Durchgelesen: Richard Ford – „Der Sportreporter“ 1


„Der Sportreporter“ lebt in einer Blase – und hat doch nichts im Griff.

Autor Richard Ford
Titel Der Sportreporter
Verlag Berliner Taschenbuch Verlag
Erscheinungsjahr 1986
Bewertung ***

Vor 20 Jahren brachte dieser Roman den Durchbruch für Richard Ford, zehn Jahre später erhielt er den Pulitzer-Preis für Unabhängigkeitstag. Und auch hier sind es uramerikanische Probleme, die er aufgreift.

Der Sportreporter Frank, ein gescheiterter Schriftsteller, der sich nun in seiner Mittelmäßigkeit bequem eingerichtet hat, taumelt durch sein Leben, durch die Vorstädte, durch die Ära nach Vietnam und nach dem Summer of Love. Er weiß nichts mit seiner Zeit und seinen Mitmenschen anzufangen, und er glaubt, das darin kein Problem liegt.

Frank ist einer, der meint, dass er alles im Griff hat, der nichts an sich ran lässt und mit seiner Handvoll Überzeugungen und Grundsätze weitgehend unbehelligt durch das Leben kommt.

Sein Job hilft ihm beim Leben in einer Blase: Es gibt immer Regeln und Fouls, Trainerwechsel und Spielertransfers. Und es gibt, vor allem, immer einen nächsten Spieltag, eine neue Saison, in der die Karten neu gemischt werden, in der aber im Prinzip alles beim Alten bleibt.

Doch durch eine Serie von Kleinigkeiten wird Frank dann mit dem echten Leben konfrontiert. Er trifft einen ehemaligen Football-Profi, der nun im Rollstuhl sitzt, sein Freund Walter erschießt sich, und die Ostertage bringen schlimme Erinnerungen und neue Schwierigkeiten mit sich. Frank grübelt plötzlich wieder – obwohl er es nicht möchte und obwohl er bestreitet, dass darin ein Sinn und eine Erkenntnis liegen könnte – über den Tod seine Sohnes, den er nie verwunden hat, und über die Scheidung von seiner Frau, die er sich nicht erklären kann.

Er ahnt plötzlich die eigene Ohnmacht und, ohne dass er es sich eingesteht, wird ihm (und dem Leser) klar: Dies ist ein Mann, der jede Verantwortung scheut, der sogar bestreitet, dass es überhaupt so etwas gibt wie Verantwortung, für die Mitmenschen, für die Welt, und der deshalb völlig leer und unsagbar einsam ist.

Mit welch sprachlicher Beiläufigkeit Ford das Platzen der Blase inszeniert, und wie hartnäckig er Frank das Platzen der Blase ignorieren lässt, wie fundamental Frank es ablehnt, endlich zu lernen, dass es solche Blasen niemals geben kann (auch wenn die Welt des Sports ihr sehr nahe kommt), das ist die Stärke dieses Buches.

Beste Stelle: „Manche Dinge sind nicht zu erklären. Es gibt sie einfach. Und nach einer Weile verschwinden sie, gewöhnlich für immer, oder werden auf andere Weise interessant. Die Tröstungen der Literatur wirken immer nur vorübergehend, während das Leben rasch wieder neu anfängt. Es ist besser, gar nicht erst so genau hinzusehen, mit dem Erklären gar nicht erst anzufangen. Nichts berührt mich so unangenehm, als meine Zeit mit Leuten zu verbringen, die das nicht wissen und die nicht imstande sind zu vergessen, und für die eine solche Erkenntnis noch nicht zu einem Grundstein des Lebens geworden ist.“


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