Nur heiße Luft?

April 21, 2007 · Posted in Artikel, Weltgeschehen · Comment 
Hingucker: Hondas Small Hybrid Sports Concept.

Hingucker: Hondas Small Hybrid Sports Concept.

Viel eindrucksvoller hätte sich der Klimawandel kaum zeigen können: Die Auto Mobil International (Ami) in Leipzig begann bei hochsommerlichen Temperaturen – mitten im April. Ob auf den grell beleuchteten Ständen der Hersteller oder in den schlecht klimatisierten Räumen der Messehallen: Die Besucher kamen mächtig ins Schwitzen.

Doch dabei drängte sich auch die Frage auf, ob all die Diskussion um Feinstaub, CO2 und Tempolimit vielleicht nur heiße Luft ist. Denn so sehr diese Themen derzeit in den Medien diskutiertwerden: Bei den Besuchern der morgen zu Ende gehenden Automesse spielten sie kaum eine Rolle.

“Das ist kein Thema”, heißt es selbst am Stand von Toyota. “Die Leute wollen wissen, wie die Autos aussehen, wie sie sich anfühlen und was sie kosten”, sagt ein Mitarbeiter. Trotzdem versuchte Toyota auf der Ami weiter, mit seinem Öko-Image zu punkten. Die Kleinstwagenstudie Endo könnte künftig dem Smart als sparsamstes Auto der Welt Konkurrenz machen. Auf gerade einmal drei Metern Länge bringt der Stadtflitzer vier Sitze unter. Das “Fine-S Concept” reduziert Emissionen hingegen durch den Antrieb per Wasserstoffbrennzelle.

Zumindest bei den Herstellern scheint der Bewusstseinswandel also bereits eingesetzt zu haben. Alternative Antriebssysteme und Schadstoffminimierung standen in Leipzig im Mittelpunkt. BMW zeigte sparsamere Motoren für die 1er-Reihe. Der Passat Bluemotion (fünf Liter Diesel pro 100 Kilometer) hatte auf dem VW-Stand Premiere.

Nach der Konzernschwester Ford stellte in Leipzig auch Volvo erste Flexifuel-Modelle für den Antrieb mit Ethanol E85 vor. Honda ließ sich vom Hybrid-Hype anstecken: Das in Offenbach entwickelte Klein-Coupé Small Hybrid Sports Concept setzt auf die Kombination aus Benziner und Elektromotor.

Ford gibt nun auch beim Focus (Erd-)Gas: 145 PS bringt der Kompakte als CNG, die Reichweite beträgt 300 Kilometer, im Benzinbetrieb sind weitere 700 Kilometer drin. Erdgas ist in Leipzig fast schon traditionell ein großes Thema – und das scheint langsam Wirkung zu zeigen. Mittlerweile sind rund 55.000 Erdgasautos in Deutschland unterwegs. Beim Autogas-Antrieb hat sich die Anzahl der Fahrzeuge von rund 65.000 im Jahr 2005 auf jetzt 125.000 sogar nahezu verdoppelt. Im Jahr 2015 soll die Millionenmarke geknackt werden, hieß es in Leipzig.

In einem Punkt waren Hersteller und Besucher aber auf einer Linie: beim Spritsparen. Die von 26 Herstellern angebotene Tour, auf der ein Fahrtrainer Tipps zum richtigen Umgang mit Schaltung und Gaspedal gab, hatte einen enormen Zulauf. Messe-Chef Wolfgang Marzin, der die Ami mit thematischen Schwerpunkten und einem Konzept, das die Besucher stark einbindet, in den vergangenen Jahren erfolgreich neben Genfer Salon und IAA positioniert hat, zieht daraus seine Hoffnung für die Zukunft: “Klimaschutz, alternative Antriebe und Kleinwagen sind das, was beim Publikum in den nächsten Jahren besonders gefragt sein dürfte.”

Durchgelesen: Umberto Eco – “Der Name der Rose”

April 21, 2007 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

Umberto Eco feiert ein Fest für die Sinne.

