Hingehört: The Long Winters – “When I Pretend To Fall”

April 26, 2004 · Posted in CD-Regal, Musik · 5 Comments 

Ätsch: Die Long Winters haben eine Frühlingsplatte gemacht.

Künstler The Long Winters
Album When I Pretend To Fall
Label Munich Records
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung ***1/2

Eine Band, die ein Lied Nora nennt, hat bei mir natürlich schonmal einen Stein im Brett. Wenn sie dann noch sehr viel Mühe und Fantasie in ein Seargant-Pepper- (also Monty-Python-)Booklet steckt, weiß sie, was wichtig ist. Wenn sie sich dann auch noch The Long Winters nennt, gewinnt sie damit noch ein paar mehr Sympathiepunkte. Denn im April merkt man ganz besonders, wie verdammt lang so ein beschissener Winter sein kann.

Allerdings ist When I Pretend To Fall in Wirklichkeit eine Frühlings- oder aber auch Herbstplatte. Denn was hier vorherrscht, ist die Erinnerung an den Sommer, die noch ganz frisch ist, oder schon etwas verblasst (also auch: verklärt), weshalb der neue Sommer bloß um so ungeduldiger erwartet wird. Allerdings ist das hier kein ausgelassener, verrückter, alles verbrennender Sommer. Ein bisschen gediegener geht es zu (REMs Peter Buck spielt auf einem Stück Mandoline). Statt Klippensprüngen oder Nacktbadeaktionen stehen eher Fahrradtouren oder Picknicks auf dem Programm.

So ist der Opener Blue Diamonds trotz des unbeirrbar voranmarschierenden Beats enorm entspannt und höchst anständig. Scared Straight ist etwas offensiver, drängt sich allerdings auch nicht auf. Alles bleibt hier dezent und charmant wie die Bläser und das Orgelsolo. Oder sogar ein bisschen schüchtern wie der Harmoniegesang von Shapes.

Der Hit kommt dann, heißt Cinnamon hat reichlich Schmackes, einen herrlichen Refrain und einen klasse Text, samt Sonnenbrand und Hochzeit in Venedig. Stupid ist so vertraut und angenehm wie eine Umarmung, Prom Night At Hater High wird mit Geigen und Squaredance-Zitaten sogar ein bisschen verwegen.

Danach läuft die Platte weiter. Besser gesagt: sie schlendert, sie spaziert, fast unbemerkt, ihrem Ziel entgegen. Und dieses Ziel ist Nora. Musikalisch fällt der Rausschmeißer mit mehr Klavier als Gitarren und kauziger Psychedelik ein bisschen heraus. Aber dieser Text! “Nora says I don’t love her the way she wants to be loved / Nora knows I love trouble but she wants stable trouble once.” Und dann, das schönste Popsong-Bild seit langem: “She never says I love you ’til I say I love you / like we’re exchanging hostages.”

Das lässt einen verwirrt, beeindruckt und doch besänftigt zurück. Eine entspannte, verlässliche und schöne Platte. Wenn der Sommer auch so wird, ist schon was erreicht.

Ein sehr süßes Hobby-Video zum grandiosen Cinnamon:

Die Long Winters bei MySpace.

Durchgelesen: Albert Camus – “La peste”

April 23, 2004 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

"Die Pest" durchzieht eine hell erstrahlende Moral.

Autor Albert Camus
Titel La peste
Verlag Gallimard
Erscheinungsjahr 1947
Bewertung ****1/2

Nachdem ich “Der Fremde” gelesen hatte, hielt ich Camus für einen großen Autor. Seit ich “Die Pest” gelesen habe, halte ich ihn für einen großen Menschen.

Literarisch mag “Die Pest” etwas schwächer sein, kann nicht die Konzentration in einer Person bieten, die den “Fremden” so eindrucksvoll gemacht hat. Aber Camus überzeugt hier mit kräftigeren Bildern (wie dem Todeskampf eines Kindes, der Wiedersehensfreude am Bahnsteig oder dem heimlichen Genuss des nächtlichen Badens im Meer) und anderen Qualitäten: einer faszinierenden Sprache, die eher referiert als reflektiert, einem Glücksgriff von einer Metapher (die Pest steht für den Krieg und/oder den Totalitarismus) und vor allem einer Moral, die durch das ganze Werk hindurch hell erstrahlt.

