Deutsch und trotzdem lustig – geht das überhaupt?

Mai 31, 2011 · Posted in Bewegtbild, TV · 2 Comments 

Deutschland ist für vieles bekannt. Pünktlichkeit (trotz Thomas Gottschalk). Tolle Torhüter (trotz Oliver Reck). Spießigkeit (trotz Udo Lindenberg, Klaus Kinski und Tokio Hotel). Humor gilt im Allgemeinen aber nichts als deutscher Exportschlager. Das verbreitete Klischee: Die Deutschen gehen zum Lachen in den Keller.

Dabei könnte ein Blick in die nächstbeste Programmzeitschrift das Ausland sofort überzeugen: Die Deutschen sind verrückt nach Spaß. Comedy (und das, was sich dafür hält), erfreut sich nach wie vor auf allen Kanälen größter Beliebtheit. Ich habe mich gefragt: Woher kommt der Comedy-Boom? Und wenn wir alle so gerne Mario Barth und Cindy aus Marzahn oder auch Dieter Nuhr und Georg Schramm sehen – sind wir dann vielleicht doch keine so schrecklichen Spaßbremsen?

Den kompletten Artikel samt einer Fotostrecke mit den witzigsten Deutschen gibt es auf news.de.

Draufgeschaut: Ghostbusters

Mai 29, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · 1 Comment 
Das Geschäft der Geisterjäger läuft blendend. Aber können sie New York retten?

Das Geschäft der Geisterjäger läuft blendend. Aber können sie New York retten?

Film Ghostbusters
Produktionsland USA
Jahr 1984
Spielzeit 105 Minuten
Regie Ivan Reitman
Hauptdarsteller Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis, Ernie Hudson, Sigourney Weaver, Rick Moranis, Annie Potts
Bewertung ***

Worum geht’s?

Peter Venkman erforscht mit seinen Kollegen paranormale Phänomene. Doch die Geschäfte laufen nicht allzu gut. Während sein Team nach wie vor von jedem scheinbar übersinnlichen Vorfall in helle Aufregung versetzt wird, ist Venkman zum Zyniker geworden, der lieber hübschen jungen Frauen nachsteigt als verwirrte Augenzeugen seltsamer Ereignisse zu befragen. Als er dann auch noch gefeuert wird, hebt das nicht gerade seine Laune. Doch er hat einen Plan: Er will sich mit seinen Kollegen selbstständig machen und die Dienste des Teams als professionelle Geisterjäger anbieten. Schon bald wird das Trio in der ganzen Stadt gebraucht. Denn ein böser Gott will nach New York zurückkehren – und nur die Geisterjäger können ihn aufhalten.

Das sagt shitesite:

Klamauk in aller Konsequenz – das ist die Stärke von Ghostbusters. Hier wird nicht nur auf Science-Fiction-Wahn, okkulte Überreste, Heldenmythen, die Coolness der Großstadt und religiöse Eiferer angespielt. Ghostbusters erfindet zusätzlich dazu tatsächlich eine eigene Wissenschaft (samt einer eigenen Fachsprache), um sie dann genüsslich durch den Kakao ziehen zu können. Das ist kein bisschen logisch, aber dank der Special Effects sehr sehenswert und dank der Dialoge sehr amüsant.

Bestes Zitat:

“Ich persönlich ziehe die Universität vor. Die haben uns immer Geld und Einrichtung gegeben und wir brauchten nichts zu produzieren.”

Der Trailer zum Film:

Hingehört: The Airborne Toxic Event – “All At Once”

Mai 28, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Alles, was an Rock gerade angesagt ist, bietet "All At Once".

Alles, was an Rock gerade angesagt ist, bietet "All At Once".

Künstler The Airborne Toxic Event
Album All At Once
Label Island
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

All At Once – einen passenderen Titel könnte es kaum geben für das zweite Album von The Airborne Toxic Event. Denn alles auf einmal, alles ganz plötzlich – das umschreibt ganz gut die bisherige Karriere des Quintetts aus Los Angeles.