Autor Umberto Eco
Titel Der Name der Rose
Verlag Süddeutsche Bibliothek
Erscheinungsjahr 1980
Bewertung ****1/2

Natürlich ist dieser Roman ein Fest für die Sinne, zumal für einen Historiker. So geistreich, spannend und filigran konstruiert wird selten über Sprache, Wissenschaft, Erkenntnis und natürlich Religion geschrieben, wie es Tausendsassa Umberto Eco hier tut.

Auf diesen gut 650 Seiten findet sich so viel Weisheit, dass sie kaum zu fassen ist, nicht einmal mit vier- und fünfmaligem Lesen. Man glaubt dem Autor, dass dies Schreiben ist “aus reiner Liebe am Schreiben”, und so ist die Lektüre auch Leselust, aus reiner Lust am Lesen.

Dazu die Form: genau dem Inhalt entsprechend, mit einem sperrigen Beginn (den Eco förmlich selber aufs Korn nimmt, wenn er seinen Erzähler im Vorspann sagen lässt: “Die Wahrheit verbirgt sich im Rätsel, bevor sie sich uns von Angesicht zu Angesicht offenbart.”), mit einem fast abrupten Ende.

Natürlich mit einem meisterhaften Stil, der immer dann, wenn es richtig spannend zu werden verspricht, kurz noch einmal die Erzählung verlässt und sich auf der Meta-Ebene über das Wesen des Erzählens und des Erzählers auslässt, und so nur noch mehr Dramatik aufbaut.

Allerdings ist diese Form mitunter auch eine Bürde für diesen Roman, denn sie verlangt Stilmittel, die gelegentlich stören – auch, weil Eco sich ein bisschen zu gut gefällt in seiner Belesenheit und das Bildungsbeflissene dann nicht mehr beeindruckend, sondern aufdringlich wirkt.

Beste Stelle: “Zur Rechtfertigung meiner damaligen unverantwortlichen Leichtfertigkeit kann ich heute sagen, und zwar mit den Worten des Doctor Angelicus, dass ich unzweifelhaft verliebt war, also erfasst von einer Leidenschaft, in welcher sich ein Gesetz des Kosmos ausdrückt, ist doch auch die Schwerkraft der Körper eine natürliche Liebe. Und natürlicherweise erlag ich dieser Leidenschaft, da in ihr appetitus tendit in appetible realiter consequendum ut sit ibi finis motus. Weshalb auch ganz natürlicherweise amor facit quod ipsae res quae amantur, amanti aliquo modo uniantur, et amor est magis cognitivus quam cognitio.”

Viele Fragen

April 18, 2007 · Posted in Kommentare, Weltgeschehen · Comment 

Die Nachrichten aus Blacksburg machen fassungslos. 32 junge Menschen wurden aus der Blüte ihres Lebens gerissen, andere konnten sich nur durch den Sprung aus dem Fenster retten oder blieben am Leben, weil sich ihre Professoren für sie opferten. Der Name einer bis dahin beschaulichen Kleinstadt wird jahrzehntelang mit einem Blutbad verbunden sein. Doch Entsetzen und Trauer dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die USA nach dem schlimmsten Amoklauf ihrer Geschichte ein paar unangenehmen Fragen stellen müssen.

Zunächst muss sich die Polizei vor Ort rechtfertigen: Warum konnte der Täter, der bereits zwei Opfer auf dem Gewissen hatte, zweieinhalb Stunden lang unbehelligt seinen weiteren Feldzug planen? Wieso wurden die Studenten nicht früher und eindringlicher vor der Gefahr gewarnt? Waren die Sicherheitsvorkehrungen an der Universität zu lasch?

Das führt zum nächsten Punkt: Können schärfere Gesetze solche Massaker verhindern? Die Fakten sprechen dafür. 200 Millionen Schusswaffen gibt es in den USA, mit ihnen werden jedes Jahr 350.000 Verbrechen begangen und jeden Tag 80 Menschen erschossen. Die These, dass Waffen dort, wo sie leichter verfügbar sind, auch häufiger eingesetzt werden, ist nicht von der Hand zu weisen.

Auch der Tatort scheint kein Zufall zu sein: Virginia ist einer der Bundesstaaten mit den großzügigsten Waffengesetzen. Die beiden großen Waffenlobby-Verbände haben hier ihren Sitz. Doch man darf sich keine Illusionen machen: Selbst die schärfsten Gesetze könnten Gräueltaten wie die von Blacksburg nicht verhindern. Wenn jemand an Waffen kommen will, um ein Blutbad anzurichten, wird er das schaffen. Auch in Deutschland.

