Blossoms – „Foolish Loving Spaces“


Künstler Blossoms

Blossoms Foolish Loving Spaces Review Kritik

Blossoms haben auf „Foolish Loving Spaces“ nichts (mehr) mit Britpop zu tun.

Album Foolish Loving Spaces
Label Caroline
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Die wichtigste Zeile auf Foolish Loving Spaces findet man im siebten Lied dieser Platte. Blossoms haben ihm den schön lakonischen Titel Romance, Eh gegeben, und Sänger Tom Ogden trällert darin: „We can’t postpone our lives.“ Diese Erkenntnis steht im Zentrum des dritten Albums von Blossoms. Es platzt beinahe vor Heiterkeit, Optimismus und amourös bedingter Endorphin-Ausschüttung. Foolish Loving Spaces ist eine extrem hübsche Einladung in die Gegenwart, in den Moment.

Das Quintett aus Stockport bei Manchester hat reichlich Grund zur guten Laune. 2016 landete ihr Debüt an der Spitze der Charts, mit dem Nachfolger vor zwei Jahren erreichten sie ebenfalls die Top5 im UK. Ihr drittes Album ist mit einem hohen Maß an Eingängigkeit erkennbar darauf aus, diesen Erfolg fortzusetzen. Zugleich zeigen Blossoms hier, dass eine Einordnung ins Britpop-Genre (der Pressetext attestiert ihnen einen „Sound zwischen The Verve und Oasis“) bei ihnen nie recht zutraf. Für Erstere sind die Lieder viel zu präsent, für Letztere viel zu wenig muskulös. Das erwähnte Romance, Eh verdeutlicht zwar, dass ihnen ein wenig Jangle durchaus gut steht, ansonsten hat Gitarrist Josh Dewhurst aber meist nur eine Nebenrolle.

Die Single Your Girlfriend beispielsweise könnte viel eher von Duran Duran sein, im Sound und auch im Thema: Der Neid, den der Erzähler auf einen anderen Mann wegen dessen Freundin verspürt, erwächst auch aus seiner eigenen großen Nähe zu dieser Frau. Die von einem Afrobeat angetriebene Single If You Think This Is Real Life ist zugleich plakativ und niedlich. Oh No (I Think I’m In Love) verbreitet eine fast theatralische Fröhlichkeit im Sinne von Scissor Sisters oder gar ABBA. Sunday Was A Friend Of Mine hat ebenfalls einen Discobeat, der aber in der Strophe etwas gebremst wird, weil darin auch etwas Melancholie im Stile von Zoot Woman oder den Shout Out Louds erkennbar wird.

Blossoms, die hier erneut mit den Produzenten James Skelly und Rich Turvey (The Coral, Cabbage) zusammengearbeitet haben, benennen selbst indes ganz andere Vorbilder. Sie sehen Foolish Loving Spaces als „eine unverfälschte Feier der Liebe in all ihren wundervollen und überraschenden Erscheinungsformen. Wir spielen mit den so genannten Sünden der Lust und verbotener Vernarrtheit, inspiriert von einem Sommer, in dem wir vor allem Stop Making Sense, The Joshua Tree und Screamadelica gehört haben.“ Die Talking Heads, U2 und Primal Scream sind die Künstler hinter diesen Werken, zumindest Letztere kann man beispielsweise im Chorgesang der Single The Keeper wieder erkennen. Das Klavier von Pianist Myles Kellock ist darin cool und heiter, der von Joe Donovan (Schlagzeug) und Charlie Salt (Bass) generierte Rhythmus ist federnd, alles klingt ganz einfach und beiläufig, aber das Gesamtergebnis ist beeindruckend.

Auch My Swimming Brain bringt die Atmosphäre der Platte mit einem sonnigen Refrain und Handclaps sehr gut auf den Punkt. Der Album-Schlusspunkt Like Gravity schließlich steht in der Tradition von Acts, die Eighties-Versatzstücke mit viel Wärme anreichern, etwa The Drums oder The Teenagers. Der Song ist heiter, schwungvoll und verspielt und fasst damit gut den Taumel zusammen, den Verliebtsein bedeutet – und der Blossoms wohl das Wichtigste im Leben ist, weil es darin nur noch das Hier und Jetzt gibt.

Im Video zu The Keeper spazieren Blossoms durch New York – und sehen unverkennbar aus wie eine Band.

Website von Blossoms.

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