Draufgeschaut: Elizabeth I.

Juni 30, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Königin Elizabeth I. (Helen Mirren) steht unter Druck.

Königin Elizabeth I. (Helen Mirren) steht unter Druck.

Film Elizabeth I.
Produktionsland USA/Großbritannien
Jahr 2005
Spielzeit 223 Minuten
Regie Tom Hooper
Hauptdarsteller Helen Mirren, Jeremy Irons, Patrick Malahide, Ewen Brenner, Hugh Dancy, Barbara Flynn
Bewertung ****

Worum geht’s?

Elizabeth I., Königin von England, sieht sich unter Druck: Die Katholiken wollen sie stürzen, die eigene Regierung liegt der unverheirateten Monarchin wegen der Sorge um einen Thronfolger in den Ohren. Ihr einziger Vertrauter ist der Earl of Leicester. Doch auch mit seiner Hilfe werden die Probleme der Königin nicht geringer.

Das sagt shitesite:

Dank einer famosen Helen Mirren gelingt fulminantes Historien-Kino, das trotz der imposanten Spielzeit nur wenig Längen hat. Der zentrale Konflikt der Regentschaft Elizabeths und der Monarchie im Allgemeinen, nämlich die Unvereinbarkeit von Privatem und Politischen, wird in Elizabeth I. grandios gespielt und seziert.

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Elementarteilchen

Juni 29, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · 1 Comment 
Bruno (Moritz Bleibtreu) ist süchtig nach Sex.

Bruno (Moritz Bleibtreu) ist süchtig nach Sex.

Film Elementarteilchen
Produktionsland Deutschland
Jahr 2006
Spielzeit 108 Minuten
Regie Oskar Roehler
Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Franka Potente, Martina Gedeck, Nina Hoss, Uwe Ochsenknecht, Corinna Harfouch
Bewertung ***

Worum geht’s?

Bruno und Michael sind Halbbrüder. Beide sind bei (jeweils verschiedenen) Großmüttern aufgewachsen – und ganz unterschiedlich geworden. Der eine ist Lehrer, verrückt nach Sex, findet seine Frau aber nicht mehr begehrenswert. Der andere ist Biologe, noch Jungfrau und verliebt in eine Sandkastenfreundin. Als Bruno in die Psychiatrie kommt und Michael eine wissenschaftliche Sensation entdeckt, gerät ihre Welt aus den Fugen – wieder auf ganz unterschiedliche Weise.

Das sagt shitesite:

Ein Wort, das man bei einer Houellebecq-Verfilmung nicht unbedingt vermuten würde: einfühlsam. Außerdem ist Elementarteilchen grandios gespielt und wirft immerhin gelegentlich einen Blick in die tiefsten Tiefen der menschlichen Sehnsüchte und Instinkte.

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Der Staatsfeind Nr. 1

Juni 29, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · 1 Comment 
Der Anwalt Robert Dean (Will Smith, links) findet in Brill (Gene Hackman) einen Komplizen.

Der Anwalt Robert Dean (Will Smith, links) findet in Brill (Gene Hackman) einen Komplizen.

Film Der Staatsfeind Nr. 1
Originaltitel Enemy Of The State
Produktionsland USA
Jahr 1998
Spielzeit 132 Minuten
Regie Tony Scott
Hauptdarsteller Will Smith, Gene Hackman, Jon Voight, Lisa Bonet, Regina King, Jack Black
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Die US-Regierung plant ein neues Sicherheitsgesetz, das den Ermittlungsbehörden deutlich mehr Eingriffe in die Privatsphäre gestattet. Der Kongressabgeordnete Hammersley will diesem Einstieg in den Überwachungsstaat nicht zustimmen – und wird vom Geheimdienst aus dem Weg geräumt. Zufällig wird der Mord aber auf Video aufgezeichnet, und die Aufnahme gelangt über Umwege in die Hände des Anwalts Robert Dean. Der wird dadurch zum Staatsfeind Nr. 1 – und er weiß zunächst gar nicht, welches Spiel da gespielt wird. Erst als der Geheimdienst es binnen weniger Tage geschafft hat, seine Karriere, seine Beziehung und sein Leben zu ruinieren, fängt er an, sich zu wehren. Doch kann er dem Netz aus Überwachung und Intrigen wirklich entkommen?

