Der kritische Blick: Mach’s gut, Udo Lattek!

Mai 22, 2011 · Posted in Ich, Kommentare, Videos, Weltgeschehen · Comment 

Zum letzten Mal wird Udo Lattek heute als Dauer-Experte im Doppelpass zu sehen sein. In 16 Jahren haben seine Beiträge eine Menge dazu beigetragen, dass die Sendung zum erfolgreichsten Format bei Sport1 geworden ist. Ich werde ihn vermissen. Denn Lattek ist beinahe so sehr zum Kult geworden wie das Phrasenschwein. Vor allem, weil er auf niemand Rücksicht nehmen muss. Und das macht ihn zum Helmut Schmidt des Fußball-Talks.

Mehr Kommentare zu aktuellen Themen gibt es bei den News.de-Videos.

Draufgeschaut: Lolita

Mai 21, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Lolita (Dominique Swain) spielt mit den Gefühlen von Humbert (Jeremy Irons).

Lolita (Dominique Swain) spielt mit den Gefühlen von Humbert (Jeremy Irons).

Film Lolita
Produktionsland USA/Frankreich
Jahr 1997
Spielzeit 132 Minuten
Regie Adrian Lyne
Hauptdarsteller Jeremy Irons, Dominique Swain, Melanie Griffith
Bewertung ****

Worum geht’s?

Der Lehrer Humbert zieht als Untermieter bei Familie Haze ein. Die laszive verwitwete Hausherrin macht ihm Avancen. Doch Humbert hat es eher auf die 12-jährige Tochter abgesehen, die ihn an eine Jugendliebe erinnert. Es ist der Beginn einer verhängnisvollen Affäre.

Das sagt shitesite:

Natürlich enthält die Handlung kaum Überraschungen angesichts der Romanvorlage, die namensgebend für einen Sexualkomplex war. Lolita ist auch nicht frei von Plattitüden. Doch vor allem dank der grandiosen Hauptdarsteller entsteht trotzdem ein faszinierend-schockierendes Psychogramm.

Der Trailer zum Film:

Hingehört: Danger Mouse & Daniele Luppi – “Rome”

Mai 21, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Einmal Morricone und zurück, bitte - das ist das Motto von "Rome".

Einmal Morricone und zurück, bitte - das ist das Motto von "Rome".

Künstler Danger Mouse & Daniele Luppi
Album Rome
Label Emi
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung **1/2

Es gibt eine Menge Aufkleber, die auf CD-Covern nach Aufmerksamkeit heischen. „Bekannt aus Funk & TV“. „Parental Advisory: Explicit Lyrics“. „Mit den größten Hits der Achtziger und Neunziger“. All diese CDs werden trotzdem gekauft. Aber sollte sich tatsächlich jemand durchringen können, ein Album zu kaufen, auf dem dieses Etikett prangt: „White Stripes ohne Eier, Überbleibsel vom unbekanntesten Air-Album und der Geist von Ennio Morricone“? Womöglich nicht. Rome von Danger Mouse und Daniele Luppi ist allerdings genau dieses Album – wenn auch ohne Sticker.

Es wird trotzdem eine Menge Leute geben, die sich die Scheibe in den Plattenschrank stellen werden. Denn auf Rome ist die personifizierte Coolness am Werk: Star-Produzent Danger Mouse ist schließlich der Mann, der aus dem Untergrund kam, Hits für Gnarls Barkley fabrizierte, sich mit der Musikindustrie anlegte und aktuell gerade mit U2 im Studio ist. Italiens Star-Komponist Daniele Luppi hat unter anderem Sex And The City vertont. Dier Gesang kommt von Jack White, der vielleicht glaubhaftesten Verkörperung des Konzepts „Rockstar“, die das 21. Jahrhundert noch zu bieten hat, und von Norah Jones, die Credibility mit Mega-Erfolg und einem Beatles-Intimus im Stammbaum vereint. Und sie alle wandeln hier auf den Spuren von Ennio Morricone, der mit seinen Soundtracks seit knapp 20 Jahren mindestens ebenso Kult ist wie Sergio Leones Kino-Klassiker, denen er die kongenialen Klänge verpasst hat, von Once Upon A Time In The West bis The Good, The Bad & The Ugly.