Wer solche Taten in Zukunft wirklich verhindern will, sollte deshalb eine ganz andere Frage stellen: Warum? Der einzige Schutz vor Selbstmordattentätern ist es, nach ihren Gründen und Motiven zu forschen und dort anzusetzen. Wie kann in einem Menschen soviel Wut entstehen, dass er nicht mehr leben und seine Mitmenschen mit in den Tod reißen will? Wieso finden insbesondere junge Männer keine anderen Wege, Konflikte zu lösen als mit Gewalt? Sind Schüler und Studenten möglicherweise auch deshalb so frustriert, weil sie zu großem Druck ausgesetzt sind? Fühlen sie sich ohnmächtig den Institutionen gegenüber? Leben Massenmörder ihre Todesfantasien vielleicht auch deshalb aus, weil sie sich damit – so makaber das klingt – unsterblich machen im Bewusstsein einer Öffentlichkeit, die Gewalt allerorten glorifiziert?

All diese Fragen nehmen dem einzelnen Täter nicht seine Schuld. Doch wer Verantwortung für die Opfer übernehmen will, der wird sich ihnen stellen müssen. Auch wenn das schwieriger ist, als Sündenböcke zu suchen oder Hysterie zu schüren.

Hingehört: Clap Your Hands Say Yeah – “Some Loud Thunder”

April 13, 2007 · Posted in CD-Regal, Musik · 5 Comments 

"Some Loud Thunder": Das ist kein Fehler. Das soll wirklich so klingen.

Künstler Clap Your Hands Say Yeah
Album Some Loud Thunder
Label Wichita
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Die Geschichte ist natürlich so gut, dass sie auch hier noch einmal erzählt werden soll: Als die ersten Kopien von Some Loud Thunder vorab an erlesene Musikjournalisten verschickt waren, riefen nicht wenige von denen bei der Plattenfirma an. Sie fragten besorgt, ob das wirklich so klingen soll, oder ob da vielleicht ein technischer Fehler vorliegt. Denn der (von einem irren Tamburin und einer sadistischen Kuhglocke angetriebene) Titelsong am Anfang des Albums ist völlig übersteuert. Er klingt wie ein malayischer Ghettoblaster aus dem Jahr 1932. Nachdem genau auf dem Pause-Knopf eine Atombombe explodiert ist. Unter Wasser.

Aber seien wir ehrlich: Im Prinzip traf das auch auf das Debütalbum der New Yorker zu. Clap Your Hands Say Yeah machen Musik wie niemand sonst. Und die Frage, ob das absichtlich so klingt, die hätte man auch damals schon stellen können.

Allerdings ist dieser Überraschungseffekt nun weg, und das ist ein bisschen das Problem von Some Loud Thunder. Beim Debüt fand man die Lieder einfach an sich aufregend, weil man dergleichen noch nie gehört hatte. Diesmal müssen die Songs schon von selbst Spannung aufbauen, und nicht alle schaffen das. Upon Encountering The Crippled Elephant beispielsweise ist ein 73 Sekunden langes Nichts, Love Song No.7 holt dagegen ganz weit aus, kommt aber nirgends an. Arm And Hammer ist selbst für die Verhältnisse dieser Band experimentell, und das bedeutet: schmerzlich nah an der Unhörbarkeit.

Anderes ist gewohnt irre (Emily Jean Stock klingt, als hätten Manowar im Ersten Weltkrieg die Songs von Wilco gespielt, im außerirdischen Goodbye To Mother And The Cove schlagen Gitarren wie Tsunami-Wellen über einem Harfen-Motiv zusammen). Ein paar Stücke sind sogar klasse. Mama, Won’t You Keep Them Castles In The Air And Burning? hat mit seinem sanften Bass und dem Gespenster-Chor eine wunderbare Dramatik. Satan Said Dance beginnt wie ein Song von Aphex Twin (oder meinetwegen dem Crazy Frog, wo ist da der Unterschied?), entwickelt dann aber einen in der Tat diabolischen Drive.