Das sagt shitesite:

Der Staatsfeind Nr. 1 greift all die Paranoia auf, die sich angesichts des Konflikts aus Überwachungsstaat und Datenschutz aufbauen kann. Immer wieder wird die Allmacht der Technik gezeigt, mit Hightech-Satelliten im All, der Amateur-Optik von Überwachungskameras, mit eingeblendeten Uhrzeiten und Geodaten-Kommandos. Das einzig Beruhigende an diesem Szenario ist, wie unglaubwürdig es hier in seiner Allgegenwart inszeniert wird. Als Thriller mit etwas Anspruch und solider Spannung funktioniert Der Staatsfeind Nr. 1 trotzdem. Zum einen ist Will Smith ein Glücksgriff für die Rolle des Anwalts, der lange Zeit nichtsahnend, aber schon sehr früh mächtig sauer ist. Zum anderen schafft es Der Staatsfeind Nr. 1, genau die Quintessenz des Konflikts auch in die Mitte des Films zu stellen: Der Omnipotenz des bösen Überwachungsstaats steht hier die Ohnmacht des Unbescholtenen gegenüber, der nichts auf seiner Seite hat als die Wahrheit.

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Miss Undercover 2

Juni 28, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Gracie Hart (Sandra Bullock, links) muss in Las Vegas einer Freundin aus der Patsche helfen.

Gracie Hart (Sandra Bullock, links) muss in Las Vegas einer Freundin aus der Patsche helfen.

Film Miss Undercover 2
Originaltitel Miss Congeniality 2: Armed and Fabulous
Produktionsland USA
Jahr 2005
Spielzeit 115 Minuten
Regie John Pasquin
Hauptdarsteller Sandra Bullock, Regina King, Enrique Murciano, William Shatner, Heather Burns
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Seit sie in einem Undercover-Einsatz an einer Misswahl teilgenommen und dabei den zweiten Platz belegt hat, ist die FBI-Agentin Gracie Hart ein großer Star. Das bringt ein naheliegendes Problem mit sich: Weil sie überall erkannt wird, kann sich nicht mehr Undercover ermitteln. Stattdessen soll sie das Aushängeschild des FBI werden und tingelt fortan mit eigenem Stylisten durch die Talkshows. Als aber Miss America, mit der Gracie seit der Misswahl befreundet ist, entführt wird, will sie den Tätern wieder selbst auf die Schliche kommen – auch wenn sie niemand mehr als Agentin ernst nimmt.

Das sagt shitesite:

Miss Undercover 2 ist eine sehr gelungene Fortsetzung. Sandra Bullock gibt Gracie Hart wieder als Tollpatsch mit Pech in der Liebe, aber auch mit Hang zu Kraftausdrücken und Schlägereien - Bridget Jones trifft Beatrix Kiddo. Vor allem aber wird Miss Undercover 2 so ein Vergnügen, weil sich der Film in keinem einzigen Moment selbst ernst nimmt. Die Pflichtbesessenheit des FBI wird ebenso auf die Schippe genommen wie der Irrsinn von Las Vegas oder die Überdrehtheit des Showbiz. In jedem Fall: sehr unterhaltsam.

Bestes Zitat:

“Abmachungen sind wie Perlenketten: Sie sind hübsch, aber sie reißen. Sie gehen ständig kaputt.”

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Eiskalte Engel

Juni 28, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Sebastian (Ryan Phillipe) gelingt es, die unschuldige Cecile (Selma Blair) zu verführen.

Sebastian (Ryan Phillipe) gelingt es, die unschuldige Cecile (Selma Blair) zu verführen.

Film Eiskalte Engel
Originaltitel Cruel Intentions
Produktionsland USA
Jahr 1999
Spielzeit 97 Minuten
Regie Roger Kumble
Hauptdarsteller Sarah Michelle Gellar, Ryan Phillipe, Reese Witherspoon, Selma Blair
Bewertung ***

Worum geht’s?