Mit seiner Geschichte einer Stadt, die in den 1940er Jahren von der Pest befallen und daraufhin von der Außenwelt abgeschnitten wird, macht er unmissverständlich klar: Das menschliche Leben ist der höchste Wert überhaupt. Und man muss sich wehren, wenn es bedroht wird. Widerstand ist keine Möglichkeit, sondern eine Pflicht.

In der Figur des Arztes Bernard Rieux, der sich der Seuche gegenüber machtlos sieht und doch weiter gegen sie (und für das Leben) kämpft, der kaum Hoffnung hat und doch nie an seiner Pflicht zweifelt, der nicht helfen kann und sich dennoch selbst opfert, hat Camus Appell, der auch seine Lebensmaxime war, eine so zwingende Logik, dass man beiden nur zurufen kann: Chapeau!

Beste Stelle: “Le mal qui est dans le monde vient presque toujours de l’ignorance, et la bonne volonté peut faire autant de dégâts que la méchanceté, si elle n’est pas éclairée. Les hommes sont plutôt bons que mauvais, et en vérité c’est ne pas le question. Mais ils ignorent plus ou moins, et c’est ce qu’on appelle vertu ou vice, le vice le plus désespérant étant celui de l’ignorance qui croit tout savoir et qui s’autorise alors à tuer. L’âme du meurtrier est aveugle et il n’y a pas de vraie bonté ni de bel amour sans toute la clairvoyance possible.”

Hingehört: Franz Ferdinand – “Franz Ferdinand”

April 19, 2004 · Posted in CD-Regal, Musik · 4 Comments 

"Franz Ferdinand": Fast alles passt bei diesen Schotten.

Künstler Franz Ferdinand
Album Franz Ferdinand
Label Domino
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ****1/2

Was für ein Name! “Wir wollten einen Namen, der gut klingt, eine Alliteration hat und für den Aufbruch in eine neue Zeit steht”, sagen Franz Ferdinand. Also: Franz Ferdinand. Der Erzherzog. Der Thronfolger Österreich-Ungarns. In Sarajevo erschossen und damit Auslöser des Ersten Weltkriegs.

Was für eine Geschichte! Ehemalige Kunsthochschüler, des Malens überdrüssig, Autodidakten an ihren Instrumenten, aber mit Stil. In Glasgow hatten sie ihren eigenen Club, Szenetreff und illegal, natürlich.

Was für ein Ziel! Rockmusik, zu der Mädchen (!) tanzen (!!) wollen (!!!) soll es sein.

Was für eine Platte! Der Beginn ist pures Understatement, schon Zitat und schon vollendet. “Jacqueline was 17″, croont Alex Kapranos beinahe, dann legt der Rest los mit Andersdisco. Das ist der Aufruhr von The Clash, der Stil von David Bowie, die Message von Oscar Wilde. “It’s always better on holiday / That’s why we only work when we need the money.”

Ein völlig (w)irrer Beat peitscht dann Tell Her Tonight voran, der Gesang befürchtet anscheinend, dass ihm gleich schwindlig wird und versucht deshalb, mit einem astreinen Vocal-Group-Chorus zu kontern. Man kann arty farty dazu sagen, aber auch: sophisticated.

Auch Take Me Out hat dieses schizophrene Element, dazu den Rhythmus, bei dem man (pardon) mit muss. Ein Killer ein Killer ein Killer. Als müssten Blur im “Club 54″ um ihre Leben spielen, circa 1987. Dann The Dark Of The Matinée, nicht ganz so eingängig, aber faszinierend ausgetüftelt und textlich das beste Lied auf dieser an großen Pop-Texten nun wahrlich nicht armen Platte. Nur zwei Stellen als Beleg: “I time every journey / to bump into you / accidentally I / charm you and tell you / of the boys I hate / all the girls I hate / and the words I hate / and the clothes I hate / how I’ll never be anything I hate / you smile, mention something that you like / and how you’d have a happy life / if you did the things you like.” Und dann, noch größer: “So I’m on BBC2 now / telling Terry Wogan how I made it / what I made is unclear now.”

Auf dieses Sahnestück lassen Franz Ferdinand ein quasi-psychedelisches Liedchen mit dem unfassbaren Namen Auf Achse folgen, der Beat verheißt in der Tat Autobahn, vielleicht auch Eisenbahnschienen, jedenfalls Kilometerfressen.

