Krombacher, was der Brauerei aus dem Siegerland laut Schätzungen der Zeitschrift Sponsors rund 5 Millionen Euro pro Saison wert ist. Bitburger lässt einen ähnlich hohen Betrag springen, um den DFB-Pokal und die deutsche Nationalmannschaft sponsern zu dürfen. Und in der Bundesliga zahlen die Brauereien pro Spielzeit gerne sechsstellige Beträge für die Ausschankrechte.

Das Erstaunliche daran: Bier ist in der Bundesliga eigentlich verboten. «Der Verkauf und die öffentliche Abgabe von alkoholischen Getränken sind vor und während des Spiels innerhalb des gesamten umfriedeten Geländes der Platzanlage grundsätzlich untersagt», heißt es unmissverständlich in Paragraf 23, Absatz 1 der DFB-Sicherheitsrichtlinie. Nur mit einer Ausnahmeregelung dürfen alkoholische Getränke verkauft werden – doch diese Ausnahme ist längst zur Regel geworden.

Nur bei sogenannten Risikospielen, wenn Gewalt zwischen den Fans zu befürchten ist, herrscht tatsächlich striktes Alkoholverbot. Ansonsten darf gerne zum Bier gegriffen werden. Welche Marke die Fans vorgesetzt bekommen, bestimmt der Verein, erklärt Gerald Rosendahl, Leiter Sport-, Freizeit- und Messegastronomie beim Catering-Branchenriesen Aramark, der in sechs Erstliga-Stadien die Fan-Verköstigung besorgt. Bitburger ist in drei Stadien vertreten und damit derzeit Bundesliga-Marktführer, lokale Marken kommen eher selten zum Zug. Marc-Oliver Huhnholz findet das nicht verwunderlich: «Kleinere Brauereien haben meist gar nicht die finanziellen Möglichkeiten für eine Präsenz in der Bundesliga. Die sind dafür aber in den unteren Ligen sehr stark vertreten. Ohne das Engagement von Brauereien und anderen wäre Fußball als Breitensport gar nicht mehr möglich.»

Auch für die Bundesligaklubs hängt eine Menge Geld am Gerstensaft. Im Schnitt erlösen die Erstligisten etwa ein Fünftel ihrer Einnahmen im Bereich Tickets, Logen und Catering. Pro Klub und Saison macht das im Durchschnitt 21 Millionen Euro, und der Bierdurst der Fans hat daran einen nicht unerheblichen Anteil. «In einem Stadion, das rund 40.000 Besucher fasst, werden an einem Spieltag zwischen 7000 und 8000 Liter Bier konsumiert», erkärt Ute Doering vom Catering-Spezialist Eurest Sports & Food, der etwa für die Versorgung der Fans in den Bundesligastadien von Bremen und Hoffenheim zuständig ist. Anderswo sind die Fans noch durstiger: 10.000 Liter fließen in Wolfsburg pro Spiel aus den Zapfhähnen, 16.000 Liter im Gladbacher Borussia-Park, 17.000 Liter beim 1. FC Köln. Ganz vorne im Ranking macht die Veltins-Arena ihrem Namen alle Ehre: 30.000 Liter pro Spiel stillen den Durst der Fans auf Schalke.

Bei Literpreisen um die acht Euro und hochgerechnet auf eine Saison werden pro Stadion somit bis zu vier Millionen Euro mit Bier verdient. Damit lässt sich schon das eine oder andere Spielergehalt finanzieren.

Dazu kommen die saftigen Einnahmen durch die Brauereien als Werbepartner im Fußball. Mehr als 350 Millionen Euro investierten die Bierproduzenten im Jahr 2009 ins Sponsoring, «wobei das Gros der Aufwendungen vermutlich im Bereich des Sportes und hier insbesondere in den des Fußballs geflossen ist», schätzt Brauer-Sprecher Huhnholz. Knapp zehn Prozent der Werbe-Elemente in den Stadien, die im für die Fernsehkameras sichtbaren Bereich stehen, werden von Unternehmen aus der Getränkebranche belegt, hat eine Sponsors-Erhebung gezeigt. Nur drei andere Branchen sind stärker vertreten.

