Bruder Löwenherz


Sportlichkeit und Emotionalität verkörpert der Leon. Foto: Seat

Sportlichkeit und Emotionalität verkörpert der Leon. Foto: Seat

Lamborghini: Der Name hat Klang. Aggressivität schwingt darin mit, Temperament und rassige Sportlichkeit. In dieser Sparte sieht sich auch Seat. Gemeinsam mit Lamborghini und Audi bilden die Spanier die sportliche Südgruppe im VW-Konzern.

„Wir sind die sportliche Einsteigermarke im deutschen Markt. Wer ein emotionales, sportliches Auto sucht, kommt zu uns“, sagt Michael Grosche, Geschäftsführer von Seat Deutschland. Er weiß aber auch, dass Seat zwar im selben Spektrum wie Lamborghini tätig ist, sich aber hinsichtlich des Renommees lange Zeit am verkehrten Ende wiederfand. „Hinterhofatmosphäre“ und „Billig-Image“, sind die Stichworte, die Grosche nennt, wenn es um die Anfangstage der Marke geht. Aus dieser Ecke hat sich Seat inzwischen gelöst. Die Kunden sind zufriedener, die Autos sicherer geworden.

Nun soll der nächste Schritt folgen. Die spanische VW-Tochter strebt dabei nicht nur eine bessere Selbstdarstellung an, sondern auch einen größeren Marktanteil in Deutschland. Zwei Prozent (aktuell: 1,8 Prozent) sind mittelfristig das Ziel, gibt Grosche vor. Eine entscheidende Rolle beim anvisierten Aufschwung kommt dem Leon zu, der bisher für ein Drittel der Seat-Umsätze sorgt. Und so setzte man bei der Überarbeitung der fünftürigen Steilhecklimousine auf „die Kernwerte der Marke“, wie Grosche erklärt. Als da wären: Emotionalität und Sportlichkeit zum günstigen Preis.

All das bietet der Leon in der Tat. Die neue Optik – Scheinwerfer in Form von Luchsaugen unter Klarglasabdeckungen, drei große Kühlluftöffnungen in der tiefen Frontschürze, Heckspoiler, versteckte Türgriffe hinten, direkt an der Tür angebrachte (allerdings ein ganzes Stück zu klein geratene) Außenspiegel – unterstreicht die Sportlichkeit und Individualität des Autos.

Die Motoren sind bereits aus Toledo und Altea bekannt. Als Diesel stehen 105 und 140 PS starke Aggregate aus dem VW-Baukasten zur Verfügung, für die es bis Ende des Jahres auch Partikelfilter für 565 Euro geben soll. Bei den drei Benzinern reicht das Spektrum von 102 bis 185 PS (der Top-Motor mit Turbolader wird zwar erst zum Ende des Jahres ausgeliefert, kann aber schon bestellt werden).

Den neuen Leon gibt es in den beiden Ausstattungslinien „Reference“ (ab 15.690 Euro) und „Stylance“ (mit Leichtmetallrädern, Klimaanlage, CD-Player und Tempomat ab 18.090 Euro). Zusätzlich kann jeweils ein Sportpaket bestellt werden.

Wer zu einem der stärkeren Antriebe greift, kann seine sportlichen Ambitionen im Leon voll ausleben. So bietet der Zweiliter-FSI bereits eine ordentliche Beschleunigung (8,8 Sekunden von Null auf Hundert) und eine Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h. Was diese trockenen Zahlen allerdings nicht ausdrücken: Der Leon macht Spaß, lädt förmlich ein zu schnellen Slides und sportlichen Manövern. Neben Lenkung und Schaltung trägt die verbesserte Fahrwerksabstimmung zur neuen Agilität bei.

Dabei bleibt der Bruder Löwenherz beherrschbar. In Extremsituationen helfen ESP und eine stabilisierende Lenkunterstützung sehr sensibel, die Spur zu halten. Besonders beeindruckt die Dual-Rate-Servobremse: Bei mehr Druck aufs Pedal nimmt die Wirkung überproportional zu. Damit lässt sich die Verzögerungskraft bei Kurvenfahrt genau dosieren, im Notfall kommt das Auto aber auch in Nullkommanix zum Stehen. Für mehr Sicherheit sorgen auch die sechs Airbags, ABS und Reifenkontrollanzeige (inzwischen in allen Ausstattungsvarianten serienmäßig), neue Kopfstützen und bessere Materialien für die Karosserie. Dazu gibt es mehr Platz, für die Passagiere im Fond beispielsweise sechs Zentimeter zusätzliche Beinfreiheit.

Der neue Leon ist bei weitem kein Lamborghini für Arme, sondern ein echter Seat geworden. Und das darf man durchaus als Kompliment verstehen.

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