Der Nukleus für die Entstehung der Band war eine Serie von Schicksalsschlägen, die Sänger Mikel Jollett widerfuhr und die er verarbeitete, indem er Songs komponierte (zuvor hatte er sich eher dem Schreiben gewidmet). Als er dann seine Mitstreiter zusammen hatte (Jolletts Prägung durch die Literatur kommt noch im Bandnamen The Airborne Toxic Event zum Ausdruck, der einem Roman von Don DeLillo entnommen ist), startete die Band sofort durch. Lieder von The Airborne Toxic Event wurden im Radio gespielt, bevor sie überhaupt offiziell veröffentlicht waren. Ihr 2008 veröffentlichtes Debütalbum kürte der Boston Herald zum besten Erstlingswerk des Jahres. Und die Single Sometime Around Midnight wurde bei iTunes zum Alternative Song Of The Year.

Die Begeisterung ist nicht schwer nachzuvollziehen: The Airborne Toxic Event schaffen es auch auf All At Once, Indie-Geist mit beinahe orchestraler Grandezza zu vereinen. Vor allem aber bieten sie alles auf einmal, was in puncto Rockmusik gerade en vogue ist. Mitunter klingt All At Once wie ein Sampler, der alle gerade angesagten Radiorockgrößen versammelt.

Man kann daraus einen Vorwurf konstruieren. Gerade, weil es so perfekt in der Ausführung ist, wirkt All At Once manchmal ein bisschen kalkuliert. Zudem ist das Grundgerüst hier zwar klassisch, die Facetten sind aber so vielseitig, dass so etwas wie eine Identität von The Airborne Toxic Event darin tatsächlich schwer auszumachen ist. Blendet man dieses Phänomen aus, kann man aber auch ganz gemütlich einfach die Songs bestaunen.

Der Titelsong zum Beginn baut nicht nur Spannung auf, sondern gleich ganz großes Theater, das an den White Lies geschult zu sein scheint und auch eine Prise Arcade Fire beinhaltet. Die Single Numb (keine Coverversion, aber U2 sind bekennende Fans von The Airborne Toxic Event) oder die Ballade Half Of Something Else sind ebenso fein austariert und profitieren im Refrain von der enormen Leidenschaft, die Jollett in seine Stimme zu packen vermag.

Changing erinnert an die besten Momente von The Blood Arm, mit All For A Woman zeigen The Airborne Toxic Event, dass sie genauso pathetisch sein können wie die Courteeners, mit It Doesn’t Mean A Thing, dass sie auch das Rabaukige der Arctic Monkeys drauf haben.

Welcome To Your Wedding Day lässt Green Day und die Killers aufeinander prallen. Strange Girl hätte die Wombats glücklich machen können und zeigt, dass Produzent Dave Sardy, der zuletzt alles, was er in die Finger bekam (inklusive Oasis) mit einer unerträglichen Nostalgie-Suppe überzogen hat, auch noch zu ein bisschen Frische imstande ist. All I Ever Wanted erinnert an Maximo Park, der akustische Rausschmeißer The Graveyard Near The House hat bei Hey There Delilah ganz genau hingehört.

Einen einzigen Moment gibt es, in dem All At Once peinlich wird. The Kids Are Ready To Die ist dieser Moment, mit Textzeilen wie “Punks like us were always receiving instruction” soll es wohl eine Hymne in der Liga von Teenage Kicks sein, doch es klingt so hoffnungslos übertrieben, dass man eher vermutet, die Toten Hosen seien plötzlich nach Kalifornien ausgewandert.

Ansonsten ist All At Once freilich mehr als gelungen. Manch einer wird die Nase rümpfen, aber es ist kein Problem, wenn man trendy ist und in die Charts kommen will – solange man derart gute Songs hat.

Stromausfall: The Airborne Toxic Event spielen die Single Numb streng akustisch:

The Airborne Toxic Event bei MySpace.

 

Draufgeschaut: Der Tunnel

Mai 27, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Harry (Heino Ferch) und Fritzi (Nicolette Krebitz) kommen sich unter der Erde näher.

Harry (Heino Ferch) und Fritzi (Nicolette Krebitz) kommen sich unter der Erde näher.