Danach gibt es noch drei Großtaten: This Fire ist Roxy Music, nur mit Eiern, Zoot Woman, nur schmutzig; The Cure, nur schick. Außerem Michael, unbarmerzig in die Beine gehend und sich dabei immer wieder selbst überholend. Schließlich Darts Of Pleasure also Lounge-Pop mit Schmackes, Punk mit frisch gewaschenen Haaren und einem auf deutsch gesungenen Schlussteil, der ein garantierter Ausflipp-Moment auf jeder Party ist: “Ich heiße super fantastisch / Ich trinke Champus mit Lachsfisch.” Alles klar?

Beim Clip konnte es natürlich nur eine Entscheidung geben: Die beautiful boys on a beautiful dancefloor in Michael.

Franz Ferdinand bei MySpace.

Durchgelesen: Franziska Gerstenberg – “Wie viel Vögel”

April 16, 2004 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

"Wie viel Vögel" bietet leise, fast schüchterne Geschichten.

Autor Franziska Gerstenberg
Titel Wie viel Vögel
Verlag Schöffling
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ***1/2

“Leipzig liest” heißt ein jährlich zur Buchmesse stattfindendes Literaturfestival. Leipzig schreibt aber auch. Mehr noch: Leipzig lehrt, wie man schreibt. Am Deutschen Literaturinstitut bekommen Studenten in sechs Semestern beigebracht, was Literatur ist, wo sie herkommt – und wie man sie macht. Galt Tobias Hülswitt lange als Aushängeschild der Dichterschmiede, sorgte jüngst Juli Zeh für Aufsehen. Nun hat eine ihrer Mitstudentinnen ihre ersten Erzählungen veröffentlicht.

Franziska Gerstenberg bietet in “Wie viel Vögel” sehr stille, fast schüchterne Geschichten, in denen aber ein nicht recht zu fassendes Vibrieren für Spannung sorgt. Wie bei so vielen ihrer Kolleginnen sind die Suche nach Halt und Orientierung und “feine Risse im Selbstverständnis der Figuren” (Burkhard Spinnen) die Themen.

Gerstenberg findet offensichtlich vieles im Leben merkwürdig – und merkt es sich. Deshalb wird in “Wie viel Vögel” wenig geredet, dafür umso mehr geschaut und gedacht. Resultat sind eindrucksvolle und einleuchtende Bilder in diesen Geschichten ohne Ort, ohne Zeit und ohne rechte Handlung. Am deutlichsten entpuppt sich dabei Gerstenbergs Talent als Stilistin mit einer unverkennbaren und rhythmischen Schreibe.

Beste Stelle: “Zum ersten Mal hat sie Lust, alles hinzuschmeißen, das Sauerkraut hinzuschmeißen, diesen ganzen Heiligen Abend und diese ganze heilige Familie. Zurückzufahren, die Züge gehen jede Stunde, vielleicht in ihrer Eckkneipe zu feiern. Laut und unverbindlich. Oder die Nummer zu wählen, die ihr vor vier Wochen ins Portemonnaie gesteckt wurde, für Notfälle, wie es hieß. Diese Nummer im Portemonnaie, das ist schon der Notfall.”

Durchgelesen: Andrea de Carlo – “Die ganz große Nummer”

April 16, 2004 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

"Die ganz große Nummer" ist kein gutes Buch - aber immer noch besser als die Musik von Andrea di Carlo.

Autor Andrea de Carlo
Titel Die ganz große Nummer
Verlag Piper
Erscheinungsjahr 2002
Bewertung **1/2

Jeder kennt diese penetranten Typen. Sobald auf einer Party eine Gitarre rumsteht, schnappen sie sich das Instrument. Meist hören sie mit ihrem nervigen Geklampfe erst wieder auf, wenn sich endlich eine junge Frau erbarmt, sie als Künstler zu preisen und zum Wein trinken oder kiffen aufzufordern.

So einer scheint Andrea de Carlo in seiner Jugend gewesen zu sein. Diesen Eindruck vermittelt der 52-jährige Italiener jedenfalls mit der selbst aufgenommenen CD, die seinem neuen Buch beiliegt, und schwer erträgliche Akustik-Blues-Improvisationen enthält. Und diesen Eindruck vermittelt de Carlo auch in seinem neuen Roman “Die ganz große Nummer”.