Getränke meint dabei im Kontext Fußball in der Regel: Bier. Der Bieranteil am gesamten Getränkeumsatz liegt in den Stadien zwischen 50 und 75 Prozent, heißt es von Eurest Sports & Food. Alkoholfreies Bier ist dabei kaum gefragt: Bei der TSG Hoffenheim wurde der Verkauf «mangels Nachfrage» eingestellt. Auch in Köln und Dortmund wird kein Null-Promille-Bier angeboten. Bei Hertha BSC Berlin gibt es alkoholfreies Bier nicht an den üblichen Kiosken, sondern nur in einem einzelnen Fan-Restaurant. Ein unlängst gefordertes generelles Alkoholverbot in den Bundesliga-Stadien würde also nicht nur die Brauereien hart treffen, sondern auch die Erlöse der Klubs beträchtlich reduzieren.

Ein Engagement in der Bundesliga ist für die Brauereien nicht nur wegen der Ausschankrechte lukrativ. In der Regel sind mit einem Vertrag auch exklusive Werbeplätze und andere Gegenleistungen verbunden. Zudem sind die Fußballklubs treue Geschäftspartner: Im Bremer Weserstadion wird seit Beginn der Bundesliga im Jahr 1963 Haake Beck ausgeschenkt. Bei Hamburger SV fließt sogar schon seit den 1930er Jahren Holsten aus den Zapfhähnen. Karlsberg kooperiert seit mehr als 30 Jahren mit dem 1. FC Kaiserslautern – dank der Einnahmen der jüngsten Vertragsverlängerung konnten am Betzenberg die Preise für die Dauerkarten auf der Westtribüne stabil gehalten werden.

Mehr als 8000 Arbeitsplätze hängen vom Catering in der Bundesliga ab, und besonders laut klingelt es in der Kasse, wenn es auch sportlich rund läuft. Frustsaufen ist in der Bundesliga nicht angesagt. «Wenn das Spiel für den heimischen Verein gut läuft und dieser siegt, wird in der Regel auch mehr Bier konsumiert. Das gilt auch für den Verlauf der Saison insgesamt: Wenn es viel zu feiern gibt, wird auch mehr getrunken», erklärt Ute Doering von Eurest Sports & Food. Man darf also sicher sein, dass in der vergangenen Saison im Signal-Iduna-Park reichlich angestoßen wurde auf den Deutschen Meister: Bierussia Dortmund.

So aufwändig wirbt Bitburger mit der Nationalmannschaft:

Diesen Text samt einer Übersicht, welches Bier es in welchem Stadion zu welchem Preis gibt, und einer Fotostrecke mit weiteren Fakten zum Thema Bier und Bundesliga gibt es auch bei news.de.

Béla Réthy im Reportercheck

Länderspiele gegen Polen und viel zu viel Regen? Da war doch was! Genau: 1974 sorgte eine Sintflut für die legendäre Wasserschlacht im Frankfurter Waldstadion. Am Ende war Müller der Retter für Deutschland – und die Mannschaft zog ins WM-Finale ein.

Diesmal hat der heftige Niederschlag einen Übertragungswagen des ZDF geflutet. Weil sich Strom und strömender Regen nicht so gut vertragen, gab es gegen Mittag einen Kurzschluss, der das teure Gefährt in Brand setzte. Ein interessantes Länderspiel aus Danzig wurde trotzdem gezeigt. Am Ende war Müller der Retter für Deutschland – und die DFB-Elf bleibt unter Bundestrainer Joachim Löw auswärts weiter ungeschlagen.

Vor dem Anpfiff im EM-Stadion in Danzig zeigt das ZDF dramatische Bilder vom ausgebrannten Ü-Wagen. Qualm steigt auf, die Feuerwehr stürzt sich wagemutig in die Gefahr – fast meint man, versehentlich in eine 9/11-Doku geraten zu sein. Ein verschmortes Pult, das einst für die Tonregie benutzt wurde, sieht hingegen so aus, als hätte Axl Rose einen Ausraster bei seinen ausufernden Plattenaufnahmen gehabt. Oder war gar Rolf Töpperwien samt einer Flasche Strohrum in der Nähe?