Yankee Go Home ist der unbestrittene Hit dieser Platte: Alec Gunsworth singt wie ein Besessener, und das Schlagzeug scheint sich so sehr davor zu fürchten, dass es die Flucht nach vorn ergreift. Beinahe ein konventioneller Rocksong ist Underwater (You And Me), wenn konventionelle Rocksongs von Marching-Bands auf dem Grund des Silbersees aufgenommen würden. Das reicht, um aus Some Loud Thunder als Ganzes ein Erlebnis zu machen; und es reicht, um Clap Your Hands Say Yeah die Treue zu halten. Doch beim nächsten Mal müssen sie ein irres Album abliefern, um nicht ins Comedy-Fach zu taumeln. Immerhin: Irre können sie ja.

Texas wird blasphemisch: Satan Said Dance live beim Austin City Limits Festival:

Clap Your Hands Say Yeah bei MySpace.

Durchgelesen: Lionel Shriver: “Wir müssen über Kevin reden”

April 12, 2007 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

Amok - und was davor kommt.

Autor Lionel Shriver
Titel Wir müssen über Kevin reden
Verlag List
Erscheinungsjahr 2003
Bewertung ****1/2

Gerade gestern ist es wieder passiert. “Eine Tragödie monumentalen Ausmaßes”, stand in der Zeitung, und doch ist es in den USA längst so etwas wie Alltag: Wieder ist ein Eleve zum Amokläufer geworden. Lionel Shriver, die als Journalistin unter anderem für das “Wall Street Journal” arbeitet und die für diesen Roman den Orange Prize bekam, greift in “Wir müssen über Kevin reden” das Thema auf, das auch dem Ort Littleton zu trauriger Berühmtheit verholfen hat.

Weil sie dabei eine höchst ungewöhnliche Perspektive wählt, läuft ihr Werk nie Gefahr, zur faden Gefühlsduselei oder abgehobenen Moralpredigt zu werden. Stattdessen erzählt hier die Mutter eines Amokläufers. In Briefen an ihren Ehemann erinnert sie sich. Die Frage nach dem Warum schwebt über allem (und wird vor allem im ersten Brief köstlich hinausgezögert, als es erst so viele Andeutungen und scheinbar halbgare Philosophie gibt, dass man beinahe schon genervt ist, bevor ganz am Ende der schockierende Kern der Geschichte enthüllt wird), und die erdrückende Ahnung der eigenen Schuld lastet tonnenschwer auf der Erzählerin.

“Wir müssen über Kevin reden” ist vor allem deshalb so schockierend, weil hier die scheinbar natürlichste Bindung der Welt von Anfang an nicht funktioniert. Mutter und Sohn entwickeln stattdessen eine Beziehung zueinander und Gefühle füreinander, die man nur pervers nennen kann. Am klarsten wird dies in den packenden Dialogen im Jugendgefängnis, wo die Mutter ihren Sohn besucht.

Kevin ist ein Monster, die Ausgeburt des Bösen. Und der Mutter wird nach und nach klar, dass sie ihn dafür nicht einmal verantwortlich machen kann. Stattdessen ahnt sie, dass die Bluttat ein riesiger, unausgesprochener Vorwurf ist, der sich gegen sie richtet: Sie hatte die anmaßende Idee, dass gegen die Leere und Sinnlosigkeit des eigenen Lebens, die sie trotz ihres beruflichen Erfolgs und ihres privaten Glücks verspürte, vielleicht ein Kind helfen könnte.

Es ist gerade diese Erkenntnis, die “Wir müssen über Kevin reden” so eindrucksvoll macht. Der Roman lehrt, wie krankhaft und egoistisch die Fixierung auf Kinder ist, solange sich Erwachsene nicht über sich selbst im Klaren sind. Und er erteilt eine Lektion darin, was Verantwortung bedeutet.

Beste Stelle: “Gab es nicht ein einzig wahres Andenken an einen Mann, ein Wesen, das zum Valentinstag Karten malt und lernt, wie man Mississippi buchstabiert? Zwar konnte kein Kind dich ersetzen. Aber wenn ich dich je vermissen sollte, für immer vermissen, dann wollte ich jemanden neben mir, der dich ebenso vermisste, der dich genauso als Lücke in seinem Leben erlebte, wie du eine Lücke in meinem Leben wärst.”