Film Der Tunnel
Produktionsland Deutschland
Jahr 2001
Spielzeit 188 Minuten
Regie Roland Suso Richter
Hauptdarsteller Heino Ferch, Nicolette Krebitz, Sebastian Koch, Alexandra Maria Lara, Mehmet Kurtulus, Claudia Michelsen, Felix Eitner, Uwe Kockisch
Bewertung ***1/2

Worum geht’s?

Zwei Wochen nach dem Bau der Berliner Mauer flieht Harry mit einem falschen Pass aus der DDR. Dort war er ein erfolgreicher Schwimmer, wurde wegen seiner widerspenstigen politischen Ansichten aber auch drangsaliert. Auch sein bester Freund Matthis sieht seine Zukunft im Westen und findet über die Kanalisation den Weg dorthin. Doch Harry und Matthias haben ihre Lieben in Ost-Berlin zurücklassen müssen. Harry will seine Schwester Lotte zu sich holen, zu der er ein sehr inniges Verhältnis hat. Matthis wurde auf der Flucht von seiner schwangeren Frau Carola getrennt, die er nun ebenfalls in den Westen schaffen will. Die beiden werden zu Fluchthelfern. Sie planen einen Tunnel in den Osten, unter der Mauer durch. Doch der Bau erfordert nicht nur höchste Geheimhaltung. Auch ihre Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Das sagt shitesite:

Der Tunnel ist einer der besten Filme über die deutsch-deutsche Zeitgeschichte, ebenso beklemmend wie spannend. Eindrucksvoll wird das Werk nicht nur, weil der Plan, heimlich einen Tunnel unter der Mauer durch zu bauen, einer Herkules-Aufgabe gleicht. Vor allem beeindruckt Der Tunnel, weil zugleich auch das Schicksal der Zurückgebliebenen im Osten gezeigt wird. Wie unüberwindlich die Mauer schon nach wenigen Monaten erschien (etwas übertrieben deutlich inszeniert in der Szene, als Fritzis Freund Heiner auf der Flucht erschossen wird), und wie sehr trotzdem der Westen in den Osten und der Osten in den Westen wirkte, das führt Der Tunnel sehr geschickt vor Augen.

Bestes Zitat:

“Es ging um die Freiheit und meine Würde. Und das ist das Wichtigste, was mich am Leben erhält.”

Der Trailer zum Film:

Durchgelesen: Best Of Comedy

Mai 26, 2011 · Posted in Bücher, Bücherregal · 1 Comment 
"Best Of Comedy" versammelt Beiträge von Humoristen, die wenig miteinander zu tun haben.

"Best Of Comedy" versammelt Beiträge von Humoristen, die wenig miteinander zu tun haben.

Autor Diverse
Titel Best Of Comedy
Verlag Riva
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung **

“In der Unterdrückung hat der Witz Hochkultur”, hat Matthias Matussek unlängst in einem Gespräch im Freitag festgestellt. Insofern sollte man meinen, irgendjemand oder irgendetwas hält die Republik seit Jahren mächtig unter der Knute. Zumindest den gewichtigen Teil des Volkes, der zum TV-Publikum gehört. Denn der einst von RTL Samstag Nacht, Sat1-Wochenshow und dem Quatsch Comedy Club in Gang gesetzte Siegeszug der Fernseh-Ulknudeln kennt weiterhin kein Ende.

Kein Wunder also, dass da der eine oder andere versucht, ein bisschen mitzuverdienen. Eines der Ergebnisse ist Best Of Comedy. Das Buch versammelt bereits zuvor (praktischerweise zum Teil im selben Verlag) erschienene Beiträge von 14 Humoristen. Das Ergebnis ist freilich weit davon entfernt, einen repräsentativen Überblick über die aktuelle deutsche Komik-Kultur zu geben. Stattdessen wird hier zusammengeführt, was nicht zusammen gehört.

Das betrifft nicht nur die Prominenz (Größen wie Helge Schneider oder Otto Waalkes stehen Newcomer wie Matze Knop und No-Names wie Michaela Moses gegenüber). Es betrifft auch die Form. Denn Best Of Comedy enthält Kolumnen und anderes, das als Text konzipiert war, an anderer Stelle gibt es hingegen einfach transkribierte Sketche. Und es betrifft natürlich die Qualität.