Kurz darauf sind dann aber wieder Experte Oliver Kahn und Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein im Bild. Nach dem Feuer in Danzig sind sie in Rekordgeschwindigkeit ins Studio nach Mainz zurückgekehrt (nicht umsonst trägt die Moderatorin die Initialen KMH), wo sie nun mit Bildern von prügelnden Hooligans und unfertigen Autobahnen ein paar Polen-Klischees nähren dürfen. Müller-Hohenstein erklärt das ZDF dank des spontanen Ortswechsels zur «Zentrale der Flexibilität». Kahn benutzt derweil Begriffe wie «self fulfilling prophecy» und spricht wie immer: als hätte er die Weisheit mit Löffeln gefressen, und als erkläre er dieses schwierige Spiel mit den 22 Männern in kurzen Hosen einem Millionenpublikum aus Dreijährigen.

Kommentator Béla Réthy trägt danach zumindest teilweise zum Gelingen dieses Fußballabends bei. Eigentlich ist seine Leistung ähnlich wie die der deutschen Mannschaft: solide, mit etwas Spielfreude, aber einigen Konzentrationsschwächen.

Als sich der Anpfiff um einige Minuten nach hinten verschiebt und dann auch noch zwei polnische Spieler geehrt werden, die nichts mit dieser Partie zu tun haben, ist er zwar einigermaßen ratlos. Aber dann findet Réthy seinen Rhythmus, widmet sich kurz den üblichen Verdächtigen Piszczek, Klose und Podolski, liefert ein paar Hintergründe zum polnischen Trainer und schildert das Geschehen, das nicht im Bild zu sehen ist. Réthy verliert sich erfreulicherweise nicht ständig in Einzelkritik und versucht auch nicht, die unansehnliche zweite Hälfte schönzureden.

Als Deutschland in Rückstand gerät, analysiert er treffend, das Gegentor sei «weniger eine Frage von Qualität als von Passivität» gewesen. Mit dem schönen Gegensatz «Spielt er das Personal ein, oder spielt er das System ein?», fasst er gekonnt das Dilemma des Bundestrainers in den weiteren Spielen bis zur Europameisterschaft zusammen. Und als Schürrle eine Viertelstunde vor Schluss mit links abzieht und nur den Pfosten trifft, wird Béla Réthy sogar kurz emotional: «Boah! Was ein herrlicher Schuss!»

[/textgallery] Genau wie die deutsche Elf leistet sich Réthy aber den einen oder anderen Aussetzer. «Die deutsche Mannschaft steht sehr tief – hoch, würde man im Fachjargon sagen», verhaspelt er sich in der Anfangsphase. «Wiese wird zum ersten Mal aktiver», lautet sein Fehlurteil, als der Torhüter nach 16 Minuten rettet, nachdem er bereits vorher eine Großchance von Peszko vereitelt hatte.

Später muss für die großen Erfolge der Polen in den 1970er Jahren ausgerechnet der dritte Platz bei der EM 1982 herhalten. Kurz vor der Pause sieht der Kommentator sogar eine Großchance von Piszczek, obwohl er doch zuvor erklärt hatte, warum der Dortmunder bis auf Weiteres nicht zum polnischen Kader gehört. Und den Strafstoß, der Polen das 2:1 kurz vor Schluss ermöglicht, kreidet er erst dem «riskanten Spiel des Bremer Schlussmanns» an, um zwei Minuten später «relativ sicher» zu sein, dass man Tim Wiese nicht für den Gegentreffer verantwortlich machen sollte.

Das hat Béla Réthy wohl gemeint, als er einst die Stärken seines ehemaligen Chefs Marcel Reif lobte: «Ironie, Süffisanz und dabei eine hohe Sprachkultur, das war für mich schon vorbildlich.»

Diesen Text samt einer Fotostrecke mit der deutschen Mannschaft in der Einzelkritik und einer Textstrecke mit den besten Sprüchen zum Spiel gibt es auch bei news.de.

