Dumpfe Parolen

Januar 29, 2008 · Posted in Kommentare, Weltgeschehen · Comment 

Roland Koch fischt wieder am rechten Rand. Fast möchte man meinen: Wie immer, wenn er unter Druck steht.

Als ehrgeiziger Herausforderer hob er einst die etablierte rot-grüne Landesregierung mit einer Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aus dem Sattel. Zuletzt reagierte er auf erstaunlich schwache Umfragewerte seiner Partei mit der Forderung, den islamischen Ganzkörperschleier Burka an Hessens Schulen zu verbieten. Genauso gut hätte er einen Erlass gegen Raumanzüge im Unterricht oder das Adamskostüm auf dem Pausenhof fordern können, denn es ist kein einziger Fall einer hessischen Schülerin bekannt, die Burka trägt. Und nun stimmt Koch, reichlich spät, in den Chor all derer ein, die härtere Strafen für jugendliche Straftäter fordern – insbesondere, wenn es sich bei den Kriminellen um Ausländer handelt.

Von “Lebenslügen” und “Verblendung” hinsichtlich des Multikulti-Konzepts spricht Koch. An den Stammtischen kommen solche Schlagwörter sicher großartig an. Doch der Ministerpräsident sollte sich für derlei dumpfe Parolen zu schade sein. Auf solch durchschaubare Art ein paar Wählerstimmen fangen zu wollen – wohlgemerkt auf Kosten einer schockierend brutalen Tat und eines bemitleidenswerten Opfers in der Münchner U-Bahn -, zeigt nicht nur erschreckend wenig Stil, sondern macht auch deutlich, für wie dumm der Landesvater das Wahlvolk offensichtlich hält.

Zumal es Koch besser weiß. Das macht seine eigene Integrationspolitik deutlich, mit der er unumstrittene Erfolge erzielen konnte. In Kochs Geburtsstadt Frankfurt funktioniert auch unter einer CDU-Oberbürgermeisterin die Multikulti-Welt, und die verbindlichen Sprachkurse für Ausländerkinder in Hessen werden überall zu Recht gelobt.

Allein diese Maßnahme zeigt, dass Koch die wahren Ursachen für Kriminalität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund kennt: Wer schlecht ausgebildet ist, sich an seinem Wohnort nicht willkommen fühlt und kaum Perspektiven für die Zukunft sieht, der gerät eben leichter auf die schiefe Bahn – unabhängig von der Nationalität.

Koch sollte sich auch die Frage stellen, warum die Opposition mit den Wahlkampfthemen Bildung, Klima und Mindestlohn plötzlich Erfolge feiert. Das weist auf Versäumnisse in der eigenen Politik hin. Und statt pauschal Ängste vor Ausländern zu schüren, die in Zeiten sozialer Unsicherheit von vielen als Bedrohung für den eigenen Lebensstandard, den Arbeitsplatz oder die persönliche Sicherheit empfunden werden, sollte Koch diesen Ängsten der Menschen begegnen. Er hatte schon neun Jahre Zeit dazu.

Hingehört: The Killers – “Sawdust”

Januar 26, 2008 · Posted in CD-Regal, Musik · 14 Comments 

Die B-Seiten der Killers sind auf "Sawdust" versammelt.

Künstler The Killers
Album Sawdust
Label Island
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Wenn man bedenkt, dass sie erst zwei Alben veröffentlicht haben, dann haben die Killers schon eine Menge erreicht. Sie waren Headliner beim Glastonbury-Festival. Sie haben einen Krieg mit einer anderen Band angezettelt (kennt noch jemand The Bravery?) und gewonnen. Und sie haben in Person von Sänger Brandon Flowers einen Rockstar ins allgemeine Bewusstsein katapultiert, dem man ein pinkes Sakko ebenso durchgehen lässt wie einen lächerlichen Schnauzer oder krankhaften Ehrgeiz.