Danger Mouse (den seine Mutter wahrscheinlich weiterhin einfach Brian Burton nennt) und Daniele Luppi haben fünf Jahre lang an Rome gearbeitet. Nicht nur das zeigt, wie viel Liebesmüh in diesem Album steckt. Um das Ganze wirklich stilecht zu machen, haben sie auch das legendäre Ortophonic Studio in Rom gebucht, in dem Ennio Morricone einst arbeitete. Sie haben nur analoges Equipment aus den Sechzigern und Siebzigern benutzt und live aufgenommen – mit einigen der Musiker, die schon damals für Morricone gespielt haben.

Das ist viel Hintergrund für gut 35 Minuten Musik. Aber man braucht diese Fakten, um Rome verstehen zu können. Mitunter braucht man den Kontext auch, um die Musik überhaupt relevant zu machen.

Denn Rome ist natürlich sehr elegant und wohlklingend. Die 15 Stücke sind ebenso flüchtig wie üppig. Sie sind theatralisch, ohne bombastisch zu sein – und fast immer durchweht von einer sanften Melancholie. Aber sie sind manchmal auch bloß hübsch – und sonst nichts.

Bongos machen den Auftakt, es folgt eine bedeutungsschwangere Gitarre und eine geheimnisvolle Sopranstimme – tatsächlich fühlt man sich sofort, als sei man inmitten eines Italowesterns gelandet. Vieles erinnert an den Soundtrack, den Air einst für The Virgin Suicides beigesteuert haben, anderes an die atmosphärischsten Momente von Radiohead oder an die Herangehensweise der Last Shadow Puppets.

Auch die beiden Gaststars können nur bedingt für Unbedingtheit sorgen. Jack White leidet in The Rose With A Broken Neck an der Zeit, Norah Jones säuselt sich durch Season’s Trees. Auch auf Two Against One beweist Jack White (der seinen Gesang übrigens im Nachhinein in Nashville beigesteuert hat), dass er zu Unrecht weiterhin nach wie vor in erster Linie als (E-)Gitarrengott gehandelt wird – seine Stimme muss längst genauso als Markenzeichen gelten. Norah Jones (deren Gesang in Los Angeles aufgenommen wurde) hingegen führt in Problem Queen all den Analog-Purismus ad absurdum, denn das Lied klingt verdammt nach den ebenso entspannten wie hörenswerten Ergebnissen, die Morcheeba schon vor zehn Jahren ihren Rechnern entlockten. Jack White setzt dann mit The World den Schlusspunkt und ist dabei ganz nahe an dem, was schon die Small Faces unter einem Gesamtkunstwerk verstanden.

Das bedeutet insgesamt: Rome hat seine Momente, ist aber alles in allem gezeichnet von einer gewissen Belanglosigkeit, am besten verkörpert von der Celesta, die hier vor allem in den instrumentalen Passagen immer wieder das dominierende Instrument ist und hübsche Kinderlied-Melodien erklingen lässt. Über weite Strecken sind Danger Mouse und Daniele Luppi hier tolle Traditionalisten, bieten aber nicht mehr als Wohlklang.

Black ist ein interaktives Video. Wer mit Google Chrome surft, kann hier ganz neue Welten entdecken:

Danger Mouse bei MySpace.

Draufgeschaut: Die Hochzeits-Crasher

Mai 20, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
John (Owen Wilson, links) und Jeremy (Vince Vaughn) sind überzeugte Junggesellen - und trotzdem Hochzeits-Profis.

John (Owen Wilson, links) und Jeremy (Vince Vaughn) sind überzeugte Junggesellen - und trotzdem Hochzeits-Profis.

Film Die Hochzeits-Crasher
Originaltitel Wedding Crashers
Produktionsland USA
Jahr 2005
Spielzeit 119 Minuten
Regie David Dobkin
Hauptdarsteller Owen Wilson, Vince Vaughn, Bradley Cooper, Christopher Walken, Rachel McAdams, Isla Fisher, Jane Seymour
Bewertung ****

Worum geht’s?