Der Ich-Erzähler schleppt ständig eine Gitarre mit sich herum, nimmt sie mit nach Kalifornien und Australien. Das Geld für die Reisen hat der junge Mann mit gefälschten Interviews verdient. Er erfand lange und tiefgründige Gespräche mit Rockstars, sein Freund Raimondo gab sich als Autor der Interviews aus, verkaufte sie an einen italienischen Verlag und wurde so wirklich der gefeierte und berühmte Journalist, der er eigentlich bloß vorgab zu sein.

Als der Schwindel auffliegt, müssen die beiden fliehen (die Gitarre ist auch hier stets dabei), zerstreiten sich und finden schließlich wieder zueinander.

Als Lektüre für Musikliebhaber funktioniert “Die ganz große Nummer” nicht, weil die Idee mit den getürkten Interviews, mit denen sich die beiden jungen Taugenichtse ihren Traum von Ruhm, Reichtum und Groupies erfüllen, nicht konsequent genug verfolgt (und nicht stringent genug erzählt) wird. Auch als Reiseroman scheitert das Buch, denn die Bilder von Mailand, Sydney und sogar Las Vegas bleiben blass und leiden unter der gelegentlichen Selbstverliebtheit des Autors.

Was de Carlos Werk aber trotzdem empfehlenswert macht, ist in erster Linie die Figur des Raimondo. Mit ihm ist dem Autor ein enorm faszinierender Charakter gelungen, dessen viele Facetten die Folie sind, auf der de Carlo die Geschichte einer echten Freundschaft erzählen kann. In Raimondo schlummert auch der eigentliche Kern des Buches: das Verwischen von Realität und Fantasie, das letztlich auch die Popmusik ausmacht.

Beste Stelle: “Christina und ich gingen in das Lokal, ich bestellte zwei Cheesburger und nzwei Coca-Cola. Es war eher einer große Holzbaracke; die Männer an den Tischen, an der Theke und neben der Musikbox hatten allesamt stark ausgeprägte Kinnladen und schmale Augen, genau wie der Typ von der Tankstelle draußen. Sie beobachteten uns mit einem bestimmten Misstrauen, das ich in verschiedensten Abstufungen aus zig Filmen kannte: die Bewegungen mit dem Kopf, das schräge Lächeln, das Zwinkern. Die Situation war mal wieder eine Mischung aus Befremden und Vertrautheit. Ich dachte, diese zwei Ebenen haben sich jetzt endgültig überlagert.”

Und und und: Die besten (und schrägsten) Bands, in deren Name ein & vorkommt

April 14, 2004 · Posted in Charts, Musik · Comment 

Zunächst mal etwas allgemeines vorweg: & ist cool. Leider ist es aber ein wenig aus der Mode gekommen. Es sollte viel mehr Bands geben, die ein & in ihrem Namen haben. Die Variationsmöglichkeiten sind unbegrenzt, wie die Liste beweist. Es wurden nur Bands gewertet, die erst den Bandleader, dann die Begleitung aufzählen. Also beispielsweise nicht Simon & Garfunkel oder Belle & Sebastian oder Kruder & Dorfmeister.

Die 20 besten Bands mit einem &:

1. Tom Petty & the Heartbreakers
2. Neil Young & Crazy Horse
3. Jonathan Richman & the Modern Lovers
4. Elvis Costello & the Attractions
5. Iggy Pop & the Stooges
6. Bob Marley & the Wailers
7. Marc Bolan & T. Rex
8. James Brown & the (Famous) Flames
9. Booker T. & the MGs
10. Pete Droge & the Sinners
11. Frank Black & the Catholics
12. Helge Schneider & Hardcore
13. Echo & the Bunnymen
14. Derek & the Dominos
15. Siouxsie & the Banshees
16. Captain Beefheart & his Magic Band
17. Mitch Ryder & the Detroit Wheels
18. Buddy Holly & the Crickets
19. Grandmaster Flash & the Furious Five
20. Sly & the Family Stone

Fünf Dutzend weitere Bands mit einem coolen &-Namen (alle diese Formationen haben tatsächlich irgendwann unter diesen Namen Platten veröffentlicht):