Dass die Killers nun, nach wohlgemerkt nur zwei regulären Platten, eine Sammlung ihrer Raritäten veröffentlichen, ist angesichts dieser Vorgeschichte nur noch wenig verwunderlich. Und es gibt sogar gute Gründe dafür. In vielen Ländern erscheinen die Singles der Band nicht, die B-Seiten blieben den Fans also bisher vorenthalten. Außerdem haben sie ein paar wenig bekannte Cover-Versionen und Gastbeiträge für Soundtracks gemacht. Und schließlich waren aus den Sessions für die letzte LP Sam’s Town noch so viele Lieder übrig, dass man für deren Veröffentlichung einen geeigneten Kontext gesucht hat.

Vieles davon wurde zu Recht nicht für die beiden famosen LPs ausgewählt. Stücke wie Sweet Talk oder Show You How sind zwar gut, aber nicht gut genug. Anderes hat durchaus das Niveau der Albumtracks (All The Pretty Faces, Keep The Bourbon On The Shelf) oder gar von Singles (das bereits als Bonustrack von Hot Fuss bekannte, hier aber in einer leicht veränderten Version zu hörende Glamorous Indie Rock And Roll).

Richtig wertvoll wird diese Sammlung für Fans aber, weil sie ein paar interessante Einblicke ins Innenleben der Band aus Las Vegas gibt. Das neue Stück Tranquilize enthält einen Gastauftritt von Lou Reed, wurde aber produziert von der U2s Alan Moulder. Genau dieser Spagat ist es, den Flowers anstrebt: mit seinen Liedern eines Tages zum großen amerikanischen Songbook zu zählen, in dem Reed einige Kapitel geschrieben hat, gleichzeitig aber auch den Massenappeal von Bono & Co. zu erreichen.

Das Joy-Division-Cover Shadowplay verweist auf den Traditionsstrang New Order/Depeche Mode/Elektro, Move Away ist hingegen fast Hardrock. The Ballad Of Michael Valentine bringt dem Gottvater Bowie ein Glam-Disco-Opfer dar. Die zunächst aufs Piano reduzierte, später ein großes Arrangement aufbietende Abbey-Road-Version von Sam’s Town macht klar, dass das Stück von Anfang an als nichts anderes gedacht war als ein Klassiker.

Nicht zuletzt müssen hier zwei Covers genannt werden. Ruby, Don’t Take Your Love To Town, im Original von Kenny Rogers, ist eine eigentlich peinliche Wahl, erweist sich aber als wichtiges Bindeglied zwischen den Killers-Alben und zeigt, dass der Weg nach Sprinsteensville der Band schon 2005 verlockend erschien. Und das Dire-Straits-Highlight Romeo And Juliet markiert die Killers als große Romantiker.

Zum Schluss macht Jacques Lucont’s Thin White Duke Remix von Mr. Brightside deutlich, dass die Killers auch New Rave können, wenn sie wollen. Aufs dritte Album darf man gespannt sein.

Ein Klassiker: Die Abbey-Road-Version von Sam’s Town.

The Killers bei MySpace.

Hingehört: Blind – “Blind”

Januar 24, 2008 · Posted in CD-Regal, Musik · 1 Comment 

Blind kommen aus Koblenz. Und bleiben Emo-Epigonen.

Künstler Blind
Album Blind
Label Virgin
Erscheinungsjahr 2008
Bewertung **

Gut fünf Jahre haben sich die Jungs von Blind für ihr Debütalbum Zeit gelassen. Der Grund: Alles sollte perfekt sein. Und das hört man Blind nun auch an. Das Quartett aus Koblenz liefert ein Alternativ-Rock-Paket ab, das enorm ausgefeilt und ehrgeizig ist.

Jesus Only Knows klingt zum Auftakt wie Jimmy Eat World, wenn sie wütend sind, oder Papa Roach in inspirierten Momenten. Das sind nicht die schlechtesten Referenzen. We Can Stay ist ebenso inszeniert und effektiv wie die Stücke von My Chemical Romance, das packende Save Me Now gerät äußerst eingängig. Die Power-Ballade You wird ganz großes Kino.