John und Jeremy arbeiten als Scheidungsanwälte. Trotzdem haben sie nichts gegen Hochzeiten. Im Gegenteil: Seit sie entdeckt haben, dass man bei Trauungen jede Menge Frauen abschleppen kann, schleichen sie sich regelmäßig bei Hochzeiten ein, genießen das gute Essen, schlürfen fleißig Gratis-Drinks und mischen dann mit falscher Identität die Feiern auf. Sie schaffen es sogar, sich bei der Hochzeit einer Tochter des Vizepräsidenten prächtig zu amüsieren. Bis jeder von ihnen mit einer weiteren Tochter des mächtigen Politikers anbandelt. Denn das bringt ihnen eine Einladung ins Sommerhaus des Ministers ein – und dass ihre Lügengeschichte auffliegt, ist dort nicht die einzige Gefahr.

Das sagt shitesite:

Die vergleichsweise originelle Geschichte wird in Die Hochzeits-Crasher noch durch viele witzige Dialoge gewürzt. Bis in die kleinste Nebenrolle hinein sind hier quasi alle Figuren ein wenig over the top – was eine wunderbare Entsprechung in den irren Kostümen findet. Das zeigt nicht nur, dass die Beteiligten von Die Hochzeits-Crasher über sich selbst lachen können. Es bedeutet auch reichlich Spaß für den Zuschauer.

Bestes Zitat:

“Wahre Liebe ist, seinen eigenen Kontarpunkt im anderen wiederzufinden.”

Der Trailer zum Film:

Hingehört: Kate Bush – “Director’s Cut”

Mai 19, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Auf "Director's Cut" frischt Kate Bush ihre eigenen Songs noch einmal auf.

Auf "Director's Cut" frischt Kate Bush ihre eigenen Songs noch einmal auf.

Künstler Kate Bush
Album Director’s Cut
Label Noble & Brite
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

An Mut, Kreativität und Intensität in der Beschäftigung mit dem eigenen Werk hat es Kate Bush nie gefehlt. Mit Director’s Cut bestätigt die „ungewöhnlichste Solokünstlerin, die England jemals hervor gebracht hat“ (NME) diesen Standard. Und trotzdem verwirrt sie. Directors Cut, ihre erste neue Platte seit sechs Jahren, ist eigentlich gar nicht neu, sondern irgendetwas zwischen einem Remix, einem Sequel und einem Sampler. Die CD versammelt Lieder von The Sensual World (1989) und The Red Shoes (1993), in neuen Versionen.

„For some time I have felt that I wanted to revisit tracks from these two albums and that they could benefit from having new life breathed into them. Lots of work had gone into the two original albums and now these songs have another layer of work woven into their fabric”, erklärt die 52-Jährige ihre Motivation im Guardian. Und sie fügt ganz frech an: “I think of this as a new album.”

Man kann darüber streiten. Vor allem, weil Kate Bush immer eine Künstlerin war, die totale Kontrolle über ihr Werk beanspruchte. Sie nimmt längst im eigenen Studio auf und veröffentlicht ihre Platten auf ihrem eigenen Label. Es gibt also niemanden, der ihr hineinredet – und gerade deshalb sollte man erwarten können, dass ein Künstler sein Werk als Dokument einer Schaffensphase versteht, das durch nachträgliche Retuschen womöglich dieses Wertes enthoben wird.

Kate Bush schert sich nicht drum. Einige der Songs wurden neu abgemischt, andere komplett neu eingespielt, bei allen hat Kate Bush neuen Gesang beigesteuert und dem Opener auch einen neuen Text angedeihen lassen. Hier kommt vielleicht am besten zur Geltung, was ihre Beweggründe bei Director’s Cut waren: Ursprünglich wollte sie das Lied schon 1989 mit einem Text aus James Joyces Ulysses versehen, doch den durfte sie damals nicht verwenden, sodass sie eigene Lyrics verfassen musste – das Ergebnis wurde der Titelsong ihres sechsten Albums. Nun fragte sie einfach noch einmal bei den Joyce-Erben an – und diesmal bekam sie das Okay. Flower Of The Mountain heißt der Track nun, und nach wie vor stellt Bushs vier-Oktaven-Stimme mühelos ein komplexes Soundbett aus Dudelsack, Bass und Geige in den Schatten. Das Glockenläuten steht hier gleich am Anfang – noch ein Beispiel für Kate Bushs Vorliebe für auf den Kopf gestellte Konventionen.