1. Johnny & the Hurricanes
2. Hound Dog Taylor & the Houserockers
3. Big Head Todd & the Monsters
4. Rainer & das Combo
5. June & the Exit Wounds
6. Larry & the Lefthanded
7. Didi & his ABC-Boys
8. Lloyd Cole & the Negatives
9. David Johansen & the Harry Smiths
10. Jimmy Jams & the Vagabonds
11. Joni & the Innocents
12. Little Roger & the Houserockers
13. Jerry Cole & his Spacemen
14. Peter Schneider & the Stimulators
15. Lars Frederiksen & the Bastards
16. J. Neo Marvin & the Content Providers
17. Commander Cody & his Lost Planet Airmen
18. James Yorkston & the Athletes
19. Glen Matlock & the Philistines
20. Norton Buffalo & the Knockouts
21. Mickie Most & his Playboys
22. Hootie & the Blowfish
23. Southside Johnny & the Ashbury Jukes
24. Arthur Dodge & the Horsefeathers
25. Mike & the Mellotones
26. Mike & the Mechanics
27. Ziggy Marley & the Melody Makers
28. Barbara Manning & the Go-Luckys
29. Hope Sandoval & the Warm Inventions
30. Cat Mother & the All Night Newsboys
31. Billy Bragg & the Blokes
32. Simon & the Barsinister
33. Gota & the Low Dog
34. Dan Hicks & the Hot Licks
35. Tony Tidwell & the Scalded Dogs
36. Fred Eaglesmith & the Flying Squirrels
37. Bo Ramsey & the Blacksliders
38. Chris Farlowe & the Thunderbirds
39. Markus Rill & the Gunslingers
40. Eddie & the Hot Rods
41. Dr. Hook & the Medicine Show
42. Dr. John & the Night Tripper
43. Little Charlie & the Nightcats
44. Rosie & the Originals
45. Sparky & Our Gang
46. Deke Dickerson & the Eco-Fonics
47. Dan Brodie & the Broken Arrows
48. Ray Condo & his Ricochets
49. David West & the Dead Strings
50. Michael Hall & the Woodpeckers
51. Mark Olson & the Creek Dippers
52. Kid Creole & the Coconuts
53. Hank Ballard & the Midnighters
54. Ian Calford & the Brakeman
55. Jimmy Thackery & the Drivers
56. Gladys Knight & the Pips
57. Jay & the Americans
58. Frankie Valli & the Four Seasons
59. Paul Revere & the Raiders
60. Julie Doiron & the Wooden Stars

Hingehört: Ash – “A Life Less Ordinary”

April 13, 2004 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 

"A Life Less Ordinary" vereint brachiale Gewalt mit filigraner Eleganz.

Künstler Ash
Single A Life Less Ordinary
Label Infectious
Erscheinungsjahr 1997
Bewertung ****

Eine der besten Ash-Singles unter vielen guten Ash-Singles, die erste mit Charlotte. A Life Less Ordinary paart brachiale Gewalt mit filigraner Eleganz. Die Bridge ist ein Killer, der Refrain ein Traum.

Und diese B-Seiten! What Deaner Was Talking About (im Original von Ween) kommt ebenfalls sofort zur Sache, und das heißt hier: zuckersüß-sanfter Hängemattenpop. Where Is Our Love Going hat ebenfalls eine klasse Melodie und jede Menge Wut im Bauch, findet allerdings keinen rechten Weg, beides zu vereinen. Halloween klingt fast gar nicht nach Ash, sondern einfach wie ein guter, straightforward Rocksong. Den Film habe ich blöderweise immer noch nicht gesehen.

Das Video zur Single, mit Cameron Diaz und Ewan McGregor:

Ash bei MySpace.

Durchgelesen: Josan Hatero – “Der Vogel unter der Zunge”

April 9, 2004 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

Die Zeit bleibt unklar, doch das Thema steht fest: Krieg.

Autor Josan Hatero
Titel Der Vogel unter der Zunge
Verlag Wagenbach
Erscheinungsjahr 1999
Bewertung ***1/2

Wenn ein Spanier darüber schreibt, dass junge Männer die einst friedliche Heimat plötzlich mit Waffen verteidigen müssen, denkt man unwillkürlich an den 11. März. Doch Josan Hateros “Der Vogel unter der Zunge”, das nun in der deutschen Übersetzung vorliegt, erschien in Spanien bereits 1999.

Es geht hier also nicht um Terror. Es geht vielleicht nicht einmal um Spanien, denn es bleibt völlig offen, wo die Handlung spielt. Es geht um Krieg. Und wie universal dessen Gesetze sind, macht der Roman eindrucksvoll klar.