Sebastian ist ein Weiberheld. Er schließt eine Wette mit seiner Stiefschwester: Er will die Tochter des neuen Schuldirektors rumkriegen, die von ihrer Enthaltsamkeit überzeugt ist. Der Fiesling und das Unschuldslamm finden tatsächlich zueinander. Doch die Wette und Sebastians Hassliebe zu seiner durchtriebenen Stiefschwester entwickeln eine ganz eigene Dynamik.

Das sagt shitesite:

Eiskalte Engel ist ein ordentliches Teenie-Drama, das vor allem von den beiden Hauptdarstellern (die schließlich im echten Leben geheiratet haben), einer konsistenten Atmosphäre und einigen überraschenden Wendungen lebt. Die erotische Spannung zwischen den Stiefgeschwistern und die Intrigen, die die beiden spinnen, kommen aber nicht voll zur Entfaltung.

Der Trailer zum Film:

Hingehört: Oasis – “Time Flies”

Juni 27, 2010 · Posted in CD-Regal, Musik · 21 Comments 

"Time Flies" erinnert daran: Oasis führten einen Blitzkrieg gegen das Selbstmitleid.

Künstler Oasis
Album Time Flies
Label Sony
Erscheinungsjahr 2010
Bewertung *****

Es gibt drei Stufen, wenn man die Bedeutung einer Band erkennen will. Die erste Stufe: der Kopf. Dort hineinzukommen, ist nicht allzu schwer. Oft reicht ein einziges Wort (wie ein dämlich gestottertes Papapapapapapapapokerface), eine markante Tonfolge (wie das White-Stripes-Riff, das nun bis ans Ende aller Tage von Fußballfans diverser Nationen vergewaltigt werden wird) oder eine hübsche Melodie, die man auf dem Weg zur Arbeit pfeifen kann (wie meinetwegen alles, was OMD vor 25 Jahren gemacht haben), um sich in den Köpfen der Menschen festzusetzen.

Die zweite Stufe ist schon ein bisschen schwieriger. Es geht ums Herz. Hier muss der Hörer selbst aktiv werden. Denn ins Herz schließt man ein Lied normalerweise nicht wegen seines Textes, seiner Komposition oder der Arrangements. Sondern wegen des Kontexts. Ein unvergesslicher Konzertabend, an dessen Ende der erste Kuss steht. Eine schwere Zeit, in der ein ganz spezieller Song der einzige Trost ist, um die eigene Trauer zu überwinden. Ein Karaoke-Versuch, bei dem man sich vor Übereifer fast den Hals bricht. Solche Momente vergisst man nicht – und schon gar nicht die Lieder, die dazugehörten.

Die dritte Stufe aber ist die Krönung der Bedeutsamkeit. Es braucht eine quasi magische Konstellation, ein Jahrhunderttalent und herkulischen Heldenmut, um dorthin zu gelangen, und nur die Besten stoßen in diese Dimension vor: die Haare. Jawohl. Eine wirklich prägende, epochale, bedeutsame Band erkennt man an den Haaren. Wenn die Leute plötzlich deine Frisur tragen wollen, dann hast du es wirklich geschafft.

Ob Beatles, Sex Pistols oder Nirvana: Sie alle sahen auch in puncto Haartracht ganz speziell aus, ihre Fans griffen diesen Look auf und machten ihn zum Ausdruck ihrer Jugendkultur. Wer also noch einen Beweis braucht, dass Oasis die bedeutendste Rockband der vergangenen 20 Jahre waren, der muss sich nur in der Fußgängerzone umschauen. Noch immer laufen dort jede Menge junge Männer rum, die von der Stirn an aufwärts aussehen wie Noel und Liam.

Natürlich bin auch ich einer davon. Zu meiner Verteidigung kann ich anführen: Ich hatte diese Frisur schon immer, seit ich Haare habe. Oasis kamen mir auch deshalb höchst gelegen, denn sie haben dafür gesorgt, dass mein Kopf plötzlich modern aussah.

Auch deshalb soll hier bitte niemand eine neutrale Kritik von mir erwarten. Ich will gar nicht lange drumrum reden: Oasis sind Götter für mich. Es soll Menschen geben, die daran zweifeln, dass Musik ganz unmittelbaren Einfluss auf unser aller Biographien nehmen kann. Aber selbst wenn ich in 30 Jahren darüber schmunzeln sollte, wie viel mir diese Band einmal bedeutet hat, werde ich auch dann nicht abstreiten können: Oasis haben mein Leben verändert. Ohne diese Band, ohne diese Lieder (und ohne diese Frisur) wäre ich heute ein anderer Mensch.