Es folgen viele Highlights. Die Zeile „don’t want your bullshit“ zischt sie in Song Of Solomon herrlich bedrohlich – das geht mindestens so durch Mark und Bein wie Alanis Morissettes You Oughta Know. Auch auf Never Be Mine und dem sinnlichen And So Is Love deutet sie mehr als an, warum die Village Voice sie einmal “einen menschlichen Synthesizer” genannt hat.

Insgesamt sind die Songs durchaus, wie es Kate Bush gewünscht hatte, ein Stückchen wärmer geworden als die Originale. In puncto Virtuosität (an den Instrumenten sind hier Könner wie Eric Clapton, Nigel Kennedy oder Gary Brooker zu hören) und Komplexität lässt Director’s Cut natürlich auch keine Wünsche offen.

Vor allem aber zeigt ironischerweise ausgerechnet die Rückkehr zu diesen alten Songs die Aktualität von Kate Bush. Immer wieder macht Director’s Cut deutlich, wie viel die aktuelle Riege der (nicht nur) britischen Fräuleinwunder dieser Frau schuldet. Deeper Understanding hätte nicht das geringste Update gebraucht, um aufs aktuelle Album von Ellie Goulding, La Roux oder Robyn zu passen. Das kraftvolle Top Of The City wäre auch im Kanon von Florence & The Machine oder Marina & The Diamonds ein Höhepunkt. Sie alle haben gelernt, was Kate Bush auch hier wieder unter Beweis stellt: Exzentrik ist immer dann am besten, wenn sie mit Talent gekoppelt ist.

Ein Mann ist besessen von seinem Computer – was passiert, wenn man das wörtlich nimmt, zeigt das Video zu Deeper Understanding:

Kate Bush bei MySpace.

Draufgeschaut: Liebeskind

Mai 18, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Alma (Anna Fischer) kann nicht genug von ihrem Vater (Lutz Blochberger) bekommen.

Alma (Anna Fischer) kann nicht genug von ihrem Vater (Lutz Blochberger) bekommen.

Film Liebeskind
Produktionsland Deutschland
Jahr 2005
Spielzeit 85 Minuten
Regie Jeanette Wagner
Hauptdarsteller Anna Fischer, Lutz Blochberger
Bewertung ****

Worum geht’s?

Alma ist 17, und sie hat ihren Vater fünf Jahre lang nicht mehr gesehen. Dann kommt er zurück in ihr Leben, und die Sehnsucht, sich besser kennen zu lernen, ist bei beiden riesig. Doch aus der Freude über das Wiedersehen wird eine erotische Affäre, die Anna noch tiefer in die Orientierungslosigkeit zu stoßen droht.

Das sagt shitesite:

Gewagt, doch niemals sensationslustig wird in Liebeskind der Tabubruch aus Homo Faber durchgespielt. Das ist inhaltlich nicht immer glaubwürdig, wird aber gerettet durch die famose Leistung der beiden Hauptdarsteller.

Der Trailer zum Film:

Hingehört: The Leisure Society – “Into The Murky Water”

Mai 18, 2011 · Posted in CD-Regal, Musik · Comment 
Rein ins Meer der Möglichkeiten: "Into The Murky Water" strotzt vor Eleganz.

Rein ins Meer der Möglichkeiten: "Into The Murky Water" strotzt vor Eleganz.

Künstler The Leisure Society
Album Into The Murky Water
Label Full Time Hobby
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

Eins ist gewiss: Guido Westerwelle ist kein Fan. “The Leisure Society”, das klingt schließlich nach römischer Dekadenz. Nach anstrengungslosem Wohlstand. Nach Schlaraffenland.