Hatero arbeitet häufig mit knappen Sätzen und einer aktuellen, unverblümten Sprache. So bekommt das Buch eine spürbare Körperlichkeit und tatsächlich den Jargon der Kaserne. Dort lernen sich in “Der Vogel unter der Zunge” vier junge Männer kennen. Man will ihnen das Töten beibringen und sie aufs Sterben vorbereiten. Das bedeutet eine Belastungsprobe für die Psyche, weckt in ihnen eine Gier nach Leben – und führt in die Katastrophe. Die Angst herrscht nicht erst an der Front.

Beste Stelle: “Wir alle verändern uns. Ich jedenfalls verändere mich. Bevor ich hierher gekommen bin, war ich voller Angst, wenn ich an den Krieg dachte, und manchmal habe ich nachts geweint, wenn ich an den Tag meiner Einberufung dachte. Ich habe gebetet, dass der Krieg aufhören möge. Ich habe mir vorgenommen, zu desertieren. Und ich wäre desertiert, wenn ich genügend Mut aufgebracht hätte. Es ist seltsam, aber man braucht mehr Mut, sich zu wehren und zu desertieren, als in den Krieg zu ziehen.”

Durchgelesen: Anke Stelling – “Glückliche Fügung”

April 8, 2004 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

 

Anke Stellings Figuren blicken ins Leere, ins Nichts.

Autor Anke Stelling
Titel Glückliche Fügung
Verlag Collection S. Fischer
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ***

Wie mir glaubhaft versichert wurde, ist Anke Stelling eigentlich eine recht lebensfrohe, schlagfertige und aufgeschlossene Person. In “Glückliche Fügung”, ihrem ersten Band mit Erzählungen, macht sie aber einen ganz anderen Eindruck.

Denn dort blicken alle Figuren in die Leere, ins Nichts. Das ist nicht mehr bloß Melancholie, sondern schon fast Nihilismus – und leider auch oft Larmoyanz.

Im Buch erzählen jede Menge junge Frauen, die auf der Suche nach Orientierung und Identität sind und sich dabei in ihrem postpubertärem Weltschmerz suhlen. Man hat schnell zuviel von ihnen, weil ihre Motivation nur selten klar wird. Die Welt erscheint ihnen unfassbar kompliziert, kalt und ungerecht, die Männer sind noch schlimmer.

Ihr Ich ist klitzeklein und doch riesengroß, denn obwohl sich Anke Stellings Figuren vorkommen wie Spielbälle des Schicksals, haben sie doch nichts mitzuteilen als die Geschichte ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit. Dabei drängt sich die Frage auf, was Anke Stelling mit ihren Erzählungen beim Leser auslösen will. Mitleid? Identifikation? Sollte ein Buch nicht eher Trost spenden als Trost suchen?

Natürlich soll nicht verschwiegen werden, dass “Glückliche Fügung” auch sehr gute Passagen hat (“Leider nein”, “Man sollte immer ein Glas Kompott im Haus haben”) und reich an rührenden Momenten ist. Wenn die Figuren sich zusammenreißen und zwingen, sind diese Geschichten am besten und plausibelsten. Denn dann versteht man: Ihre Hoffnungslosigkeit beruht nicht auf Selbstmitleid, sondern auf ihren Erfahrungen. Ihre Kenntnis der Welt hat ihnen die Zuversicht genommen.

Die Erzählerinnen wollen heiraten und erwachsen sein, gleichzeitig haben sie Angst vorm Älterwerden und den Zwängen der Familie, die hier oft genug als Horrorvision geschildert wird. Dazu wollen sie all das überwinden, was noch aus der Kindheit in ihnen schlummert, Ahnungen von Ordnung und Religion. Man weiß, dass man ihnen dabei nicht helfen kann. Und doch möchte man ihnen einen Tritt in den Hintern geben, damit sie erkennen: All diese Probleme machen das Jungsein so anstrengend und schwierig – aber auch so aufregend und einmalig.

Beste Stelle: “Sie zog sich an, was eine Weile dauerte, weil sie nicht wusste, ob sie sich hübsch machen sollte für das Unerwartete, oder ob sie die schönen Kleider lieber schonen sollte für den Tag, an dem es mit größerer Wahrscheinlichkeit geschah.”