Hingehört: Madsen – “Frieden im Krieg”
| Künstler | Madsen |
| Album | Frieden im Krieg |
| Label | Universal |
| Erscheinungsjahr | 2008 |
| Bewertung | ***1/2 |
Es gibt Platten, die tarnen sich, wachsen, schlummern. Ganz unauffällig. Sie kommen zunächst ganz unspekatakulär daher und explodieren dann plötzlich, entfalten und offenbaren sich. Madsen haben noch nie so eine Platte gemacht.
Auch Frieden im Krieg, das dritte Album des Quartetts aus dem Wendland, ist unfassbar direkt, eindeutig und unverschlüsselt.
Wie schon zuletzt auf Goodbye Logik gibt es auch hier keine Ironie, keine Bilder, keine Rätsel. Nur tolle Rocksongs, die einen sofort anspringen, ohne deshalb oberflächlich zu sein.
Der mitreißende Opener Ja oder nein, die wilde Single Nachtbaden, die in bester Tocotronic-Manier auf einen Slogan (“Ich weigere mich”) setzt, das energische Du bist wie du bist, das feurige Verschwende dich nicht, das selbstreflektive Liebeslied, das famose Wenn der Regen – wieder gibt es ein gutes halbes Dutzend Kracher.
Aber auch das putzige Vollidiot mit enorm elegantem Bläser-Arrangement und dem bitteren Geschmack einer Zweisamkeit, die ihren Sinn vergessen hat, und das zum Sterben schöne Astronaut sind ein Fest. Und wäre nicht auch die Sprache so direkt, würde man merken: Eine bessere Platte würden Ash oder die Strokes auch nicht machen, wenn sie auf Deutsch sängen.
So ähnlich klingt es wohl, wenn bei Tocotronic plötzlich Sommeralarm ist: Das umwerfende Nachtbaden:
Hingehört: Dion – “Son Of Skip James”
| Künstler | Dion |
| Album | Son Of Skip James |
| Label | SPV |
| Erscheinungsjahr | 2007 |
| Bewertung | **1/2 |
So etwas nennt man wohl eine Legende. Seit fast 20 Jahren ist Dion in der Rock and Roll Hall Of Fame, vor fast 50 Jahren hatte er seinen ersten Hit. Und kurz darauf rettete ihm der Geiz das Leben: Nur weil ihm das Ticket zu teuer war, stieg er nicht in das Flugzeug, das Buddy Holly, Ritchie Valens und The Big Bopper in den Tod riss.
Ein household-name ist Dion DiMucci, der in der Bronx aufwuchs und zu Beginn seiner Karriere Riesenhits wie Teenager In Love oder Runaround Sue hatte, trotzdem nicht. Das liegt daran, dass es in seiner Laufbahn immer wieder große Lücken gibt, etwa die quasi kompletten 1970er und 1980er Jahre. Doch nun meldet sich Dion wieder regelmäßig: Ein Jahr nach Bronx In Blue, das für den Grammy nominiert wurde, lebt er erneut seine Vorliebe für den Blues aus.
Son Of Skip James beginnt schwach, denn Nadine klingt im Vergleich zu Chuck Berrys Original viel zu septisch. Doch es wird schnell besser: My Babe und Hoodoo Man Blues haben einen wunderbar lockeren Groove, Drop Down Mama besticht mit flirrendem 12-String-Sound, If I Had Possession Over Judgement D wird frei, aber packend.
Zu den Highlights zählt auch The Thunderer, neben dem etwas einfallslosen Titelsong eine von zwei Eigenkompositionen auf Son Of Skip James. So konzis – und vor allem so knochentrocken – kann man wohl erst komponieren, wenn man eine Legende ist.
Noch ein Riesenhit aus den besten Jahren von Dion: The Wanderer:
Dion ist nicht bei MySpace.