Durchgelesen: Joseph Conrad – “Herz der Finsternis”

April 12, 2007 · Posted in Bücher, Bücherregal · Comment 

Weiße Eroberer der weißen Flecken machen sich auf ins "Herz der Finsternis".

Autor Joseph Conrad
Titel Herz der Finsternis
Verlag Süddeutsche Bibliothek
Erscheinungsjahr 1899
Bewertung ***1/2

Ein bisschen geschummelt haben die Herren aus dem Feuilleton der SZ da schon. Unter ihre “100 Romane des Jahrhunderts” (gemeint ist das 20.) reihen sie auch Joseph Conrads “Herz der Finsternis” ein. Dabei hat der Seemann seinen auf eigenen Erfahrungen beruhenden Roman über eine Schiffsfahrt in den Kongo schon 1899 herausgebracht.

Was das für eine Zeit war, macht “Herz der Finsternis” fast schockierend klar. Weiß waren damals noch so einige Flecken auf der Landkarte. Und Weiß war die einzige Hautfarbe, die einem zu Menschenwürde verhalf.

Es ist sowohl die geographische als auch die anthropologische Komponente, die deshalb hier für Spannung sorgt. Das “Herz der Finsternis” ist der Dschungel, aber es ist natürlich auch die Seele, in die die Expeditionsteilnehmer hier zwangsläufig einen tiefen Blick werfen müssen.

Allen voran natürlich der Kapitän. Dass Marlows Monologe, eingebettet in eine Rahmenhandlung, hier immer wieder gekonnt unterbrochen werden, steigert die drückende Spannung. Vieles liegt hier nur wie eine Ahnung, ein Schatten, ein Rascheln im Urwald über dem Geschehen, auf die Spitze getrieben in der Figur des Agenten Kurtz, um den sich schnell alles dreht, der aber erst im letzten Drittel des Werks wirklich auftaucht. Dass auch viele der anderen grauenhalften Entdeckungen und mysteriösen Gefahren nur angedeutet werden, macht die Geschichte noch bedrohlicher.

Beste Stelle: “Ich habe hart mit dem Tod gerungen. Man kann sich keinen weniger spannenden Zweikampf denken. Er findet statt in einem unfassbaren Grau, ohne festen Stand, ohne irgend etwas, ohne Zuschauer, ohne Geschrei, ohne Ruhm, ohne das große Siegesverlangen, ohne die große Furcht vor der Niederlage – findet statt in einer eklen Atmosphäre schalen Zweifels, ohne viel Glauben an das Recht auf der eigenen Seite, zu schweigen von dem Recht des Gegners. Wenn dies der Wahrheit letzter Schluss ist, dann ist das Leben ein größeres Rätsel, als es die meisten von uns sich vorstellen. Um ein Haar wäre ich in die Lage gekommen, eine letzte Äußerung zu tun, und ich musste zu meiner Beschämung entdecken, dass ich wahrscheinlich nichts zu sagen gehabt hätte.”

Leere Versprechungen

April 10, 2007 · Posted in Kommentare, Weltgeschehen · Comment 

Selten hat man den Müllermeister aus Franken so mutig erlebt. Gleich drei konkrete Prognosen wagte Wirtschaftsminister Michael Glos in einem einzigen Interview – und überbot sich dabei fast selbst an Zuversicht. Beim Wirtschaftswachstum wird Deutschland mehr als zwei Prozent erreichen, prophezeit er. Die Arbeitslosenzahl – eine Größe, bei der schon ganz andere Kaliber mit ihren Vorhersagen daneben lagen – wird schon sehr bald unter 3,5 Millionen liegen. Und die Einkommenssteuer soll so schnell wie möglich sinken.