Für ein Buch, das sich Best Of Comedy nennt, ist die Lacherdichte erstaunlich gering. Willy Astor lässt ein Feuerwerk von Wortspielen los, allerdings funktionieren seine Pointen gesprochen deutlich besser als geschrieben, denn sowohl der Dialekt als auch die Pausen sind bei ihm oft genug das Salz in der Suppe. Olaf Schubert ist genial wie immer, Helge Schneider ist mit einem eher untypischen Text aus der Quasi-Biographie Bonbon aus Wurst vertreten.

Horst Evers ist hingegen nur leidlich witzig, Sascha Korf steuert einen komplett unlustigen Ratgeber bei. Ingo Oschmann findet kein originelleres Opfer für seine Kalauer als die Deutsche Bahn. Chris Boettcher versucht sich an Lothar-Matthäus-Englisch, allerdings ist manch Übersetzungsprogramm kreativer als sein Fränglisch mit Loddar. Michael Mittermeier zeigt sich wie immer: zu selbstverliebt. Auch Matze Knop ist in Buchform genauso wie im Fernsehen: Er wäre besser zu ertragen, wenn es nicht so viel von ihm gäbe.

Immerhin zeigen Uralt-Sketche von Otto Waalkes, die hier ebenfalls noch einmal aufgewärmt werden, dass man auch früher schon gerne über schlechte Witze gelacht hat. Und dann ist da ja noch Oliver Kalkofe. Ganz am Schluss von Best Of Comedy gibt es einige seiner Kolumnen. Bitterbös und reflektiert kriegt dann endlich auch das Medium sein Fett weg, dem wir dieses Machwerk zu verdanken haben: das Fernsehen.

Das beste Zitat steuert Willy Astor bei: “Lektüre, die blöd macht, gibt es auch, z. B. die Biografien von Daniel Küblböck, Boris Becker, Dieter Bohlen. Wenn Sie diese Bücher öffnen, werden Sie es leise stöhnen hören: ‘Ah, oh, uh, oh!’ Das sind die Leiden der jungen Wörter.”

 

Draufgeschaut: La mala edcación

Mai 25, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Regisseur Enrique (Fele Martinez, links) bekommt Besuch von seinem alten Freund Ignacio (Gael Garcia Bernal).

Regisseur Enrique (Fele Martinez, links) bekommt Besuch von seinem alten Freund Ignacio (Gael Garcia Bernal).

Film La mala edcación
Produktionsland Spanien
Jahr 2004
Spielzeit 105 Minuten
Regie Pedro Almodovar
Hauptdarsteller Gael García Bernal, Fele Martínez
Bewertung ***

Worum geht’s?

Enrique ist Regisseur. Als er gerade auf der Suche nach einem geeigneten Stoff für einen neuen Film ist, trifft er Ignacio wieder. Der alte Freund bringt ihm das Manuskript einer Geschichte, die in der gemeinsamen Schulzeit spielt. Doch aus dem faszinierenden Wiedersehen wird schnell eine Intrige.

Das sagt shitesite:

La mala educación ist eine geschickt angelegte Geschichte von Missbrauch und Schuld, Sehnsucht und Verstellung. Dazu ist der Film voller toller Bilder. Um über mehr als anderthalb Stunden zu fesseln, ist La mala educación aber ein bisschen zu künstlerisch – und deutlich zu selbstverliebt.

Der Trailer zum Film:

Der kritische Blick: Lady Gaga ist bloß Verpackung

Mai 24, 2011 · Posted in Ich, Kommentare, Videos, Weltgeschehen · Comment 

Auch mit dem gerade erschienenen Born This Way wird Lady Gaga die Charts erobern. Kaum zu glauben: Es ist erst ihr zweites Album, trotzdem ist sie seit drei Jahren quasi omnipräsent. Auch das zeigt: Musik spielt bei Lady Gaga so gut wie keine Rolle. Wegen ihrer Lieder wird Lady Gaga nicht in Erinnerung bleiben. Das Unverwechselbare an ihr ist die Oberfläche – und sonst nichts.

