Alpines – „Full Bloom“


Künstler Alpines

Alpines Full Bloom Review Kritik

Als „harte Arbeit“ haben Alpines ihr drittes Album empfunden.

Album Full Bloom
Label Untrue
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Zwei Bedeutungen hat der Titel des dritten Albums von Alpines, und man mag kaum entscheiden, welche von beiden gewagter ist. Die erste bezieht sich auf die Entwicklung der Band. Bob Matthews und Catherine Pockson, die beiden Musiker in diesem Duo aus Kingston-Upon-Thames, sehen sich auf Full Bloom in der Blüte ihres Schaffens. Das hat sicher damit zu tun, dass sie nicht gerade den einfachsten Weg gegangen sind, um an diesen Punkt zu gelangen. Ihr Debüt-Album Oasis hatten sie in Eigenregie veröffentlicht, nachdem die Zusammenarbeit mit einem Major-Label gescheitert war. Der Nachfolger Another River wurde teilweise als zu poppig kritisiert, nun legen sie mit dem dritten Longplayer das „Ergebnis von Jahren harter Arbeit“ vor, wie Bob Matthews sagt.

Die zweite Bedeutung von Full Bloom ist ganz wörtlich gemeint, wie der Titelsong am Beginn der Platte zeigt. „If there’s no flowers anymore / what we living for?“, heißt die erste Zeile darin. Was hier in voller Blüte steht, ist der Klimawandel, vor dem Alpines eindringlich warnen. „We can’t waste any second, any minute, any hour“, singt Catherine Pockson und erklärt zu diesem Song: „Das Lied handelt von der globalen Erwärmung, unserer Liebe zu diesem Planeten und davon, dass wir fast keine Zeit mehr haben, um ihn zu retten. Die Zeile ‚everything has to change‘ im Refrain ist zugleich ein Aufruf, endlich zu handeln, und ein deutlicher Hinweis an diejenigen, die noch immer die Realität leugnen. Wenn wir unseren Lebenswandel innerhalb der nächsten paar Jahre nicht radikal verändern, werden die Schäden unumkehrbar, die wir der Natur angetan haben. Ein paar davon sind es schon heute.“ Der Sound dazu ist elektronisch, aber mit viel Wärme, das Ergebnis wird eindringlich, aber nicht penetrant – vor allem ist das Lied so komplex und intelligent, wie es dieses Thema gebietet.

Dieser Eindruck zieht sich durch das gesamte Album. Alpines benennen als wichtige Einflüsse für Full Bloom beispielsweise Prince, Aaliyah, Frank Ocean, Lauryn Hill, Aretha Franklin, Erykah Badu, die Rave-Kultur der 1990er Jahre und Massive Attack. Vor allem Letztere sind klar als Bezugspunkt erkennbar. Ein Track wie 3D (ja, das ist der Künstlername eines der Mitglieder bei den TripHop-Pionieren aus Bristol) könnte perfekt auf Blue Lines passen, und das ist natürlich als Kompliment gemeint. Auch in Out Of View ist dieser Bezugspunkt sehr präsent, daneben ragt die Stimme von Catherine Pockson heraus.

Ein Lied wie das sehr elegante und intensive Alright könnte von Emeli Sandé sein, auch wegen der Bereitschaft zur totalen Hingabe und dem Zweifel daran, dass die allein schon zum Glück ausreichen wird. Eyes Open beweist eine erstaunliche Abgeklärtheit beim (Rück-)Blick auf emotionale Verwirrung und zeigt damit ein weiteres Leitmotiv für dieses Album: Wehmut ist erkennbar, Verzweiflung nicht. In Ghosts hadert die Sängerin mit sich, zugleich hört man heraus: Sie hat eindeutig die Entschlossenheit und das Selbstvertrauen, aus dem hier besungenen Dilemma alleine herauszufinden. Too Young spricht jemanden an, der womöglich vor seiner eigenen Kraft beschützt werden muss. In Be Yours steckt viel davon drin, was sie über die Liebe gelernt hat, unter anderem die Frage: „How can I be yours / if you’re not here, too?“

Am Beginn stand fast immer eine kleine Piano-Idee, haben Alpines über die Entstehungsgeschichte der neuen Songs verraten. Bob Matthews sagt: „Es gibt Lieder, die sich eher an Catherines Liebe für klassische Singer-Songwriter und Soul orientieren. Anderes ist von eher unbekannten Produzenten und Rap inspiriert.“ Eindeutig in die erste Kategorie fallen der Album-Schlusspunkt Archangel, in dem Chatherine Thompson dann doch einmal verletzlich klingt, und Human, das im Kern ebenfalls als Klavierballade erkennbar bleibt und einen Beziehungsstatus thematisiert, der irgendwo zwischen Sehnsucht und Chaos changiert. Eher in die zweite Kategorie kann man Heavy Metal einordnen. Obwohl es ein Gitarrensolo gibt, ist der Track von diesem Genre natürlich deutlich entfernt – für die beängstigende Atmosphäre sorgen vielmehr der fiese Bass und der strenge Beat.

In Summer Rain bringen Alpines die beiden bestimmenden Themen des Albums in der Zeile „Whenever we’re close / the rain comes pouring down“ zusammen. Da kommt beides zusammen, und Umwelt, Wetter und Klima werden zur Metapher für das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt.

Im Video zu Be Yours hat die Natur eine nicht unbedeutende Nebenrolle.

Website von Alpines.

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