Für die Bürger muss das erst einmal wie eine frohe Osterbotschaft klingen. Endlich soll der Aufschwung auch in ihrem Geldbeutel ankommen. Denn Fakt ist: Die klare Mehrheit der Deutschen merkt beim Blick auf den Lohnzettel nichts vom gesunden Wachstum. 70 Prozent glauben laut einer Umfrage nicht, dass sie von der wieder angesprungenen Konjunktur profitieren. Das wundert auch nicht, wenn die IG Metall schon wieder mit dem Säbel rasseln muss, um in der aktuellen Tarifrunde eine drei vor dem Komma durchzusetzen, und wenn gleichzeitig die Gehälter der Dax-Vorstände im zweistelligen Prozentbereich steigen. Was von der Politik der großen Koalition bisher beim Bürger angekommen ist, sind vor allem zusätzliche Belastungen wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Doch helle Freude – oder gar konkrete Erwartungen in Euro und Cent – sollte Glos’ Versprechen nicht auslösen. Denn was der Wirtschaftsminister ankündigt, ist schlicht unseriös. Erstens legt er sich wohlweislich nicht auf einen Termin fest und kokettiert stattdessen vage mit einem Steuergeschenk nach der nächsten Bundestagswahl. Doch niemand weiß, wie sich die Konjunktur bis dahin entwickeln wird. Niemand weiß, ob es dann überhaupt noch etwas zu verschenken gibt. Und schließlich steht noch längst nicht fest, wer dann in die Rolle des großzügigen Spendieronkels schlüpfen darf.

Zweitens ist der CSU-Mann für Wirtschaft zuständig, nicht für Steuern. Und Finanzminister Peer Steinbrück wird sich nicht gern ins Handwerk pfuschen lassen. Er hat zudem keinen Zweifel daran gelassen, dass es trotz der momentan sprudelnden Einnahmen kein Abweichen vom Sparkurs geben wird.

Dass dies der richtige Weg ist, haben Unternehmen und Arbeitnehmer in Deutschland in den vergangenen Jahren vorgemacht. Mit Weitsicht bei der Planung, dem Aufbrechen überkommener Strukturen und Zurückhaltung bei den eigenen Ansprüchen haben sie den Standort D wieder konkurrenzfähig gemacht. Sie dürfen sich als die Macher des Aufschwungs fühlen. Sie haben es auch weiter in der Hand, für dessen Fortsetzung zu sorgen und ihren Anteil an dessen Früchten durchzusetzen. Daran sollte sich die Politik ein Beispiel nehmen – statt mit leeren Versprechungen auf Stimmenfang zu gehen.

Hingehört: Melanie C – “This Time”

April 9, 2007 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 

"This Time" ist Erwachsenenpop von einem Spice Girl.

Künstler Melanie C
Album This Time
Label Warner
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung **

Als sie 1996 wie von der Tarantel gestochen durch die viktorianische Anmut des ehemaligen “Midland Grand Hotels” stürmten, vermochte noch niemand zu ahnen, dass die Spice Girls einmal das vielleicht wichtigste kulturelle Phänomen der nächsten zehn Jahre werden sollten. Erst recht konnte man sich beim Ansehen des Wannabe-Videos beim besten Willen nicht vorstellen, dass man einmal eines dieser Mädels an der Stimme erkennen würde. Und dass dies ausgerechnet das Spice Girl mit dem Pferdeschwanz und der Trainingshose sein würde, darauf hätte kein Mensch getippt.

Doch Mel C hat es geschafft. Ebenso eisern, wie sie einst als Sporty Spice für Girl Power eintrat, arbeitete sie in den vergangenen Jahren daran, eine Lady zu werden und sich als Solokünstlerin zu etablieren. Und nach Hits wie früher When You’re Gone und zuletzt First Day Of My Life ist ihre Stimme inzwischen tatsächlich so präsent, dass man sie wiedererkennt.

Auch auf ihrem viertem Soloalbum This Time präsentiert sie sich souverän. Selten traf der Begriff vom Erwachsenen-Pop so gut auf eine Platte zu wie hier: Kein Rhythmus ist hart genug, um wirklich zum Tanzen zu taugen. Selbst die schönste Melodie wird so gediegen verpackt, dass der Hörer nicht in Gefahr gerät, auszuflippen. Und trotzdem macht This Time klar, dass Melanie C im Genre der niemand ausschließenden Mainstream-Hits quasi konkurrenzlos ist.