Mehr Kommentare zu aktuellen Themen gibt es bei den News.de-Videos.

Draufgeschaut: Thank You For Smoking

Mai 23, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Nick Naylor (Aaron Eckhart) kämpft für das Image der Zigarettenindustrie.

Nick Naylor (Aaron Eckhart) kämpft für das Image der Zigarettenindustrie.

Film Thank You For Smoking
Produktionsland USA
Jahr 2005
Spielzeit 92 Minuten
Regie Jason Reitman
Hauptdarsteller Aaron Eckhart, Maria Bello, Cameron Bright, Robert Duvall, Adam Brody, Sam Elliott, Katie Holmes, David Koechner, Rob Lowe
Bewertung ****

Worum geht’s?

Nick Naylor weiß genau, was sein größtes Talent ist: Er ist ein Schwätzer. Er kann Leute bequatschen, verwirren, becircen. Als Pressesprecher für die Tabakindustrie ist er deshalb enorm erfolgreich. Doch nach und nach muss er hinterfragen, ob er wirklich einen so unmoralischen Job machen kann: Sein Sohn zweifelt an ihm, eine attraktive Journalistin will ihm auf den Zahn fühlen, und dann kommen auch noch Drohungen von Zigaretten-Gegnern dazu.

Das sagt shitesite:

Ganz ähnlich wie Daniel Price in seinem Buch Hype führt Jason Reitman in Thank You For Smoking die Mechanismen der PR-Branche vor. Dass Nick Naylor nicht für die Unterhaltungbranche arbeitet, sondern für die Zigarettenindustrie, steigert diesen Effekt nur noch. Wenn sein Protagonist sich mit den Kollegen der Alkohol- und Schusswaffenlobby trifft, wenn er dem krebskranken Marlboro-Mann einen Koffer voll Schweigegeld bringt oder einen Hollywood-Produzenten überreden will, seine Filmstars doch wieder mehr rauchen zu lassen, dann wird klar: Zynismus ist hier das einzige Gesetz – und zwar auf allen Seiten. Dass Thank You For Smoking auch die Machenschaften der vorgeblich Guten vorführt, macht den Film so clever. Dazu kommt eine gute Portion Stil: Ganz oft wird mit Special Effects wie Grafiken, Comic-Anspielungen oder Freeze-Momenten gearbeitet, und das verleiht dem Film eine wunderbare Leichtigkeit, ohne dass Thank You For Smoking deshalb etwas von seiner moralischen Schlagkraft oder der Klarheit seiner Botschaft einbüßen würde.

Bestes Zitat:

“Ich verdiene mein Geld damit, dass ich eine Organisation vertrete, die 1200 Menschen am Tag tötet.”

Der Trailer zum Film:

Interview mit Digitalism

Mai 22, 2011 · Posted in Interviews, Weltgeschehen · 1 Comment 
Jens Moelle und Isi Tuefekci (rechts) haben auf dem zweiten Album Lust auf Extreme. Foto: Kitsuné

Jens Moelle und Isi Tuefekci (rechts) haben auf dem zweiten Album Lust auf Extreme. Foto: Kitsuné

In knapp vier Wochen erscheint I Love You, Dude, das äußerst gelungene zweite Album von Digitalism. Gerade haben die Hamburger die neuen Songs bei Konzerten in Dresden und Berlin vorgestellt, im Sommer stehen für Jens Moelle und Ismail „Isi“ Tuefekci unter anderem Hurricane, Southside, Wireless und Melt an.

Vorab habe ich mit Isi über die Frage gesprochen, warum das zweite Digitalism-Album fast nach einem Werk von Roxette benannt worden wäre, wie gut man die Strokes per E-Mail erreichen kann – und welchen Einfluss die Simple Minds auf I Love You, Dude hatten.

Euer Debüt ist mittlerweile vier Jahre alt. Gibt es inzwischen ein Lied von Idealism, das Euch zum Hals raus hängt, das Euch vielleicht sogar peinlich ist?

Tuefekci: Nein. Da sind nur Sachen drauf, wo wir 100 Prozent dahinter stehen.