Sie kamen genau zu der Zeit, als ich eine Band brauchte, die mehr im Sinn hatte als Destruktion, Zweifel und Larmoyanz. Sie waren ein Aufbruch, und fortan malte ich ihr Logo auf die Schulbänke, lernte ihre Songs auf der Gitarre und wurde immer noch überzeugter in meiner Bewunderung mit jeder Stufe, die Oasis auf der Leiter zur berühmtesten Rockband der Welt erklommen.

Plötzlich war da eine Bewegung, eine Tradition, eine Perspektive. Und, im Gegensatz zu den Nirvana-Jüngern, Techno-Fans oder HipHoppern in meiner Generation waren Oasis nie auf Exklusivität angelegt. Man konnte sie, am Anfang, wunderbar als Insider-Tipp ganz für sich haben. Als sie dann aber die Welt eroberten, war das kein Makel, sondern von Band und Fans gewollt und nur die schlüssige Konsequenz ihrer Großartigkeit. Und die Frisur trug ich da schon längst nicht mehr aus Zufall, sondern als Symbol.

Man mag den Zusammenhang von Frisur und Musik für eine alberne Argumentation halten. Doch die Matte lässt bei Oasis auch erstaunliche Rückschlüsse auf die Mucke zu. Denn ebenso wie die Band aus Manchester in 15 Jahren quasi keinen einzigen innovativen Ton hervorgebracht hat, so ist natürlich auch die Frisur ganz und gar Referenz, Tradition, Statement. Den leicht verwilderten Pilzkopf, den man in Friseursalons in der Provinz womöglich noch immer «Britpop-Schnitt» nennt, haben die Brüder Gallagher nämlich selbstverständlich nicht erfunden, sondern von den Stone Roses geklaut, die ihn wiederum von den Beatles übernommen haben.

Damit sind schon zwei der drei wichtigsten Elemente in der Karriere von Oasis benannt: die Betonung einer spezifisch britischen Tradition. Und der Anspruch, sich von dieser beeindruckenden Ahnenreihe nicht nur inspirieren zu lassen, sondern es den Vorbildern gleich zu tun, sie gar zu übertreffen. Standing On The Shoulder Of Giants könnte man dieses Prinzip nennen, so wie das vierte Oasis-Album.

Das dritte konstituierende Element ist Optimismus. Das mag heute banal klingen, war aber am Beginn der Oasis-Karriere ebenso aufsehenerregend wie die Behauptung, besser als die Beatles zu sein. Denn 1994, als Oasis ihre erste Single Supersonic veröffentlichten, war die Gitarre zum Trübsalblasinstrument verkommen.

Sechs Tage, bevor Supersonic in die Läden kam, hatte sich Kurt Cobain erschossen – eine im Rückblick faszinierende zeitliche Nähe. Denn gegen den Grunge-Sound, für den der Nirvana-Frontmann das Aushängeschild war, waren die Gallagher-Brüder angetreten. Noch heute ist das mein allerliebstes Liam-Gallagher-Zitat: “Don’t talk to me about Nirvana. And you can fuck your fucking Pearl Jam.” Bei Oasis ging es nicht um Introspektion, Psychoanalyse oder postpubertäres Gejammer wie bei vielen Grunge-Bands. Die Gallaghers spielten in einer Band, um Spaß zu haben – und der Welt zu zeigen, dass sie die Größten sind.

Die furiosen 283 Sekunden von Supersonic waren ein Blitzkrieg gegen das weinerliche Selbstmitleid, das vor allem den US-Rock wie eine Epidemie befallen hatte. Oasis setzten dem Euphorie, Kampfeslust und Hedonismus entgegen.

Wie bedeutend dieser Paradigmenwechsel war, wird erst im Rückblick deutlich, den Time Flies ermöglicht, die Sammlung sämtlicher Oasis-Singles auf einer Doppel-CD. Oasis waren die erste Band seit langem, die Rockmusik machte, die das Leben bejahte, die erfolgreich sein wollte und bewundert. Spätere Rockgrößen wie die Strokes, Franz Ferdinand oder die Kings Of Leon wären ohne diesen Ansatz undenkbar.