Schon der zackige Auftakt Understand klingt wie  all der Mist, der seit Jahren den Äther verkleistert der feuchte Traum jedes Radio-Machers. Das akustische What If I Stay ist danach sogar richtig stark: Selten war Melanie C so sehr bei sich selbst. Carolyna ist der nächste Höhepunkt und hätte sich auch auf den letzten Platten der Red Hot Chili Peppers gut gemacht. Auch Your Mistake ist ein todsicherer Hit. In Don’t Let Me Go kommt dann sogar ein wenig Latin-Flair auf. Und der Bonus-Track I Want Candy (ein Cover des Strangelove-Hits aus dem Jahr 1965) wird mit Bläsern und Glamrock-Drums aufgemotzt und hat richtig Pfeffer. Wie es sich für ein Ex-Spice-Girl eben gehört.

Weil Emi alle Originalvideos gesperrt hat, gibt es eben eine Parodie: ADHS trifft Wannabe:

Mel C bei MySpace.

Wibbling Rivalry: Meine 33 Lieblingszitate aus “Oasis talking”

April 2, 2007 · Posted in Charts, Musik · 2 Comments 

"Oasis Talking" versammelt ausschließlich Zitate der Gallagher-Brüder. Natürlich wird das unterhaltsam.

“Oasis Talking”, herausgegeben von Harry Shaw, ist zwar keine Pflichtlektüre, aber in jedem Fall höchst amüsant. Und die Highlights daraus gibt es hier auf einen Blick. In die Charts aufgenommen wurden die lustigsten, erhellendsten, historischsten und überraschendsten Zitate der, so der Untertitel, “Gallagher brothers in their own words”.