Ein bisschen trifft das auch auf die Musik von The Leisure Society zu. Denn diese Lieder klingen nicht nur mondän, elegant und tiefenentspannt. Der Sound des Oktetts aus Burton upon Trent stammt auch aus der Ära der Vollbeschäftigung. “The past is so seductive”, räumt Sänger Nick Hardy dann auch prompt im epischen I Shall Forever Remain An Amateur ein.

Folk-Altvater Richard Thompson hat die Band zu seinem Meltdown-Festival eingeladen, weitere Bezugspunkte sind Tim Buckley (die Opulenz), Love (die Theatralik) und die Beatles (die Liebe zum Detail). Wer es ein bisschen zeitgenössischer mag, darf gerne auf die Fleet Foxes oder Belle & Sebastian verweisen. Die Kritiker sind außer sich vor Begeisterung: Das Debütalbum The Sleeper wurde unter anderem zum Rough Trade Album Of 2009 und von iTunes zur besten Singer-Songwriter-Platte des Jahres gekürt. Die Debütsingle The Last Of The Melting Snow war vor zwei Jahren gar für einen Ivor-Novello-Award nominiert.

Die Messlatte liegt also hoch für den Nachfolger Into The Murky Water. Doch Nick Hemming und Christian Hardy, die Köpfe der Leisure Society, haben gar kein Problem damit. Den Titel (und das Taucher-Motiv auf dem Cover) darf man dabei durchaus wörtlich nehmen: Hals über Kopf stürzen sie sich in das Meer der musikalischen Möglichkeiten. Into The Murky Water ertrinkt dann auch fast in wunderhübschen Melodien, Stil und Finesse.

The Leisure Society laden zum Walzer (Although We Are All Lost), jagen einen Springinsfeld durch den Sommer (This Phantom Life) und können auch gut gelaunte Countrynummern (Better Written Off). Der Titelsong zum Beginn vereint Kammermusik mit Sixties-Seligkeit, danach entwickelt Dust On The Dancefloor den dezenten Drive, den man auch an Belle & Sebastian so schätzt. Vampire Weekend könnten selbst in ihren schicksten Flip Flops nicht leichtfüßiger daher kommen als You Could Keep Me Talking.

“Wir haben uns über jedes Fiepsen, jedes kleinste Geräusch so lange den Kopf zerbrochen, dass es irrsinning ist”, sagt Christian Hardy über die Entstehung von Into The Murky Water. Man hört der Platte diese Detailversessenheit an – und doch ist das Album in keinem Moment verkopft oder sperrig. Allerdings hat dieses Ausmaß an Elaboriertheit auch zur Folge, dass The Leisure Society hier durchweg wie ein verschworener, selbstvergessener Zirkel klingen, der den Zuhörer fasziniert, jedoch niemals in seine Mitte lässt. Doch das ist wirklich der einzige Vorwurf, den man dem Album machen kann – und mitunter ist es ja auch schöner, staunend am Strand zu stehen, während sich die anderen im finsteren Wasser tummeln.

Hatte ich schon die Sixties erwähnt? Im Video zu This Phantom Life finden The Leisure Society ihren Guru:

The Leisure Society bei MySpace.

Draufgeschaut: The Good Girl

Mai 17, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Justine (Jennifer Aniston) beginnt eine Affäre mit Holden (Jake Gyllenhaal).

Justine (Jennifer Aniston) beginnt eine Affäre mit Holden (Jake Gyllenhaal).

Film The Good Girl
Produktionsland USA
Jahr 2002
Spielzeit 93 Minuten
Regie Miguel Arteta
Hauptdarsteller Jennifer Aniston, John C. Reilly, Jake Gyllenhaal, Tim Blake Nelson, Deborah Rush, Mike White
Bewertung ****

Worum geht’s?