Auch Ordinary Day, These Are The Days und der wilde Rausschmeißer Wake Me Up schaffen es auf die Habenseite. Doch zwischendurch hängt die Platte deutlich durch. Die Band verliert sich dann in Schlock-Sound à la Nickelback oder Creed, trauriger Höhepunkt ist die unerträgliche geknödelte Ballade Every You Every Me. Dann wird das Problem der Band deutlich: Sie können viel und wollen alles, aber sie fügen dem Standard, den sie erreichen, nichts hinzu.

Eine Live-Version von Every You Every Me (es singt sogar jemand mit):

Blind bei MySpace.

Hingehört: Hush Puppies – “Silence Is Golden”

Januar 20, 2008 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 

Guter Look, schlaue Vorbilder. Trotzdem ist "Silence Is Golden" ein bisschen schwach auf der Brust.

Künstler Hush Puppies
Album Silence Is Golden
Label Faith Recordings
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung **

Das beschauliche Perpignan auf der großen Rock-Weltkarte zu platzieren, ist schon eine Leistung. Mit ihrem Debüt The Trap haben die Hush Puppies vor zwei Jahren genau das geschafft. Das französische Mod- und Garagenrock-Zentrum war plötzlich ein Begriff, und die Songs auf der Platte ließen ernsthafte Zweifel an der These aufkommen, dass die Grande Nation eher dem Vatikanstaat gleicht, wenn es um Rockmusik geht.

Nun legt das Quintett nach. Inzwischen leben die Hush Puppies in Paris, und Silence Is Golden klingt entsprechend etwas urbaner, vielschichtiger und reifer als das Debüt. Und das ist ein kleines Problem. Zwar gibt es hier die richtigen Vorbilder, den nötigen Einsatz und auch genug gute Lieder. A Trip To Vienna entwickelt nach dem langsam-psychedelischen Anfang einen ordentlichen Kick, das rasante Last Organ hat eine an Supergrass erinnernde, satt-schmissige, ähm: Orgel. Down, Down, Down ist grundsolide und sehr charmant. Broken Matador ist, wie so vieles hier, ein wenig überambitioniert, wird aber von netten Details und einem erstaunlichen Drive zum Schluss gerettet.

Aber sowohl die Riffs als auch die Melodien sind ein wenig schwach auf der Brust. Moloko Sound Club hat zwar einen wilden und packenden Refrain, doch er setzt viel zu unvermittelt ein. Die Single Bad Taste And Gold On The Doors lärmt hohl wie zuletzt die Dandy Warhols, auch der Refrain “I want my Kate Moss / I want my Rolls Royce / I want gold on the doors” ist nicht halb so witzig wie gedacht.

Love Bandits soll ruhig und tiefsinnig sein, ist aber bloß langweilig und überflüssig. Es sieht aus, als hätte die Band ihre natürliche Eleganz verloren und sei zum fashion victim geworden. Perignan verhält sich zu Paris eben so wie eine Garage zu einem Salon. Und darin sieht man mit einer Stromgitarre manchmal einfach deplatziert aus.

In Frankreich heißt so etwas wohl Femme Fatale: Der Clip zu Bad Taste And Gold On The Doors:

Die Hush Puppies bei MySpace.

Hingehört: Coldplay – “X & Y”

Januar 16, 2008 · Posted in CD-Regal, Musik · 8 Comments 

Coldplay: nicht cool. Coldplay: sehr gut.

Künstler Coldplay
Album X & Y
Label Parlophone
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung ****1/2

Warum Coldplay plötzlich nicht mehr cool sind, weiß der Himmel (und die britische Musikpresse). Die Band ist sich stets treu geblieben, ihre Musik höchstens besser, der Look schreit noch immer so laut “INDIE!”, dass die Cribs daneben aussehen, als hätten sie gerade eine Prada-Boutique ausgeraubt. Und trotzdem würden Hipster X & Y wohl nicht einmal mit der Kneifzange anfassen.