Auch die Tatsache, dass ihr die Songs inzwischen so oft live gespielt habt, konnte ihnen in dieser Hinsicht nichts anhaben?

Tuefekci: Nein, eigentlich gar nicht. Es ist doch wundervoll, wenn man die Lieder, die man produziert hat, weltweit präsentieren kann. Es gibt nichts Schöneres.

Jetzt steht I Love You, Dude in den Startlöchern. Ist ein Album noch ein zeitgemäßes Format für Eure Musik? Beispielsweise die unlängst veröffentlichte Blitz EP zeigt ja zumindest an, dass Ihr auch nichts dagegen hättet, neues Material ein bisschen spontaner veröffentlichen zu können.

Tuefekci: Mit der EP war das ein bisschen anders. Wir hatten einfach Lust drauf, die Nummer rauszuhauen. Blitz haben wir im letzten Jahr die ganze Zeit schon bei den Festivals aufgelegt, und die Nummer ging jedes Mal richtig gut ab. Da haben wir uns gesagt: Lass uns doch mal wieder ein kleines Lebenszeichen von uns geben. Ich bin froh, dass wir mit beiden Formaten arbeiten können. Auf dem Album hat man die Albumversion, und auf die 12“ kann man dann noch eine paar andere Mixes packen, die mehr cluborientiert sind.

Man könnte aber auch vier 12“ pro Jahr raushauen und es dabei belassen. Wo liegt für Digitalism der Reiz des Albums?

Tuefekci: Wenn man ein Album im Ganzen hört, versteht man vielleicht, dass das alles zusammengehört. Ein Album ist für uns etwas anderes als zwölf wahllos zusammengestellte Tracks. Da soll eine Story dahinter sein. Das war schon beim ersten Album so: Man kann Idealism von Anfang bis Ende hören – und man wird kein Stück finden, das einfach nur so dahingeklebt ist.

Fürs zweite Album habt Ihr den Titel I Love You, Dude gewählt, weil es einfach sympathisch und entspannt klingt. Ist es auch ein bisschen eine Liebeserklärung an den Mitstreiter: Ich bin froh, dass ich Dich habe, ohne Dich hätte ich es nicht so weit gebracht?

Tuefekci: Das denken viele. Aber so war es nicht gedacht. Wir achten uns natürlich sehr, verstehen uns blind und arbeiten sehr entspannt zusammen. I Love You, Dude bezieht sich eher darauf, dass viele Leute zu viel nachdenken und zu verkrampft mit vielen Dingen umgehen. Wir wollten die Message weitergeben: Bleibt doch mal ein bisschen entspannt – auch, weil wir selbst ganz entspannt an die Arbeit am zweiten Album herangegangen sind.

Angeblich wolltet Ihr das neue Album zuerst Tourism nennen. Stimmt das?

Tuefekci: Genau.

Ihr habt Euch dann aber nicht dagegen entschieden, weil es ein Roxette-Album gleichen Namens gibt?

Tuefekci: Nein, so genau haben wir das gar nicht recherchiert (lacht). Tourism hätte aus einem anderen Grund gut gepasst: Auf dem Album geht es auch ums Herumreisen, um Bewegung. Ich kann jedem nur raten: Hört euch das Album an, wenn ihr in Bewegung seid! Im Auto, im Flieger oder auf dem Fahrrad – dafür ist es gemacht. Trotzdem haben wir uns dann gegen Tourism entschieden. Auch, weil es das nächste –ism gewesen wäre und wir uns nicht zu sehr auf diese Masche festnageln lassen wollten. Das ist uns sehr wichtig. Deshalb gibt es auch ein neues Logo zur neuen Platte.

Als ich I Love You, Dude gehört habe, hat das drei Reaktionen in mir ausgelöst: Ich wollte tanzen, ich wollte mitsingen und ich wollte remixen. Wenn nur eine von diesen Reaktionen möglich wäre: Welche würdest Du Dir von Eurem Publikum wünschen?