“Eine ganz normale Frau”, antwortet Justine, wenn man sie fragt, wer sie ist. Genau das ist ihr Problem: Statt zu studieren, hat sie sich für ein beschauliches Leben in der Kleinstadt entschieden, mit einem Mann, von dem sie einfach nicht schwanger werden will, und einem Job im Supermarkt, der an Stumpfsinn kaum zu überbieten ist. Als Justine sich auf eine Affäre mit ihrem Arbeitskollegen Holden einlässt, bringt das endlich etwas Aufregung in ihr Leben. Doch Holden, der von einem Leben als Schriftsteller träumt und mit Justine das Weite suchen will, stellt sie auch vor die Frage, ob sie wirklich mutig genug für ein Leben jenseits der Berechenbarkeit ist.

Das sagt shitesite:

Fast muss man die Coen-Brüder am Werke wähnen: The Good Girl wimmelt vor putzigen Bildern und schrägen Charakteren, die dabei doch niemals bloßgestellt werden. Das macht die an sich recht banale Geschichte von zerplatzten Träumen, Pragmatismus und der Frage, ob man Sicherheit wirklich ungestraft mit Abenteuer würzen kann, sehr sehenswert. Vor allem, weil es in The Good Girl keine unwiderstehliche Versuchung braucht, sondern schon die kleinste Abwechslung reicht, um Justine vor Augen zu führen, wie sehr sie sich in ihrer eigenen Genügsamkeit eingerichtet hat – und wie schmerzhaft es ist, das zu erkennen. Dazu kommt eine erstaunlich überzeugend aufspielene Jennifer Aniston und ein ebenso starker Jake Gyllenhaal, der hier als verstörter Möchtegern-Autor quasi schon seine Rolle als Donnie Darko vorweg nimmt.

Bestes Zitat:

“Wenn man so lange im Dunkeln gelebt hat, kann einen der kleinste Lichtblick ganz schwindlig machen.”

Der Trailer zum Film:

Der kritische Blick: Essen Sie mehr Müll!

Mai 16, 2011 · Posted in Ich, Kommentare, Videos, Weltgeschehen · Comment 

20 Millionen Tonnen Lebensmittel werfen die Deutschen pro Jahr weg. Das ist nicht nur erstaunlich angesichts von Zeiten, in denen viele gerne 20 Kilometer zum Discounter fahren, um dann dort ein paar Cent pro Banane, Joghurt oder Kartoffel zu sparen und in denen auch sonst allerorten “Geiz ist geil” regiert. Es ist vor allem auch empörend, wenn man bedenkt, dass im Handel und  in der Landwirtschaft nochmal eine gewaltige Menge genießbare Nahrung entsorgt wird, weil sie unseren ästhetischen Idealvorstellungen nicht entspricht – und dass trotz allem eine Milliarde Menschen auf der Welt hungern müssen. Die Lösung: Wir müssen wieder lernen, uns selbst zu beschränken.

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Draufgeschaut: Kaffee, Milch und Zucker

Mai 15, 2011 · Posted in Bewegtbild, DVD-Regal · Comment 
Jane (Whoopi Goldberg, rechts) hilft Holly (Drew Barrymore) auf der Flucht vor ihrem prügelnden Ex.

Jane (Whoopi Goldberg, rechts) hilft Holly (Drew Barrymore) auf der Flucht vor ihrem prügelnden Ex.

Film Kaffee, Milch und Zucker
Originaltitel Boys On The Side
Produktionsland USA
Jahr 1995
Spielzeit 117 Minuten
Regie Herbert Ross
Hauptdarsteller Whoopi Goldberg, Mary-Louise Parker, Drew Barrymore, Matthew McConaughey
Bewertung ****

Worum geht’s?

Jane ist eine gescheiterte Sängerin, Robin einer verklemmte, kranke Immobilienmaklerin und Holly auf der Flucht vor ihrem tyrannischen Lover. Als Fahrgemeinschaft wollen sie sich nach Kalifornien durchschlagen. Unterwegs werden die drei Frauen erst zu Freundinnen – und dann zu Komplizinnen.

Das sagt shitesite:

Kaffee, Milch und Zucker ist ein sehr amüsantes Road-Movie mit starken Charakteren, trockenem Humor und viel Menschenliebe.

Der Trailer zum Film:

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