Natürlich gibt es Gründe dafür, und sie sind nicht schwer zu verstehen: die Stadion-Tournee, die Hollywood-Ehefrau, der Bono-Effekt. Chris Martin wirft sich auf der Bühne tatsächlich in Erlöser-Posen, samt mahnender Botschaft auf dem T-Shirt und anprangerndem Slogan auf den Handrücken. Und natürlich ist das lächerlich, vor allem von einem Mann, dessen Lyrik noch nie über das Niveau von pubertierenden Weltverbesserern hinausgekommen ist, die Afrika, das Klima und das Gesundheitssystem retten wollen. Oder auch bloß ihr Meerschweinchen.

Und doch muss man zu seiner Verteidigung sagen: Dieses Element der Hoffnung, das Versprechen auf das Licht am Ende des Tunnels, das stille Kopfschütteln über das unausrottbar Böse in der Welt – all dies waren von Anfang an zentrale Elemente der Coldplay-Philosophie. Keinen Deut ist die Gruppe von ihrem Weg abgewichen.

Natürlich bekritteln viele insgeheim schlicht, dass diese Lieder inzwischen von viel zu vielen Menschen geliebt werden, und so etwas hat ja immer zur Folge, dass Kunst an Homogenität einbüßt und viel zu viele verschiedene Dinge bedeutet, um noch einzigartig zu sein. Aber dass so viele Fans Coldplay gefolgt sind, kann man der Band wohl kaum ankreiden.

Zumal das Quartett auch auf dem dritten Album X & Y wieder eifrig versucht, das ihm huldigende Publikum vor den Kopf zu stoßen. Inzwischen fällt das kaum mehr auf, weil man die Hits nun aus dem Radio kennt und weiß, dass die exorbitanten Verkäufe dieser Platte wohl die Existenz der Plattenfirma Emi gerettet haben.

Doch wer diese Musik als Kuschelrock abtut, der muss ein reichlich irres Verständnis von Kuschelrock haben. Die erste Minute ist Walgesang mit einem Schreibmaschinen-Beat, im Refrain lärmen Gitarren und Schlagzeug, und nur Chris Martins Gesang, der sich in himmlische Höhen aufschwingt, bringt überhaupt so etwas wie Harmonie in Square One. Zerlegt man White Shadows in seine Bestandteile aus schräger Gitarre und rustikalem Schlagzeug, dann könnten diese Bausteine auch in Stücken von Sonic Youth, Nirvana oder Radiohead verkommen – auch wenn niemand der Genannten dem Stück dann einen derart packenden Refrain oder ein auch nur annähernd so göttliches Ende verpassen könnte. Talk sampelt tatsächlich Kraftwerk, mit deren Segen (und was könnte cooler sein?).

Der Titelsong vereint arabische Elemente mit der spinnerten Weltraum-Lyrik von Muse und einem Streicher-Outro, das den Beatles Ehre gemacht hätte. Im Hintergrund von Low flattern Gitarrentöne wie Schmetterlinge, der Refrain hat einen unerbittlichen Drive, der an – jawohl – Hardrock denken lässt, danach werden Gläser geprügelt und Streicher gefoltert.

Daneben gibt es das, was es bisher auf allen Coldplay-Platten gab, und nirgends in solch perfekter Form wie von diesen vier Briten: Momente purer Schönheit, zum Dahinschmelzen naiv, pur und echt. What If ist so einer, die Strophe ganz und gar herzzerreißend, der Refrain vertonte Leidenschaft, ein Höllenritt gen Himmel, auf Streichern und durch Festungswände von Gitarren. Auch Kingdom Come, der akustische hidden track: ein offenes Gitarren-Tuning, wie es Led Zeppelin geliebt haben, eine nostalgische Orgel, und diese Stimme, an der sich alle verlorenen Seelen dieser Welt wärmen können.