Tuefekci: Tanzen. Weil es eine Art von Bewegung ist. Das trifft aber auch auf Mitsingen zu, in gewisser Weise auch aufs Remixen. Insofern kann ich mit allen drei Reaktionen sehr gut leben, das hast Du wirklich auf den Punkt gebracht. Aber abtanzen wäre das Schönste. Dass man bei einem Album mitsingt, ist auch gut. Aber dass man zuhause in der Küche zu einem Album tanzt, das kommt sicher nicht so oft vor.

Und wie ist es ums Remixen bestellt? Wenn Ihr an den Tracks arbeitet – denkt Ihr dann schon mit, wie man sie vielleicht weiter verarbeiten könnte?

Tuefekci: Nein. Ich denke, dass das auch schwierig wäre, weil wir einfach so viel Spaß daran haben, so viele verschiedene Genres zusammenzupacken und diese Songs dann wirklich zu Ende zu produzieren. Erst danach kommt die Frage: Welche Elemente kann man da vielleicht noch einmal rausziehen, um einen Remix zu machen?

Tanzen, Mitsingen, Remixen – könnte man darin vielleicht sogar die drei Kernelemente von Digitalism sehen?

Tuefekci: Das ist schwer zu sagen, darüber habe ich noch nie richtig nachgedacht. Wenn ich definieren müsste, worum es bei uns geht, dann würde ich sagen: ganz viele Elemente zusammenzupacken. Den melodiösen Part, den härteren Part, die Indie-Part, den Club-Part. Darum geht es, aber da steckt kein größeres Konzept dahinter. Wir fangen einfach an. Bei I Love You, Dude hat sich das so ausgewirkt, dass alles ein bisschen extremer geworden ist. Die melodiösen Sachen sind noch melodiöser geworden, die harten Sachen noch härter.

Ist das auch auf neue Einflüsse zurückzuführen? Habt Ihr Sachen gehört oder ausprobiert, die bei Idealism noch gar keine Rolle gespielt haben?

Tuefekci: Jens und ich mögen ja fast die gleiche Musik, auch wenn jeder noch seine eigene Ecke hat. Und dann spielen wir uns im Studio gegenseitig Sachen vor, die uns gefallen. I Travel war so ein Beispiel, eine alte Nummer von den Simple Minds. Die ist aus dem Jahr 1980, aber wenn man das heute hört, klingt es fast wie eine Soulwax-Nummer. Aber es gab keinen bestimmten Künstler, der das Album geprägt hätte, sondern ganz viele verschiedene Einflüsse, die uns inspiriert haben. Das hört man I Love You, Dude auch an, denke ich. 2 Hearts ist fast eine klassische Britpop-Nummer, auf der anderen Seite steht Circles, das nach Gary Numan oder LCD Soundsystem klingt.

Forrest Gump ist gemeinsam mit Julian Casblancas entstanden, dem Sänger der Strokes, und zwar über E-Mail. Wie darf man sich das denn vorstellen?

Tuefekci: Das war eigentlich ganz einfach. Wir haben ein Demo gehabt, haben das an sein Management geschickt und er hat sich prompt zurück gemeldet. Wir haben dann seine Idee übernommen und weiter damit gearbeitet. Aber wir waren ehrlich gesagt selbst ein bisschen überrascht: Wow, so ein Typ wie Julian Casablancas hat Lust, etwas mit uns zu machen! Leider war er dann ziemlich unter Zeitdruck. Er musste noch das Strokes-Album schreiben, war gerade auf Tour, dann stand eine Promo-Tour an und er war auch noch gerade Vater geworden. Das machte es ein bisschen kompliziert.

Ist das auch der Grund, warum er auf dem Track nicht singt? Das wäre ja naheliegend gewesen.

Tuefekci: Daran haben wir gar nicht gedacht. Vielleicht klappt das später einmal, wenn er ein bisschen mehr Zeit hat. In jedem Fall hat er uns gesagt, dass er ein ziemlicher Fan unserer Musik ist.

Eine rein virtuelle Zusammenarbeit – das wäre ja auch eine gute Lösung für Digitalism, falls Ihr Euch mal irgendwann verkrachen solltet und Euch nicht mehr sehen könnt: Der eine schickt den Drumbeat, der andere packt einen Synthie drauf – und am Ende hat man trotzdem ein gemeinsames Werk.

