Blondie – „Greatest Hits“


Künstler Blondie

Blondie Greatest Hits Review Kritik

Eines der letzten Konzerte von Blondie vor dem Comeback zeigt die DVD.

DVD Greatest Hits
Produktionsfirma Falcon Neue Medien
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung

„Happy anniversary to HBO“, wünscht Debbie Harry ganz am Ende dieses Konzerts. Sie sagt den Satz direkt in die Kamera und das ist der wichtigste Hinweis auf die Entstehung dieser DVD. Das Konzert wurde aufgenommen am 18. August 1982 in der Canadian National Expo, Toronto. HBO, damals im zehnten Jahre seines Bestehens, machte daraus eine Fernsehsendung, als Bootleg wurden die elf Lieder fünf Jahre später auf Vinyl veröffentlicht (als Blondie – Live Toronto), auch auf CD gibt es diesen Mitschnitt.

Ton- und Bildqualität sind angesichts der professionellen Aufnahmebedingungen gut, vor allem im Vergleich zu anderen teils fragwürdigen Veröffentlichungen aus dem Hause Falcon Neue Medien. Auch der Titel Greatest Hits ist nicht ganz aus der Luft gegriffen, mit Heart Of Glass (dessen Ende einer der stärksten Momente des Konzerts wird), One Way Or Another (das eine rohe Kraft ausstrahlt), The Tide Is High oder Call Me (das die Show beschließt) sind viele der größten Erfolge der Band aus New York enthalten.

Bei Blondie selbst sollte man hingegen nicht von Bestform ausgehen: Zum Zeitpunkt der Aufnahme war Gitarrist Chris Stein bereits schwer krank, Sängerin Debbie Harry und Keyboarder Jimmy Destri hatten schon Soloplatten veröffentlicht, Gitarrist Frank Infante hatte sich mit seinen Bandkollegen verkracht und war gar nicht erst mit auf Tour gekommen. Der Auftritt in Toronto war die vorletzte Show einer Konzertreise, die zuvor nicht sonderlich gut verlaufen war. Die geplanten Europa-Konzerte mussten Blondie mangels Interesse der dortigen Fans absagen, auch in Amerika gab es längst nicht nur ausverkaufte Hallen. Ein Vierteljahr nach dieser Show gaben sie ihre Auflösung bekannt, erst nach dem Comeback 1997 sollte es dann wieder Auftritte der Band geben.

Diese Krise merkt man der Show kaum an. Ergänzt um drei Bläser und mit Eddie Martinez als zusätzlichem Gitarristen wirken Blondie souverän und engagiert. Sechs Alben haben sie zu diesem Zeitpunk im Gepäck, vom Punk der Anfangsjahre ist in erster Linie die Überzeugung geblieben, sich alles zutrauen und alles aneignen zu können: Rap, Funk, Disco, Reggae, Karibisches. Mit War Child, Danceway und dem ziemlich abgefahrenen Island Of Lost Souls gibt es drei Stücke vom damals aktuellen Album The Hunter, das es in den US-Charts nur bis auf Platz 33 gebracht hatte.

Herausragend ist die Leistung von Schlagzeuger Clem Burke, zumindest erwähnenswert ist das Cover von Start Me Up (Rolling Stones), das als vorletzter Track der Show erklingt, allerdings wenig Biss hat. Am Beginn des Konzerts steht Rapture. Debbie Harry verhaut darin den Gesang in der ersten Strophe komplett. Danach hat sie sich zwar schnell gefangen, ab und zu wirkt ihre Stimme aber auch in anderen Momenten noch wackelig oder angestrengt. Das ist freilich in letzter Konsequenz kein Problem: Ihre Performance lebt nicht von Technik, sondern von Charisma. Sie trägt, das ist hier natürlich nicht unerheblich, einen Rock und einen kurzen Trenchcoat, der dann nach dem ersten Song verschwindet. Zur Zugabe kommt sie in einem schwarz-lila Kleid mit passenden Leggings zurück – und durchweg ist sie der unumstrittene Mittelpunkt der Show, egal ob sie singt, tanzt oder sich mit ihren kurzen Ansagen ans Publikum wendet. Während der Tour hat Debbie Harry ihren 37. Geburtstag gefeiert, und sie wirkt hier, als sei sie genau in der Mitte zwischen Göre und Lady. Ihre Ausstrahlung und ihre Selbstverständlichkeit als Performerin und Boss auf der Bühne ist letztlich das Highlight dieses Konzerts. Wer Blondie auch musikalisch in der Blüte ihres Schaffens erleben möchte, ist allerdings mit der DVD Picture This Live besser bedient.

Zugabe: Blondie spielen Call Me live in Toronto.

Homepage von Blondie.

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