Die Unbedingtheit und Schlichtheit von A Message ist entwaffnend, hübschere und elegantere Liebesgeschichten als The Hardest Part oder Swallowed In The Sea wird man kaum finden. Das schlicht perfekte Fix You wird eine Verheißung, so groß und glaubwürdig, dass es eine Religion begründen könnte: “Lights will guide you home / and ignite your bones / and I will try to fix you”, singt Chris Martin, und dann sprengen ein monströses Schlagzeug und eine schreieinde Gitarre förmlich Raum und Zeit, die Erdanziehung und die Erbsünde. Am Ende des Taumels steht erneut das Versprechen, dass alles gut wird. Das ist vielleicht blauäugig. Vielleicht ist es aber auch alles, was man in dieser Welt bekommen kann.

Das unerreichte Fix You live beim Glastonbury:

Coldplay bei MySpace.

Ägypten

Januar 13, 2008 · Posted in Fotos, Ich · Comment 

Alt und warm: so ist Ägypten, und das reicht noch immer aus, um jedes Jahr Millionen Touristen anzulocken. Bei meinem Kurztrip habe ich aber auch bittere Armut entdeckt und Hoteliers, die in die Infrastruktur investieren.

Hingehört: Wu-Tang Clan – “8 Diagrams”

Januar 7, 2008 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 

Das "Wu" steht auch in "8 Diagrams" noch für "Wucht".

Künstler Wu-Tang Clan
Album 8 Diagrams
Label Bodog
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Gut zehn Jahre ist die Blütezeit des Wu-Tang Clans jetzt schon her. Damals war es zwar nicht das stilprägendste, aber sicherlich das spannendste Kollektiv im gesamten HipHop-Geschäft. Doch Eitelkeiten, Drogenprobleme und Gefängnisaufenthalte der Mitglieder sorgten dafür, dass der einst stolze Zusammenschluss zerbröselte.

Dass nun, sechs Jahre nach dem letzten Werk Iron Flag ein neues Wu-Tang-Album vorliegt, ist deshalb überraschend genug. Dass 8 Diagrams (eine Anspielung auf einen alten Martial-Arts-Film) dem Namen des Clans trotz der weiterhin untereinander verkrachten Mitglieder keine Kratzer verpasst und an manchen Stellen sogar richtig gut ist, muss man beinahe eine Sensation nennen.

Natürlich ist das nicht mehr Stand der Dinge, was die Beats angeht. Timbaland kriegt nur im Opener Campfire sein Fett weg, hat hier sonst aber nichts zu suchen. Dafür gibt es Tracks, die so schnörkellos und so sehr auf den Punkt sind, dass sie immer noch beeindruckende Wucht haben (Take It Back, Unpredictable, Starter). Der tiefe Bass als Markenzeichen lässt es im opulenten Rushing Elephants krachen. Und die mittelschwere George-Harrison-Vergewaltigung The Heart Gently Weeps wird zumindest dadurch legitimiert, dass der Sohn des Ex-Beatles mitmacht – und die bezaubernde Erykah Badu.

Mit dem hübschen Life Changes gibt es noch eine Verbeugung vor dem 2004 gestorbenen Ol’ Dirty Bastard. Und auf 16th Chamber (einem von zwei Bonustracks, die es zusätzlich zu einer DVD auch noch mit dem Album gibt) darf das Ex-Mitglied sogar noch einmal in bewährt irrer Manier mitrappen – aus dem Archiv.

Keine Ahnung, was George Harrison zu The Heart Gently Weeps sagen würde. Vielleicht ist es auch besser, wenn man das nicht weiß:

Der Wu-Tang Clan bei MySpace.

Hingehört: Sand Rubies – “Mas Cuacha”

Januar 5, 2008 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 

Mit "Mas Cuacha" kehren die Sand Rubies zurück aus den Jagdgründen.