All dies gelang Oasis dank der einzigartigen Kombination der Gallagher-Brüder. Wie essentiell beide für die Band waren, zeigt sich nicht nur seit der offiziellen Auflösung im August 2009. Noel Gallagher plant Soloprojekte, sein jüngerer Bruder Liam wollte ursprünglich die Band ohne den musikalischen Kopf weiterführen. Doch allen Beteiligten war von Anfang an klar, dass keine wie auch immer geartete Zukunft die Magie dieses Duos würde erreichen können.

Liams sagenhafte Stimme, die ebenso angriffslustig wie rührend sein kann, die in jedem Moment Attitüde ist und doch stets mitten aus dem Herz kommt, und Noels unbestreitbarer Status als «bester Songschreiber seiner Generation» (Beatles-Produzent George Martin), waren nicht nur die Triebfedern für einen lebenslangen Konkurrenzkampf, sondern auch die Basis für eine unvergleichliche Karriere.

Time Flies ist aber auch der Beweis, dass Oasis nicht wegen ihrer kulturellen Bedeutung in Erinnerung bleiben werden, der Schlagzeilen im Boulevard oder den Einträgen im Guinness Buch der Rekorde (alle ihre Alben erreichten Platz 1 in Englands Charts, 22 Singles in Folge kamen in die Top 10, mehr als 2,5 Millionen Menschen wollten Tickets für ihre zwei Open-Air-Konzerte in Knebworth 1996 haben, das ein Jahr später erschienene Be Here Now war das am schnellsten verkaufte Album aller Zeiten). Sondern wegen der Musik.

26 Singles, vom wilden Rock’N'Roll Star über Klassiker wie Whatever, Live Forever und Wonderwall bis hin zu wunderhübschen Akustikskizzen wie Songbird, kaum eine davon weniger als perfekt. Auch die schwächsten dieser Lieder würden jeder Newcomer-Band Lobeshymnen einbringen, mit einem Bruchteil dieser Klasse könnten andere Gruppen eine ganze Karriere bestreiten.

Dazu kam bei Oasis eine Energie, die man sonst nur bei Fußballspielen erlebt: Diese Band brauchte die unbedingte Anbetung durch die Fans. Erst diese Bewunderung spornte sie zu Großtaten an – und brachte ihnen in der Folge noch mehr Beifall.

Wer Oasis einmal vor einem unbeteiligten Publikum erlebt hat, beispielsweise bei einem Festival, der konnte erleben, wie leicht dieses Konstrukt kollabieren und in Unlust und gegenseitiger Enttäuschung enden konnte. Ich selber habe das bei Rock am Ring 2000 miterlebt. Ein paar Tage vorher hatten Oasis im Leipziger Haus Auensee noch eine göttliche Show vor einem atemlosen Publikum hingelegt. Nun hatte sie ebenso wenig Lust auf ein Publikum, das erst überzeugt werden wollte, wie die Fans auf eine Band, die sich keinerlei Mühe gab, sie für sich zu gewinnen.

Wer hingegen ein Konzert in England sah, vor eingefleischten Oasis-Afficionados, der wurde Teil eines unvergleichlichen Synergieeffekts, der sogar so stark war, dass die im Prinzip meist sinnlosen Texte von Oasis plötzlich wie Philosophie klangen, wie die Form all dessen, was man heraus lassen wollte, wie ein Glaubensbekenntnis. “I need to be myself / I can be no one else”, die ersten Zeilen von Supersonic, sind so ein Beispiel. Was auf dem Papier belanglos klingt, wird plötzlich zum perfekten Schlachtruf für den eigenen Stolz.

Der beste Beleg dafür sind die Statements am Anfang des Booklets von Time Flies. Hier kommen Fans zu Wort, aus Irland, Kanada oder Schweden. «Sie bedeuten alles», heißt es da. «Sie haben unsere Generation definiert.» «Wenn man Oasis hört, fühlt man sich selbst wie ein Rockstar.» Das ist die Wahrheit. Und auch wenn keine Bilder zu sehen sind, ahnt man, dass all diese Fans nicht nur die Liebe zu Oasis gemeinsam haben. Sondern sehr wahrscheinlich auch: die Frisur.