Tuefekci: Viele Produzenten arbeiten wirklich so. Das hat die Arbeit in gewisser Weise viel einfacher und globaler gemacht: Ein Produzent in Paris kann jetzt problemlos mit einem Kollegen in Australien zusammen Musik machen.

Wäre das für Digitalism eine Perspektive? Oder ist es bei Euch essenziell, dass Jens und Du sich wirklich im selben Raum befinden?

Tuefekci: Ich denke, wir könnten als Band auch bloß übers Internet kommunizieren, aber das würde nicht so gut funktionieren wie wenn wir wirklich nebeneinander sitzen. Wenn man mit vier Händen kocht, kommt am Ende vielleicht nur Scheiße dabei raus. Wenn aber einer kocht und der andere abschmeckt, ist das Ergebnis wahrscheinlich viel leckerer. So ähnlich ist das bei unserer Arbeitsweise als Band: Jens dreht, und ich schneide die besten Szenen raus. Deshalb ziehe ich es auf jeden Fall vor, wenn wir beieinander stehen.

Du hast jetzt zweimal „Band“ gesagt. In den Anfangstagen von Digitalism habt Ihr Euch noch gegen diesen Begriff gewehrt und immer klargestellt: Wir sind keine Band. Wir sind zwei Produzenten, die zusammenarbeiten. Was hat sich nun geändert?

Tuefekci: Idealism war wirklich ein Album, das von zwei Produzenten gemacht wurde. Aber danach hat man uns ins kalte Wasser geschmissen und gesagt: So, Ihr spielt jetzt live. Und diese Erfahrung hat Digitalism wirklich verändert. Wir haben viel gesehen und viel erlebt. I Love You, Dude ist auf jeden Fall aus einer ganz anderen Perspektive heraus entstanden. Wir sind jetzt wirklich eine Band. Eine Zwei-Mann-Band, auch wenn das vielleicht komisch klingt.

Digitalism bei MySpace.

Draufgeschaut: Scary Movie 2

Mai 22, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Ein unheimlicher Hausmeister? Das deutet auf ein Spuk-Haus hin.

Ein unheimlicher Hausmeister? Das deutet auf ein Spuk-Haus hin.

Film Scary Movie 2
Produktionsland USA
Jahr 2001
Spielzeit 78 Minuten
Regie Keenen Ivory Wayans
Hauptdarsteller Anna Faris, Regina Hall, Shawn Wayans, Marlon Wayans, Christopher Masterson, Kathleen Robertson, Tori Spelling, Tim Curry, David Cross
Bewertung **

Worum geht’s?

Seit Jahren forscht Professor Oldham über paranormale Phänomene. Für ein ganz besonderes Experiment lockt er eine Gruppe von Studenten für ein Wochenende in ein verlassenes Herrenhaus. Schnell finden die Versuchsobjekte heraus, dass es der Professor bloß darauf abgesehen hat, Sex mit den Studentinnen zu haben. Doch das ist bei weitem nicht die einzige mysteriöse Überraschung, die auf die Gruppe wartet. Stattdessen erfahren sie alle: “In diesem Haus geht ganz schön viel unheimlicher Scheiß ab.”

Das sagt shitesite:

Nach nicht einmal fünf Minuten hat Scary Movie 2 schon Witze mithilfe von Urin, Kotze, Kacken und Blasphemie gemacht. Das gibt die Richtung vor: Die Parodien auf gängige Horror-Klischees und Klassiker des Genres von Plotergeist bis Hannibal (sowie Nicht-Horror-Streifen wie Titanic oder Ey Mann, wo ist mein Auto) sind wie schon im ersten Teil durchaus stilecht und glänzen sogar mit Liebe zum Detail. Trotzdem wird Scary Movie 2 erschlagen von seiner eigenen Brachialität. Auch einige wirklich amüsante Szenen wie der Kampf mit einer wildgewordenen Hauskatze oder die famose Persiflage einer Nike-Werbung können letztlich nicht für so viel Plumpheit entschädigen.

Bestes Zitat:

“Das ist ein Skelett, das sind bloß Knochen! Würdest Du auch vor Ally McBeal wegrennen?”

Der Trailer zum Film:

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