Das hat sich gewaschen

Was man in Deutschland als Axe-Effekt kennt, heißt in Bournemouth: Lynx. Foto: obs/AXE/Unilever Deutschland

Was man in Deutschland als Axe-Effekt kennt, heißt in Bournemouth: Lynx. Foto: obs/AXE/Unilever Deutschland

Wenn Duschen plötzlich in den Schlagzeilen auftauchen, dann verheißt das in der Regel nichts Gutes. In der Dusche brach im Februar Awal Gul zusammen, der als siebter toter Häftling von Guantanamo in die Annalen eingeht. Hollywoodstar Brittany Murphy wurde im Dezember 2009 ebenfalls tot in ihrer Dusche aufgefunden. Und unlängst sorgte ein Schornsteinfeger aus Saarbrücken für Aufsehen, der einige seiner Mitarbeiterinnen heimlich beim Duschen gefilmt haben sollund nun wegen Voyeurismus angeklagt ist.

Auch sonst kommt die Dusche normalerweise nicht gut weg, wenn sie uns in den Medien begegnet. Im Kino reicht es im besten Falle zu heißen Sexszenen mit Richard Gere und Valerie Kaprisky wie in Atemlos, im schlimmsten Falle fließt am Ende Blut in den Abfluss wie im Hitchcock-Klassiker Psycho. Und bei der berühmten Bierdusche im Fußball, seien wir ehrlich, jubeln am Ende doch auch immer die Falschen.

Umso schöner, dass es jetzt endlich einmal rundum positive Dusch-Nachrichten gibt. Und zwar aus Bournemouth, laut einer Umfrage aus dem Jahr 2007 der «glücklichste Ort Großbritanniens». Dort wurden gerade junge Engländer an die Freuden der Körperpflege herangeführt – und mit einem Eintrag im Guinness Buch der Rekorde belohnt. Nicht etwa, weil sie besonders gründlich, lange oder kalt geduscht hätten. Sondern weil noch nie zuvor so viele Menschen gemeinsam unter einer Dusche standen. 152 junge Menschen in sexy Bikinis und Badeshorts waren es am Ende – der bisherige Rekord, der in den USA aufgestellt worden war, lag bei 145 Gemeinsamduschern.

Für den Weltrekord im Gruppenduschen wurde am Strand von Bournemouth extra eine sechs Meter hohe Spezialdusche errichtet. Die Idee dazu kam vom Duschgelhersteller Lynx, in Deutschland unter dem Namen Axe auf dem Markt. Der schickte auch gleich einige Models in den Süden Englands, die dann die Touristen am Strand zum gemeinsamen Duschen einluden. Ein DJ sorgte für die passende Party-Atmosphäre. Sogar Petrus spielte mit, freute sich Ashleigh Kane, einer der Organisatoren, im Gespräch mit dem Bournemouth Daily Echo: «Das Wetter war erstaunlich gut, und als wir anfingen, kam sogar die Sonne raus. Es war ein fantastischer Tag.»

Am Ende gab es den wahrscheinlich saubersten Weltrekord der Welt. «Ich kann den Menschen von Bournemouth nur applaudieren. Zur Belohnung können sie jetzt von sich behaupten, dass sie den aktuellen Rekord im Gruppen-Duschen halten», sagte Anna Orford, offizielle Repräsentantin des Rekord-Buches.

Eine bloß imaginäre Auszeichnung sollte den 152 Duschern aus Bournemouth obendrein noch zuteil werden: Sie haben der Umwelt einen großen Gefallen getan. Denn pro Tag verbraucht beispielsweise jeder Deutsche 121 Liter Wasser. Gut ein Drittel davon geht für Waschen und Duschen drauf (das ist übrigens ungefähr so viel wie für Toilettenspülung und Geschirrspülen zusammen). Bei 152 Menschen kommen da fast 7000 Liter zusammen. Die Massendusche in Bournemouth dürfte deutlich sparsamer gewesen sein. Da kann man nur sagen: saubere Sache!

Diesen Artikel gibt samt einer Fotostrecke mit den schönsten Bildern vom Massenduschen auch bei news.de.

Das Video vom Weltrekord in Bournemouth: