Archive – „With Us Until You’re Dead“


Künstler Archive

Archive liefern Blendwerk ohne emotionalen Kern.

Archive liefern Blendwerk ohne emotionalen Kern.

Album With Us Until You’re Dead
Label Dangervisit
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung

Sieben Live-Alben gibt es von Archive, dazu noch eine DVD. Zwei davon wurden in Belgien aufgenommen, der Rest in Frankreich. Was bedeutet: In England, der Heimat der beiden Band-Köpfe Darius Keeler und Danny Griffiths, will nach wie vor niemand etwas von Archive wissen. Was schlicht und ergreifend daran liegen könnte, dass ihre Musik scheiße ist.

Mit With Us Until You’re Dead legen Archive einen weiteren Beweis vor. Es ist schon das neunte Studioalbum der Ex-Trip-Hop-Vorreiter. Und noch immer machen sie vollkommen überflüssige Musik, deren einziges Ziel es zu sein scheint, Kiffer zu beeindrucken. Wobei man bedenken sollte, dass man Kiffer auch mit einem Wollknäuel beeindrucken kann, das langsam Staub fängt.

Von vorne bis hinten ist With Us Until You’re Dead schwer zu ertragen. Wiped Out macht den Beginn: Zwei Minuten lang gibt es fast nur Stimme, ein Hauchen, das dann zu einem Flehen wird. Später kommen Streicher dazu, Breakbeats und ein pseudo-dramatisches Klavier. Noch affektierter kann ein Auftakt nicht sein.

So geht es weiter: Interlace besteht in erster Linie aus reichlich verzerrtem Blendwerk. Das wirre Conflict mischt Massive-Attack-Atmosphäre mit so etwas wie sämtlichen Fehltritten von Billy Idol beim Versuch, wieder modern sein zu wollen. Violently hat zwar einen halbwegs reizvollen Kontrast aus wildgewordenem Beat und majestätischen Streichern zu bieten, klingt aber trotzdem wie Shirley Bassey beim ersten Herumspielen mit einer uralten Version des Magix Music Makers.

Stick Me In My Heart illustriert vielleicht am besten das Problem dieses Albums: Irgendwo in diesem Track steckt so etwas wie eine Ballade von Sting, deren peinlicher Wohlklang dann nach und nach unterwandert und durch nichts als Hektik ersetzt wird. Die Form ist hier immer wichtiger als der Inhalt (zumindest bei den Stücken, die überhaupt über so etwas wie Inhalt verfügen). Alles will superschlau sein und beeindruckend, aber es fehlt With Us Until You’re Dead schlicht an einem emotionalen Kern.

Das ist vor allem sträflich, weil Archive genau diesen diesmal ins Zentrum stellen wollten. „As a collective we’ve always written songs that focus on social and political issues but for this album I really wanted the songs to be more personal – love songs, basically. But coming at the subject matter in that non-formatted Archive way“, sagt Darius Keeler über das neunte Album seines Projekts. “I grew up a massive Otis Redding fan and I wanted to bring some of that soulfulness to the songs, but at the same time to make them twisted and experimental.”

Twisting hört man diesen Anspruch an, die Strophe eines Soul-Songs soll hier mit der Musik einer Quasi-Industrial-Ballade vermählt werden. Aber der Track erreicht weder die Intensität von Soul noch die schockierende Härte von Industrial. Calm Now gerät zwar nett sphärisch, bleibt aber ebenfalls überflüssig. Damage klingt wie Hercules & Love Affair mit Erektionsstörungen und ist einer von vielen Tracks, bei denen die penetrante Hi-Hat viel zu laut im Mix ist. Bei Silent kann man sich sogar Helene Fischer vorstellen, wie sie in durch Sahara-Kulissen einer MDR-Show tanzt.

Immerhin: Things Going Down ist eine Skizze mit Potenzial, das spannende Hatchet entwickelt sich von so etwas wie Psycho-HipHop zu Zukunftspop, ganz am Schluss gibt es mit Rise (Band Of Horses meets Röyksopp, falls sich das jemand vorstellen mag) den besten Track des Albums. Aber ganz viel auf With Us Until You’re Dead ist hohles Experimentieren als Selbstzweck. Das haben beispielsweise Xiu Xiu zuletzt tausendmal besser hinbekommen. Aber so ist das eben mit einem Archiv: Es kann noch so clever sortiert sein und noch so kunstvoll angeordnet. Aber es ist letztlich immer nur so gut wie das, was drinsteckt.

Das Video zu Hatchet ist definitiv kein Blendwerk – dafür ist es zu dunkel:

Homepage von Archive.

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