Es funktioniert noch immer. Und es klingt nach wie vor geil: Supersonic, live in London 2008:

Oasis bei MySpace.

Draufgeschaut: Die Flucht

Juni 26, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Lena (Maria Furtwängler) muss mit ihrem Gefolge aus Ostpreußen fliehen.

Lena (Maria Furtwängler) muss mit ihrem Gefolge aus Ostpreußen fliehen.

Film Die Flucht
Produktionsland Deutschland
Jahr 2007
Spielzeit 182 Minuten
Regie Kai Wessel
Hauptdarsteller Maria Furtwängler, Jürgen Hentsch, Jean-Yves Berteloot, Frédéric Vonhof, Tonio Arango, Angela Winkler, Hanns Zischler, Max von Thun, Adrian Wahlen, Adrian Goessel, Gabriela Maria Schmeide
Bewertung **1/2

Worum geht’s?

Eigentlich war Lena, Gräfin von Mahlenberg, aus Berlin in ihre ostpreußische Heimat zurückgekehrt, um sich dort mit ihrem todkranken Vater auszusöhnen. Doch weil fast alle Männer an der Front sind, muss sie schnell wieder die Leitung des Guts übernehmen. Und schließlich mit dem gesamten Gefolge aus Ostpreußen fliehen, als die Ostfront des Zweiten Weltkriegs immer näher rückt. Die Flucht mitten im Winter wird eine Tortur und eine Zerreißprobe – ebenso wie die Frage, für welchen Mann sich Lena entscheiden soll.

Das sagt shitesite:

Obwohl sich das aufwendig produzierte Historiendrama mehr als drei Stunden Zeit nimmt, müssen die historischen Fakten arg verknappt werden. So beginnt Die Flucht ziemlich abrupt. Danach gibt es wunderschöne Landschaftsaufnahmen, viele starke Frauen und viele feige Männer, die sich gleich reihenweise in den Selbstmord flüchten. So gelingt es dem Film zwar, vor Augen zu führen, wie eine ganze Kultur, eine Epoche, eine Heimat innerhalb weniger Monate verschwindet. Die Flucht zeigt auch gekonnt das Dilemma des ostpreußischen Adels, der an Weltschmerz, Stolz und vor allem Verantwortungsbewusstsein zu zerbrechen droht. Doch vor allem, weil um die Strapazen der Flüchtlinge gleich noch ein Familiendrama und eine dreifache Liebesgeschichte gestrickt werden, bekommt das Epos auch Züge von Rosamunde Pilcher – und das ist (auch) in diesem Kontext fatal. Dass die Deutschen hier zwar leiden müssen, aber letztlich den Krieg angefangen haben, darauf wird nur ganz am Anfang per Stimme aus dem Off hingewiesen. Und während die Russen vergewaltigen und mehrfach wild um sich ballern, sieht man erst nach knapp zwei Stunden erstmals, wie deutsche Soldaten unschuldige Kriegsgefangene erschießen. Unterm Strich malt Die Flucht somit ein gefährliches Idyll von einer Landschaft, die aus gutem Grund nicht mehr zu Deutschland gehört, und einer Zeit, die Demokratie mit Anstand und Recht mit persönlichem Ehrgefühl zu ersetzen versuchte. So wird das heikle Thema Vertreibung zwar eindrucksvoll inszeniert, könnte aber kaum rückwärtsgewandter sein, wenn Erika Steinbach Regie geführt hätte.

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Dumm und dümmer

Juni 25, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · 1 Comment 
Lloyd (Jim Carrey) und sein Freund Harry (Jeff Daniels) sind auf dem Weg nach Colorado.

Lloyd (Jim Carrey) und sein Freund Harry (Jeff Daniels) sind auf dem Weg nach Colorado.

Film Dumm und dümmer
Produktionsland USA
Jahr 1994
Spielzeit 108 Minuten
Regie Peter und Bobby Farrelly
Hauptdarsteller Jim Carrey, Jeff Daniels, Lauren Holly
Bewertung **1/2

Worum geht’s?