Künstler Sand Rubies
Album Mas Cuacha
Label Blue Rose
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ***

Die Sand Rubies sind wieder da. Vor fünf Jahren war das Quartett aus Tucson, Arizona noch mit einer zünftigen Abschiedstour in die ewigen Jagdgründe des Desert-Rocks eingegangen. Doch nun sind Tausendsassa Rich Hopkins & Co. zurück. Und Mas Cuacha lässt keinen Zweifel daran, dass das für alle Freunde des Gitarrenrocks eine gute Nachricht ist.

Sturm und Drang (Satellite Radio), Jangle-Orgien (Ferment), Powerpop (Showcase 89) und hübsche Duette (Flotsam And Jetsam) gibt es. Dazu einen Start, der in seiner Bedrohlichkeit und Gitarrenverliebtheit an ein frühes Oasis-Demo erinnert. Und das starke Fuk ‘Em, das in seiner Mischung aus Bitterkeit und Nonchalance auch die großartigen Jungs von Cracker nicht besser hingekriegt hätten. Ein Highlight.

Heimspiel: Die Sand Rubies spielen Satellite Radio live in Tucson:

Sand Rubies bei MySpace.

Trend verschlafen

Januar 4, 2008 · Posted in Kommentare, Weltgeschehen · Comment 

In die Innenstädte darf man bald vielleicht nicht mehr mit dem Auto, auf der Autobahn droht ein Tempolimit, die Kfz-Steuer könnte nach der Reform steigen – kein Wunder, dass die Deutschen da nicht in einen Neuwagen-Kaufrausch verfallen. Die Politik macht es Autofahrern und -bauern derzeit denkbar schwer, die mobile Zukunft sicher zu planen. Doch für die schwachen Zahlen, die die Hersteller nun vorgelegt haben, ist sie längst nicht allein verantwortlich.

Die Flaute hat viele Gründe: Die Mehrwertsteuererhöhung hatte zu vorgezogenen Käufen geführt, die Automesse IAA im Herbst brachte nicht den erhofften Schub, die Inflation samt der steigenden Spritpreise zieht den potenziellen Käufern das Geld aus der Tasche.

Da können Designer und Techniker noch so reizvolle Träume auf Rädern entwerfen – viele Menschen haben einfach kein Geld, sich ein neues Auto zu leisten. Das belegt vor allem der schockierende Einbruch bei den Privatzulassungen, der insbesondere den Massenherstellern Opel und Ford zu schaffen macht. Vermutlich wären die Zahlen durchweg noch schlechter ausgefallen, hätten die Hersteller sie nicht durch Eigenzulassungen und ruinöse Rabattaktionen noch einigermaßen geschönt.

Auch die Autobauer selbst haben zu den Problemen beigetragen: Dass nicht alle Kunden wirklich Autos wollen, die immer schneller, größer, schwerer, besser ausgestattet und teurer als ihre Vorgänger sind, haben die meisten Hersteller viel zu spät – und manche noch gar nicht – erkannt. Die Gewinner im Markt bauen sparsame und bezahlbare Autos. Doch diesen Trend haben die deutschen Marken verschlafen.

Dass die Bilanz dennoch nicht komplett düster ausfällt, haben sie einzig dem boomenden Export zu verdanken. Doch auch dort ziehen dunkle Wolken auf: Die Weltkonjunktur flaut ab, der Konsum in den USA droht einzubrechen und der starke Euro drückt auf die Renditen der deutschen Hersteller, die zudem in Wachstumsmärkten wie Indien oder Russland nicht immer glänzend positioniert sind.

Die Zukunft sieht deshalb nicht rosig aus – zumal die EU-Kommission neue Klimaschutzauflagen plant, die weitere Verunsicherung und Verteuerung mit sich bringen. Das wird zunächst auf Kosten der Händler gehen, deren Margen schon längst denkbar niedrig sind, doch früher oder später auch die Hersteller treffen. Sie sollten endlich wieder auf die wirklichen Bedürfnisse der Kunden eingehen, statt mit überzogenem Marketing eine Pseudo-Nachfrage nach fahrenden Fantasien zu kreieren.