Wooden Shjips – „V“


Künstler Wooden Shjips

Wooden Shjips V Review Kritik

„Widerstand durch Chillen“ könnte das Motto für „V“ sein.

Album V
Label Thrill Jockey
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Als hätte man Räucherstäbchen in Musik verwandelt. So klingt In The Fall, das zweite Lied auf dieser Platte. Das Schlagzeug bleibt abstrakt, auch der Bass gönnt sich viele Freiheiten, dazu gibt es nur ein paar Zeilen Text. So klingt, möchte man behaupten, vielleicht sogar die gesamte Karriere von Wooden Shjips, die mit dem morgen erscheinenden V ihr fünftes Album vorlegen. Psychedelic ist für Ripley Johnson, Omar Ahsanuddin, Dusty Jermier und Nash Whalen nicht nur ein Musikgenre, sondern eine Geisteshaltung.

Nie war das klarer als hier. Das V im Albumtitel ist nicht nur die Nummerierung innerhalb der eigenen Diskographie als römische Zahl, sondern steht, wie das Cover unschwer erkennen lässt, vielmehr für das Victory- und Friedenszeichen. Fast könnte man hier das Prinzip von „Widerstand durch Chillen“ erkennen, auch wenn diese politische Botschaft eher subtil zum Ausdruck gebracht wird. Ein Unbehagen mit den Zuständen war aber in jedem Fall unverkennbar, als Wooden Shjips sich im Sommer 2017 im Types Foundry Studio in Portland ans Werk machten, um einen Nachfolger für das vier Jahre zuvor erschienene Back To Land zu machen.

„Außerhalb von Portland gab es riesige Waldbrände, die Stadt war in Asche gehüllt“, erinnert sich Frontmann Riples Johnson. „Ich saß jeden Abend auf meiner Veranda und habe zugesehen, wie die Asche herabrieselte, wie Schnee. Der Himmel sah aus, als würde er brennen. Es fühlte sich wie die Apokalypse an. Der Sommer ist in Portland normalerweise kühl und wunderschön, wir hatten uns auch vorgenommen, eine sonnige Platte zu machen. Aber die Welt da draußen hat sich immer wieder in meine Gedanken gedrängt.“

Dieses Gefühl hört man beispielsweise Already Gone sehr deutlich an: Nicht nur wegen der akustischen Gitarre und des Hangs zum Plakativen hat das eine Ähnlichkeit mit den Dandy Warhols und entwickelt eine Gemütlichkeit, bei der man ahnt, dass sie heimtückisch ist. Die aus Omar Ahsanuddin und Dusty Jermier bestehende Rhythmussektion sorgt in Red Line für einen stoischen Groove, der das Lied fast schon alleine trägt. Auch Golden Flower zeigt, in diesem Fall mit dem guten Bass-Riff: Oft reicht ihnen eine einzelne Idee für einen Song, der Rest wird frei um diese Idee herum improvisiert.

Gemixt wurde V von Cooper Crain (Cave, Circuit Des Yeux), mit dem sich Wooden Shjips auf Tour angefreundet haben. Die Vorgaben, die er erhalten hat, passen bestens dazu: „Wir haben Cooper gesagt, dass die Platte fett klingen soll, dass er sich aber auch die Freiheit nehmen soll, mit ein paar Elementen herumzuspielen, so dass man ganz viel Bewegung erkennt, wenn man die Platte mit Kopfhörern hört. Es sollte fließend klingen, weil sich damals auch mein Geisteszustand fließend anfühlte“, erzählt Riples Johnson.

Am Beginn steht Eclipse, ein simpler, stampfender Beat à la Black Rebel Motorcycle Club, flirrende Gitarren, verhuschter Gesang und ein geistig verwirrtes Saxofon stecken gleich das Feld ab und machen klar, wie es gemeint ist, wenn Spiegel Online über Wooden Shjips schreibt, sie täuschten „mit ein paar ordentlich wirkenden Versen Popsongs an, die dann ausufern, wegdriften, verdröhnen“. So funktioniert auch die Single Staring At The Sun. Die ersten Sekunden des Songs sind irritierenderweise fast identisch mit Bitch von Meredith Brooks, doch anders als bei ihr entwickelt sich dann kein Wutausbruch, sondern eine fast einschläfernde Beschaulichkeit. Das letzte von sieben Stücken ist Ride On und weckt einen Gedanken, auf den Wooden Shjips bestimmt ein bisschen stolz sind: In den Seventies wären zu diesem Lied sehr viele Kinder gemacht worden.

Den Waldbränden scheint auch die Farbe zum Opfer gefallen zu sein, lässt das Video zu Already Gone vermuten.

Website von Wooden Shjips.

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