  • 1. I love Oasis, I love my band, our band’s fucking great, the best band in the world when we want to be. But when we want to be we can be fucking idiots. When we put our heads together we are the fucking bollocks and no one can come near us. (Liam, 2001)
  • 2. Don’t talk to me about Nirvana. He was a sad man who couldn’t handle the fame. We’re stronger than that. And you can fuck your fucking Pearl Jam. (Liam, 1994)
  • 3. We write music for the guy who walks down the street to get his copy of the Daily Mirror and his twenty Bensons every day, and he’s got fuck all going for him, he’s got no money. Even if somebody can’t afford to buy our record, if they put on the radio while they’re cleaning the house, and whistle a song and go “Fucking hell, did you hear that tune?” That’s what it’s all about. (Noel, 1994)
  • 4. It’s hard to be humble at times like this so I won’t try. You’re all shit. (Noels Dankesrede bei den Brat-Awards 1996)
  • 5. Me, if I didn’t have football and the guitar, God knows what I would have become. I got the talent to write songs and live from it. So I do my best to amuse people. Because I know that’s all I can do for them. Three and a half minutes of happiness in a gloomy and banal life, I’m afraid that’s my only contribution. (Noel, 1996)
  • 6. People always say “Don’t you want to be innovative?” Well, no. We just want to make good records. People are afraid of the obvious. People want to hear a song, then hum it, then wind it back again and again. (Noel, 1996)
  • 7. Them lot (tabloids), I think they fancy me. I think they’re all gay. That’s what I think anyway. (Liam, 1997)
  • 8. Liam’s got more stupid. When he was at school, he was quite normal. Now he’s definitely mad. He’s not mad like some people in bands are mad. He’s madder than mad… He’s just mad. (Noel, 1995)
  • 9. If we were to sit down now and take John Lennon, Jimi Hendrix, Ray Davies, Steve Marriott, anybody’s first two albums against my first two albums, I’m there. I’m with the Beatles. If you ask me where I’ll be after my eighth album in comparison to the Beatles, then they’ll piss all over me. Probably. (Noel, 1996)
  • 10. There’s no point in interviewing them, they’ve got fuck all to say for themselves, anyway. (Noel über den Rest von Oasis außer Liam)
  • 11. From 1993 to when I stopped taking drugs on June 5, 1998, I can hardly remember a thing. (Noel, 2001)
  • 12. I live with the guy, and that’s what he is. He’s a fucking slob. Ask me mam. (Noel über Liam, 1994)
  • 13. Liam used to really annoy me, but now I think he’s a comic genius, the funniest guy I have known in my entire life. (Noel, 2001)
  • 14. Tricky was saying we should be doing some stuff together. I said, “Sure, if you’ve got the stuff, I’ve got the razor blade and mirror.” But he meant music, unfortunately. (Noel, 1995)
  • 15. I’ve got a bit of Lennon, and now I’ve got a bit of Ali. I’ve got two loudmouth arrogant bastards living inside me. (Liam, 1997)
  • 16. I live for now, not for what happens after I die. If I die and there’s something afterwards, I’m going to hell, not heaven. I mean, the devil’s got all the good gear. What’s God got? The Inspiral Carpets and nuns. Fuck that. (Liam, 1995)
  • 17. We were crazy. We should have died. But I don’t believe in death. Death is just a thing, whatever it is. (Liam, 1997)
  • 18. We pity anybody who doesn’t buy our records. (Liam, 1994)
  • 19. When I drink, I drink. I don’t fucking pussy about. I get stuck in there and get wasted and I like it and I wake up the next day and think “fucking hell” then I leave off for a bit. I’m quite happy with my drinking situation at the moment. (Liam, 2001)
  • 20. I’m going to live in Ireland. But not for tax purposes. That’s for greedy cunts. I like the taxman. The taxman’s good. Fuck it. And anyway, England’s good. It’s full of people walking the streets like me. (Liam, 1997)
  • 21. Everything just went mad. People were smashing bottles and throwing things all over the place. At one point, someone opened a window and just started to lob everything out. I woke up the next morning, looked out of the window and the car park was, like, full of bedrooms. It was a laugh. I’m not saying it’s fucking important or anything, but, you know… (Liam, 1994)
  • 22. I don’t want people watching me and thinking “I could do that”. I want them thinking they could never do that. (Noel, 1995)
  • 23. It’s punk rock. And moody. And well done, proper – none of that weird fucking Radiohead bollocks, none of that indie fucking rubbish. It’s the Pistols and the Beatles, man – it’s us. (Liam über “Heathen Chemistry”, 2001)
  • 24. Right now there isn’t a band in the world as good as us and they know it. (Liam, 1995)
  • 25. People say we’re always fighting but I’m just standing up for myself and he’s getting the idea that it’s his band and we’re all supposed to be sheep. The rest of them all go along with it, but I’m not going to. I mean, if he told them all to turn up tomorrow because he’d got a plan that we were going to play a gig up a lamp post, they’d all just do it. I’d have asked, “Why are we playing up a lamp post? Can’t we play a stadium or something?” (Liam, 1995)
  • 26. I think we’ll be the most important band in the fucking world. If time is on our side and there’s not so much bad shit and no one dies, then we’ll be the new Beatles. We’ll mean just as much because Noel’s written about 200 fucking songs that nobody’s ever heard and everyone of them is a fucking classic. We’re way ahead. (Liam, 1994)
  • 27. He’s not as good as John Lennon. He’s not even as good as Jack Lemon, God bless him. He’s written a few pretty good songs for the last record. But nothing more and nothing less than that. He’s not in John Lennon’s class. Only I am capable of that. (Noel über Liams Songwriting, 2000)
  • 28. It’s weird. If you took a kid from the Bronx and a kid from Brixton who probably have absolutely nothing in common whatsoever, the one thing they’d have in common is they’d own a copy of “Morning Glory”. That’s something to be proud of – and we are. (Noel, 1996)
  • 29. We’re celebrating (with the ten year anniversary tour). We’re our own biggest fans anyway and we’re going on the road to celebrate the fact that we’re fucking mega. (Noel, 2001)
  • 30. Why don’t I move on stage? ‘Cos I don’t feel as if I have to. I’m not into it. Everyone jumps around, it’s boring. Plus, if you dance about you look shit – and I will NOT look shit. (Liam, 1995)
  • 31. A lot of people have said we’ve cracked America but I don’t think we have and I’m not particularly bothered whether we do or not. I’m not interested in having an aeroplane or anything like that. I don’t have the parking space for it. (Noel, 1997)
  • 32. All that romantic notion about Oasis being a gang was all bullshit. I lived in London on my own for two years, the rest of the band lived in Manchester. It was never a gang. I never hung out with them, they never hung out with me. We never had the same circle of friends. We never drank in the same places. I was always a bit of a loner anyway. (Noel, 2000)
  • 33. On my grave, I want them to write “Don’t fucking come here with your bunch of flowers.” I don’t want a gravestone, I want a V-sign, two fingers. A really fucking huge V-sign, 20 foot tall or something. When you’re dead, you’re dead. It’s now that matters. (Liam, 1995)