Lloyd Christmas ist ein Chauffeur. Und ein Trottel. Als er die adrette Mary zum Flughafen fährt, verliebt er sich prompt in sie. Er wittert seine Chance, als sie scheinbar ihr Gepäck am Flughafen vergisst – Lloyd schnappt sich den Aktenkoffer und will ihn dann höchstpersönlich zu seiner Angebeteten nach Colorado bringen. Was er nicht weiß: Mary hatte den Koffer absichtlich zurückgelassen, denn darin befindet sich Lösegeld. Und nun hat Lloyd auf dem Weg nach Colorado jede Menge Ärger am Hals.

Das sagt shitesite:

Eine Komödie muss nicht bedeutend, spannend oder politisch sein, sondern bloß witzig. Und das ist Dumm und dümmer. Leider kann man heute nicht mehr nachvollziehen, wie irre die Grimassen des damals noch unbekannten Jim Carrey im Jahr 1994 gewirkt haben müssen. Dafür funktioniert der sehr einfache Humor von Dumm und dümmer auch heute noch auf nicht spektakuläre, aber doch solide Weise. Es gibt Witze auf Kosten von Schwulen und Behinderten, Witze mit Fürzen und Urin – und die Erkenntnis, wie amüsant es im Kino wirkt, wenn sich erwachsene Männer schlicht und einfach wie Kinder benehmen.

Der Trailer zum Film:

Draufgeschaut: Jurassic Park 3

Juni 24, 2010 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · 1 Comment 
Der Paläontloge Alan Grant (Sam Neill) wird durch einen Trick auf die Isla Soma gebracht.

Der Paläontloge Alan Grant (Sam Neill) wird durch einen Trick auf die Isla Soma gebracht.

Film Jurassic Park 3
Produktionsland USA
Jahr 2001
Spielzeit 92 Minuten
Regie Joe Johnston
Hauptdarsteller Sam Neill, William H. Macy, Téa Leoni, Alessandro Nivola, Laura Dern
Bewertung **

Worum geht’s?

Auf der Isla Soma leben noch immer Dinosaurier als Überbleibsel eines genetischen Experiments. Doch niemand darf in die Nähe der Insel kommen. Als der kleine Eric Kirby jedoch bei einem Flug mit einem Gleitschirm in der Nähe der geheimen Insel verschwindet, unternehmen seine Eltern alles, um ihn zu finden. Sie chartern ein Flugzeug, das auf der verboteten Isla Soma landen soll – und bekommen durch einen Trick den Paläontologen Alan Grant dazu, sie als Reiseführer zu begleiten. Doch als der mitbekommt, dass das Flugzeug tatsächlich inmitten der Dinosaurier landen soll, weiß er: Auf der Insel wartet der Tod.

Das sagt shitesite:

Wenn man bedenkt, dass die ersten beiden Teile von Jurassic Park auf Romanvorlagen basieren, dann ist es frappierend, wie wenig Plot es hier gibt. Jurassic Park 3 macht sich kaum die Mühe, eine halbwegs plausible Handlung vorzutäuschen, sondern setzt sehr schnell und sehr reichlich auf Special Effects und viel Action. Erstere geraten nach wie vor beeindruckend, letztere nur noch selten originell.

Der Trailer zum Film:

Der kritische Blick: Fahrverbote sind Schwachsinn

Juni 23, 2010 · Posted in Ich, Kommentare, Videos, Weltgeschehen · Comment 

Die Innenministerkonferenz sitzt wieder mal zusammen. Und weil sich bei dieser Gelegenheit immer gleich ganz viele Dorfsheriffs als die härtesten beweisen wollen, gibt es mal wieder eine originelle Idee: Vor allem bei jugendlichen Straftätern könne ein Fahrverbot abschreckender wirken als eine Geld- oder Haftstrafe. Deshalb könnten demnächst auch kleinere Eigentums- oder Körperdelikte mit einem Führerscheinentzug bestraft werden. Ich meine: Schwachsinn. Wer sich das ausgedacht hat, verliert die Realität aus dem Blick – und die Gerechtigkeit.

Mehr Kommentare zu aktuellen Themen gibt es bei den News.de-Videos.

Nächste Seite »